Das Grundstück an der Solitudestraße war schon Gegenstand verschiedener Überlegungen. Foto: Archiv Martin Braun

Die Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung, die das Areal zwischen Engelbergstraße und B 295 in Stuttgart-Weilimdorf neu plant, pausiert derzeit – zunächst müssen politische Entscheidungen abgewartet werden. Im Raum steht offenbar, dort einen SSB-Betriebshof zu errichten.

Weilimdorf - Schon seit Jahren liegt das Walz-Areal in Weilimdorf brach. Seit die Gärtnerei Walz, die das Grundstück an der Solitudestraße einst genutzt hat, den Standort im Jahr 2007 aufgegeben hat, werden immer wieder verschiedene Nutzungen diskutiert: Flüchtlingsunterkünfte, Bürgerhaus oder Sportgelände sind nur einige davon. Mittlerweile nutzt der Verein Chloroplast einen Teil des Geländes, unter anderem für Kunstaktionen und Workshops mit geflüchteten Menschen. Im vergangenen Jahr hat die Stadtverwaltung eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um unter Federführung des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung das Gebiet zwischen Engelbergstraße und Jugendhaus zu überplanen (wir berichteten).

Erste Ergebnisse hätten eigentlich im Frühjahr dieses Jahres mit den Bürgern diskutiert werden sollen. „Die Arbeitsgruppe ist gut angelaufen“, sagt Kathrin Steimle vom Stadtplanungsamt. Inzwischen sei dieser Prozess aber ein bisschen auf Eis gelegt worden, da es andere Nutzungsüberlegungen für das Walz-Areal gebe. Was genau überlegt wird, könne sie nicht sagen: „Das sind politische Entscheidungen, die getroffen werden müssen.“ Diese müsse man jetzt abwarten, um zu wissen, unter welchen Voraussetzungen die Arbeitsgruppe weitermachen könne, erklärt Steimle.

Möglicherweise könnte auf dem Gelände ein Stadtbahn-Betriebshof gebaut werden

Konkreter wird da der Fraktionsvorsitzende der der Freien Wähler (FW) im Gemeinderat, Jürgen Zeeb: „Es gibt Gerüchte, dass man das Walz-Gelände als Straßenbahn-Betriebshof nutzen möchte.“ Der Sprecher der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB), Hans-Joachim Knupfer, mag dies nicht bestätigen. Tatsächlich sei es aber so, dass die SSB weitere Züge und dafür auch einen neuen Betriebshof brauche. „Wir sind auf der Suche im Nord-Westen Stuttgarts“, sagt Knupfer. Der neue Standort sei für die Talquerlinien wie etwa die U 6, die U 12, die derzeit ausgebaut wird, oder die neue Linie U 16, die zwischen Giebel und Fellbach verkehren wird, vorgesehen und müsse für die 80 Meter langen Doppelzüge geeignet sein. Im kommenden Jahr werden 20 neue Züge angeschafft, erklärt der Unternehmenssprecher. Sie werden in einen Provisorium auf dem Möhringer Betriebshof untergebracht. Wolle man den Bestand von dann 204 Zügen aber wie angedacht weiter ausbauen, brauche man einen vierten Betriebshof. Die Rathausspitze möchte sich momentan noch nicht zu den Plänen äußern. Baubürgermeister Peter Pätzold lässt mitteilen, dass sowohl hinsichtlich des Walz-Areals als auch eines neuen SSB-Betriebshofs interne Abstimmungen laufen. Ziel sei, im ersten Quartal 2017 Aussagen dazu treffen zu können.

Grundsätzlich würde sich seine Fraktion einem Betriebshof auf dem Areal nicht verschließen, falls sich die Pläne konkretisieren sollten, sagt Jürgen Zeeb. Man müsse sich halt fragen, welche Not die größere sei: die der SSB oder die Wohnungsnot? Denn seiner Meinung nach ist das Gelände sehr gut geeignet für jede Art der Wohnbebauung. Vorstellbar seien dort Reihenhäuser, ein Pflegeheim oder auch Bauplätze für Baugemeinschaften, sagt der Stadtrat und Architekt. Seine Fraktion hat schon mehrere Anträge eingebracht, um auf das Wohnbaupotenzial des Areals hinzuweisen. Die beiden jüngsten aus dem Frühjahr 2016 sind bislang unbeantwortet; zuletzt hat die Stadtverwaltung diesem Ansinnen im April 2015 wegen der Lärmbelastung eine Absage erteilt – auch mit Verweis auf einen entsprechenden Beschluss des Umwelt- und Technikausschusses des Gemeinderats vom Juli 2011. „Das Lärmproblem ist unserer Meinung nach nur vorgeschoben“, sagt Zeeb. Mit einfachen technischen Mitteln könne man das lösen.

Verschiedene weitere Nutzungen wären denkbar

Kathrin Steimle hält eine Wohnbebauung nach derzeitiger Sachlage hingegen für ausgeschlossen. Ansonsten seien jedoch nach wie vor verschiedene Nutzungen denkbar; man müsse nur schauen, dass sie zusammenpassen. An diesen Überlegungen sollen die Bürger beteiligt werden – zunächst einmal müsse man nun aber abwarten, unter welchen Voraussetzungen weiter geplant werden könne.

Rüdiger Walz hat vor einigen Jahren Insolvenz für seine Gärtnerei angemeldet. Er und sein Insolvenzverwalter seien gesprächsbereit für alles: „Wir versperren uns keiner Entwicklung“, sagt Walz. Bislang habe es aber noch keine Gespräche mit der Stadt gegeben.

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