Bereits 2021 wurde die Niederlassung an der Schöttlestraße in Stuttgart-Degerloch aufgegeben. Seitdem steht der Gebäudekomplex leer. Was passiert nach dem anstehenden Verkauf?
Der VW-Konzern ist in der Landeshauptstadt gleich mit mehreren großen Niederlassungen vertreten. Unter anderem in Vaihingen, Wangen und an der Heilbronner Straße. Hier wurde 2017 nach zweijähriger Bauzeit ein VW- und Seat-Autohaus eröffnet, das beinahe 24 Millionen Euro gekostet hatte. Fast zwei Jahrzehnte hatte der Wolfsburger Autobauer zudem noch ein Autohaus mit allem Drum und Dran in Degerloch.
Schließung des Stuttgarter Standorts 2021
Doch im Jahr 2021 war Zapfenstreich an der Schöttlestraße. Jörg Berghofer, der damalige Geschäftsführer der Volkswagen Automobile Stuttgart, informierte seine Kunden über die Schließung zum Jahresende. Als Gründe wurden damals der „rasante Wandel“ und die „aktuellen Anforderungen“ in der Automobilindustrie angeführt. Beidem wurde der Standort in der engen Wohnstraße offenbar nicht mehr gerecht.
Anwohner in Stuttgart-Degerloch dürfte es freuen
Für die vielen Kunden, die es gewohnt waren, zur Wartung, Reparatur oder zum Reifenwechsel mit ihrem Fahrzeug die Schöttlestraße 26 anzusteuern, war die Neuerung sicher lästig. Die Anwohner dürften sich dort allerdings eher gefreut haben. Denn die Niederlassung brachte durchaus Verkehr und Lärm. Allerdings beteiligte sich VW auch am öffentlichen Leben in Degerloch, stellte unter anderem Räumlichkeiten für kleine Konzerte zur Verfügung.
Anblick der Brache in Stuttgart wirkt deprimierend
Doch Bewohner im Viertel stören sich mittlerweile am Anblick des weißen, leeren Gebäudekomplexes und an der „Ruhe“ auf dem gut 5000 Quadratmeter großen Gelände. „Wir hatten eigentlich gehofft, dass hier zügig abgerissen und dann Wohnungen und Geschäfte entstehen“, sagt eine Passantin auf ihrem Weg zur benachbarten SSB-Haltestelle Albstraße. Keine Frage, der Standort wäre für beides – auch wegen der guten ÖPNV-Anbindung – prädestiniert. Ein Bewohner eines gegenüberliegenden Mehrfamilienhauses sieht es ähnlich. „Der Anblick der Brache ist deprimierend, die Stadt braucht Wohnungen, und einige Geschäfte wären schon prima.“
Der Degerlocher Bezirksvorsteher Colyn Heinze, der seit 2023 im Amt ist, hat die Schließung der VW-Niederlassung zwar nicht „live“ miterlebt; doch er werde immer wieder mit der Frage konfrontiert, was hier nachfolge. „Der Stand der Dinge wird regelmäßig im Bezirksbeirat nachgefragt“, so Heinze. Der Bezirksvorsteher verweist dann auf VW Immobilien.
„Für die ehemalige Volkswagen-Niederlassung in Stuttgart-Degerloch mit einer Grundstücksfläche von nahezu 5000 Quadratmetern haben wir verschiedene Optionen intensiv geprüft“, sagt ein Unternehmenssprecher. Darunter auch die Variante, dass VW das Areal selbst wieder einmal benötigen könnte. Das sei jedoch verworfen worden; dasselbe gilt für ein „Gemeinschaftshaus“ wie an der Heilbronner Straße.
Stadt Stuttgart hat nur eingeschränkten Einfluss
Nach Gesprächen mit der städtischen Wirtschaftsförderung, an denen auch und der Bezirksvorsteher Heinze teilgenommen hatte, haben sich die VW-Verantwortlichen schließlich zu einem Verkauf ihres Grundstücks entschlossen. „Derzeit bereiten wir die Vermarktung des Objekts vor und streben die Veräußerung im Laufe dieses Jahres an“, so der Unternehmenssprecher. Grundsätzlich könneein Abriss mit anschließender Wohnentwicklung eine Nutzungsvariante der Liegenschaftsein, wenn die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen würden.
„Wir standen mit dem Eigentümer über die weitere Entwicklung des Standorts immer im Austausch“, bestätigt die städtische Wirtschaftsförderung, die generell auch eine neue gewerbliche Nutzung begrüßen würde, die Verkaufsabsichten des VW-Konzerns. Doch darauf habe man „nur eingeschränkten Einfluss“.