Baubürgermeister Peter Pätzold gibt den Startschuss für den Ideenwettbewerb für das Bahnhofsumfeld. Foto: Lichtgut/Leif / Piechowski

Welche Nutzungen soll es auf dem Grundstück geben, das direkt an den neuen Stuttgarter Bahnhof angrenzt und auf dem heute noch die Züge halten? Beim Auftakt zum Ideenwettbewerb ist der Andrang enorm.

Einmal der Maurische Garten aus der Wilhelma, einmal die Neue Staatsgalerie oder wahlweise der Kölner Dom: wie groß die Fläche am Hauptbahnhof in Stuttgart ist, die in den kommenden Jahren neu geplant werden soll, veranschaulicht Susanne Dürr, Professorin für Städtebau und Gebäudelehre an der Hochschule Karlsruhe, am Mittwochabend beim Auftakt zum Internationalen Ideenwettbewerb für das Areal, das die Stadtverwaltung schlicht A 3 nennt. Es gehört – wie auch der Rest der Gleisflächen – bereits seit Ende 2001 der Stadt.

 

Große Fläche steht zur Verfügung

All die genannten Bauwerke würden auf dem Grundstück Platz finden, das nach der vollständigen Inbetriebnahme von Stuttgart 21 als erstes für eine Bebauung in Frage kommt – und nicht nur zeitlich den Auftakt zur Entwicklung der Quartiere auf den heutigen Gleisflächen bilden soll. Doch die architektonische Ausgestaltung wird erst in einem zweiten Schritt geklärt. Jetzt geht es darum, Anregungen einzusammeln, welche Nutzungen dort denkbar sind. „Raum für Ideen“, ist der Wettbewerb überschrieben, „mit dem wir etwas Neues machen“, unterstreicht Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) den Charakter der Ideenfindung.

Die Lust darauf scheint groß zu sein. Im ehemaligen Schlossgartenhotel herrscht bei der Auftaktveranstaltung am Mittwoch drangvolle Enge. Er sei „überwältigt vom Interesse“, sagt Pätzold beim Blick in die Besucherreihen. Die sind bunt gemischt besetzt. Regionalpräsident Thomas Bopp ist genauso da wie Alt-OB Wolfgang Schuster (beide CDU). Marc-Oliver Hendriks, Geschäftsführender Intendant der Staatstheater Stuttgart, verfolgt die Veranstaltung neben einer Gruppe von S-21-Kritikern und Anwohnern aus dem Kernerviertel, die vor allem von den Stuttgart-21-Bauarbeiten gebeutelt wurden und nun wissen wollen, was in Sichtweite ihrer Zuhause weiterhin entstehen könnte. Auch einige Stadträte und solche, die es noch werden wollen, sind ins ehemalige Hotel gekommen. Bemerkenswert ist der große Anteil junger Menschen unter den Besuchern.

Keine Denkverbote

Dürr verweist auf die zentrale Lage des Planungsraums. „Da kommen die Massen hin, wenn sie am Bahnhof aussteigen“, dessen von Lichtaugen getragenes Dach sie „Geblubber aus dem Untergrund nennt“. Sie nennt den Ort eine „Wuchtbrumme im Südwesten“ und animiert die Besucher und die späteren Teilnehmer am für alle offenen Wettbewerb frei zu denken. „Ich möchte gerne ein Feuerwerk der Ideen in den Köpfen entzünden“.

Tatsächlich gibt es so gut wie keine Vorgaben, was auf dem 117 Meter langen und 60 Meter breiten Areal einmal entstehen könnte, wenn die Gleise und das alte Bahnhofsdach entfernt sind – und die von der Stadt aufgeworfene Frage geklärt ist, ob die Bahn dort zunächst eine bereits genehmigte Tiefgarage mit rund 350 Stellplätzen baut, über der das neue sichtbare Gebäude entsteht. Dürr zeigt einige Beispiele besonders ungewöhnlicher Nutzungen, etwa den Coppenhill, ein künstlich angelegter Hügel auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen, auf dem unter anderem ganzjährig Ski gefahren werden kann. Mit einem Bild der Jazz-Open-Bühne auf dem Schlossplatz wirft sie die Frage auf, ob das neue Gebäude nicht auch gleich eine in die Fassade eingelassene Aufführungsstätte haben könne. Dürr regt an, darüber nachzudenken, welche Rolle Wasser bei der Gestaltung haben sollte. Sie spricht von einer „Explosion von ,man könnte’“.

Ideenphase bis Mitte Juli

Nun sind die Interessierten gefragt. Bis zum 15. Juli können sie Ideen entwickeln und einreichen. Das geht online über die Plattform rosenstein-stuttgart.de/ideenwettbewerb. Vom 20. bis 22. Juni gibt es eine Ideenwerkstatt im Ausstellungsraum des Rosenstein-Projekts an der Eichstraße 9. Am 6. November kürt eine Jury die Gewinner des Wettbewerbs. Der Gemeinderat beschließt im Nachgang, welche Ideen ins künftige Nutzungskonzept einfließen. Ein weiterer Wettbewerb soll dann die äußere Gestalt des Gebäudes – oder der Gebäude – finden.