Der Waiblinger Bahnhof ist in die Jahre gekommen. Foto: Gottfried Stoppel

Ein attraktiver Stadteingang sieht anders aus: Deshalb sucht Waiblingen für das Bahnhofsareal Visionen. Eine davon schlägt den Abriss des Bahnhofgebäudes vor.

Waiblingen - Wo ist denn hier die Stadt?“ Die Frage stelle mancher Reisender, der am Bahnhof Waiblingen den Zug verlasse, vermutet der Oberbürgermeister Andreas Hesky. Den Teilnehmenden einer von der Bundesstiftung Baukultur organisierten Exkursion, die sich das Bahnhofsgelände nun anschauten, erklärte Hesky, der Bahnhof liege einen guten Kilometer von der Altstadt entfernt. Zudem trennten die Bahntrassen, auf denen zwei S-Bahnlinien und zwei Regionalbahnlinien in Richtung Backnang und Schorndorf verkehren, die nördlichen und südlichen Stadtteile voneinander.

 

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Es gibt also einige Gründe, wieso die Stadt mit dem rund elf Hektar großen Bahnhofsareal nicht so recht glücklich ist. Ändern soll sich das auch mithilfe der Internationalen Bauausstellung 2027. Ins IBA-Netz ist Waiblingen mit dem Bahnhofsprojekt vor zwei Jahren aufgenommen worden, nun hat sich laut Andreas Hesky die Deutsche Bahn mit einer Absichtserklärung zu einer Partnerschaft bekannt. Ein wichtiger Schritt, denn ohne den Konzern, der Eigentümer der Flächen ist, läuft rein gar nichts.

Hesky: Für Verhandlungen mit der Bahn ist ein langer Atem nötig

Wer mit der Deutschen Bahn verhandle, tue das mit zehn bis 20 Grundstückseigentümern, erklärte Hesky: „Da ist ein langer Atem nötig.“ Auch deshalb wünsche er sich eine Verbesserung des Planungsrechts auf Bahnflächen. Hesky plädiert zudem dafür, dass die Kommune – anders als derzeit – der erste Ansprechpartner der Bahn bei Grundstücksverkäufen sein müsse. So ließen sich Situationen wie die Versteigerung des Bahnhofsgebäudes in Neustadt verhindern, bei der ein Privatmann für 340 000 Euro den Zuschlag erhalten hatte. Mit ihm, der das denkmalgeschützte Gebäude ohne Genehmigung umgebaut hat, liegt die Stadt im Rechtsstreit.

„Bahnhöfe gehören eigentlich in kommunale Hände“, ist die Überzeugung von Reiner Nagel, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesstiftung Baukultur. Der IBA-Projektleiter Hans-Peter Künkele sagte, es brauche Instrumentarien, die es Kommunen erlaubten, Gelder für den Planungsprozess zu erhalten. Andernfalls müssten diese in Vorleistung gehen, was für kleinere Kommunen finanziell häufig schlicht unmöglich sei.

Gebiet braucht eine grundlegende Neuordnung

Die Waiblinger Verwaltung hat für das rund elf Hektar große Bahnhofsgebiet zwei Masterstudien erarbeiten lassen. Eine schlägt den Abriss des heutigen Bahnhofgebäudes vor. Die Deutsche Bahn wiederum möchte eben jenes Gebäude mit einer grünen Fassade versehen. Für Patrik Henschel, den Fachbereichsleiter Stadtplanung, steht auf alle Fälle fest, dass der Bahnhofsbereich „eine grundlegende Neuordnung braucht“. Aktuell biete das Areal wenig Aufenthaltsqualität und viele versiegelte Flächen: „Das ist nicht der attraktive Stadteingang, den man sich wünscht.“

Ziel sei es, die durch die Gleise getrennten Stadtteile zu vernetzen. Entlang der Trassen sollen neue Gebäude entstehen. Als nächstes bereite man ein internationales Wettbewerbsverfahren vor, das Grundlage für einen Bebauungsplan sei.

Welchen Charakter die Bebauung nach Ansicht des IBA-Teams haben sollte, erläuterte Hans-Peter Künkele: „Wir wollen sehr dichte, kompakte Quartiere mit speziellen Wohnungstypologien verwirklichen.“ Infrage kämen Werkswohnungen, Mikroapartments und gemeinschaftliche Wohnformen für Studenten und Senioren. Wichtig sei, dass sich nicht nur Gewerbetreibende einmieten: „Sonst ist am Abend alles leer.“