Eine Vision von Stuttgart mit Überweg über die B14 und einer Belebung der Rückseite des Neuen Schlosses – ausgearbeitet von der Berliner Agentur xoio GmbH im Auftrag des Staatsministeriums. Grafik: xoio GmbH

Die Diskussion um das Kulturquartier in Stuttgart erhält einen Impuls aus dem Staatsministerium. Es kann sich eine Brücke über die B14 vorstellen. Die an der Stadtautobahn liegenden Kultureinrichtungen des Landes sollen davon profitieren.

Stuttgart - In die Diskussion um ein Kulturquartier in Stuttgart hat sich das baden-württembergische Staatsministerium mit einem eigenen „Debattenbeitrag“ eingeschaltet, der unserer Redaktion exklusiv vorliegt. Es regt an, nach einer Idee des Stuttgarter Architekten Werner Sobek auf der Höhe der Musikhochschule eine Brücke für Fußgänger, Radler und Rollstuhlfahrer über die B14 zu errichten. Gleichzeitig stellt das Staatsministerium eine Kostenbeteiligung an der auf rund sieben Millionen Euro geschätzten Konstruktion in Aussicht.

Die Stadt Stuttgart bereitet derzeit einen städtebaulichen Wettbewerb für die B14 zwischen Gebhard-Müller- Platz und Österreichischem Platz vor. Dazu veranstaltet die Stadtverwaltung am Dienstag (12. Dezember) um 18.30 Uhr eine öffentliche Diskussion im Stadtmuseum, moderiert von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne). Das Staatsministerium betont, sein Vorschlag stehe ausdrücklich nicht in Konkurrenz zu dem geplanten städtebaulichen Wettbewerb. Es handle sich um einen „konstruktiven Debattenbeitrag der ergebnisoffenen Diskussion um die Zukunft der Kulturmeile.“

„Zeigen, was möglich ist“

Die Abteilung II des Staatsministeriums, zuständig auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung, hat nach eigenen Angaben eine Grafik erstellen lassen, „auf der die Kultureinrichtungen des Landes sowie die in den kommenden Jahren mögliche geplanten Veränderungen zu sehen sind. Arne Braun, stellvertretender Regierungssprecher, erklärte dazu: „Mit der Visualisierung wird anschaulich gemacht, was in diesem Bereich möglich ist – ein Kunst- und Kulturquartier, das zum positiven Image der Landeshauptstadt als Kunst- und Kulturstadt beiträgt“, teilte das Staatsministerium weiter mit. Dazu gehört auch eine Umgestaltung des Neuen Schlosses in ein Bürgerschloss. Über entsprechende Pläne der Agentur Milla & Partner hatten die Stuttgarter Nachrichten bereits vor einigen Jahren berichtet.

Hintergrund der Initiative ist das Bemühen um eine Aufwertung der an die B14 grenzenden Landes- und Kultureinrichtungen. „Ziel ist es, mögliche Verbesserungen der Aufenthaltsqualität im Bereich der Landeseinrichtungen entlang der Konrad-Adenauer Straße sichtbar zu machen“, erklärte das Staatsministerium. „Dort liegen eine ganze Reihe von landeseigenen Kulturhäusern und Landeseinrichtungen: Staatsgalerie, Haus der Geschichte, Musikhochschule, die Staatstheater Stuttgart mit ihren Sparten Oper Stuttgart, Stuttgarter Ballett und Schauspiel Stuttgart, der Landtag mit dem neuen Bürger- und Medienzentrum, das Neue Schloss, das Kunstgebäude, die Landesbibliothek, das Stadtmuseum Stuttgart und nicht zuletzt das geplante Film- und Medienhaus.“

Rückläufige Besucherzahlen

Insbesondere die Besucherzahlen der Staatsgalerie sind zuletzt zurückgegangen – auch aufgrund der Baustellensituation. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte vergangene Woche bei der Eröffnung der Ausstellung „Der Meister von Meßkirch“ gesagt: „Ich weiß, dass es für die Staatsgalerie durch die Baustellensituation an der Konrad-Adenauer-Straße momentan nicht einfach ist. Ich hoffe, dass hier zeitnah Verbesserungen erreicht werden können.“

Eine Brücke könnte aus Sicht des Staatsministeriums einen positiven Effekt haben: „Auch ohne die immens aufwändige und deshalb absehbar nicht zu realisierende Tieferlegung der B 14 könnte dieser Bereich kurz- und mittelfristig als attraktive innerstädtische Aufenthaltsfläche gestaltet werden“, heißt es in einer Mitteilung. „Einzelne Häuser würden besser erreicht, was beispielsweise die Besucherzahlen der Staatsgalerie verbessern könnte.“

Der Entwurf des Stuttgarter Architekten Werner Sobek, angefertigt für die „Freunde der Staatsgalerie“, sieht eine neuartige, stützenfreie Brücken-Konstruktion vor. Sobek spricht von einer „begehbare Installation“: „Die Skulptur scheint wie ein goldenes Band über der Straße zu schweben.“ Dieses goldene Band vereine mit einem Brückenschlag bedeutende Kulturbausteine in Stuttgart. Aufgrund seines hohen Vorfertigungsgrades könne es in sehr kurzer Zeit realisiert werden. Notwendig wäre dafür voraussichtlich eine Verlegung der Einfahrt in die Landtags-Tiefgarage.

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