Stadtentwicklung in Nürtingen Bahn frei für Bahnstadt

Von Wolfgang Berger 

Der Bahnhofsplatz soll eine hohe Aufenthaltsqualität besitzen. Foto: Hosoya Schaefer Architects/agence ter
Der Bahnhofsplatz soll eine hohe Aufenthaltsqualität besitzen. Foto: Hosoya Schaefer Architects/agence ter

Der Siegerentwurf für das Entwicklungsgebiet überzeugt nach der Jury nun auch den Gemeinderat.

Nürtingen - Mit Lob hat der Nürtinger Gemeinderat am Dienstagabend nicht gespart. „Hervorragendes Ergebnis“, „überzeugend“ – die Kommentare der Stadträte über den Sieger des städtebaulichen Wettbewerbs Bahnstadt fielen fraktionsübergreifend hoch zufrieden aus. Deshalb wird nun der Entwurf der Bürogemeinschaft Hosoya Schaefer Architects/Agence Ter auch die Basis für die weiteren Planungen im Entwicklungsgebiet Bahnstadt bilden. Das Projekt ist in seiner Bedeutung für Nürtingen vergleichbar etwa mit der Neuen Weststadt für Esslingen.

Zwei Plätze wirken als Scharniere zwischen Stadtteilen

Die Bürogemeinschaft hatte sich im Wettbewerb Bahnstadt gegen rund 30 Mitbewerber durchgesetzt. In den Augen der Jury hat der Entwurf die Aufgabenstellung am besten gelöst. „Die drei Bereiche Zentraler Omnibusbahnhof, westliche und östliche Bahnstadt werden als zusammenhängende Einheit begriffen, städtebaulich klar geordnet und gut mit den umliegenden baulichen Strukturen vernetzt“, heißt es unter anderem in der Beurteilung des Preisgerichts.

Auffällig an der Arbeit sind zwei Plätze beidseits der Bahngleise. Der Bahnhofsplatz und ein Platz am Kulturzentrum Alte Seegrasspinnerei funktionieren als Scharniere zwischen der Innenstadt, der neu zu gestaltenden Bahnstadt und der Kirchheimer Vorstadt. Die Plätze „verfügen über eigene Identitäten und hohe Aufenthaltsqualität“, so das Preisgericht weiter. Ein Teil der Wettbewerbsaufgabe war auch die Verkehrssituation. Die teilnehmenden Büros waren aufgefordert, Lösungen zu finden um den Bereich um den Bahnhof zu entlasten. Dazu zählt auch die Schaffung einer Tangente östlich der Bahngleise. Auf der gegenüber liegenden Seite schlagen Hosoya Schaefer Architects/Agence Ter für die Bahnhofstraße eine „Shared Space“-Lösung vor. Bei dieser Art der Verkehrsberuhigung begegnen sich Fußgänger, Radler und Autofahrer im öffentlichen Straßenraum. Die Idee ist, auf Verkehrszeichen, Ampeln und Markierungen zu verzichten. Die Verkehrsteilnehmer sind gleichberechtigt, wobei die Vorfahrtsregel weiterhin gültig ist.

Die Stadt soll an Urbanität hinzugewinnen

Ein zentrales Element des Entwicklungsprojekts ist die Verlegung des ZOB auf das ehemalige Güterbahnhofareal (Gleis 13). Auf dem dann alten ZOB soll ein Neubau mit Einzelhandels- und Büroflächen erstellt werden. So soll der Einzelhandel in Nürtingen insgesamt gestärkt und die Innenstadt belebt werden. Das Ziel ist es, in der Bahnstadt Wohnen, Arbeiten und Freizeit unter einen Hut zu bekommen. Ziel des Wettbewerbs war es, so formuliert es der technische Beigeordnete der Stadt Nürtingen, Andreas Neureuther, fast schon poetisch, „der Bahnstadt eine neue urbane Seele einzuhauchen“.

Die Voraussetzungen dafür sind mit einer Fläche von 10,5 Hektar vorhanden. „Ich kenne keine Stadt dieser Größenordnung, die ein solches Innenentwicklungspotenzial hat“, sagte der Fellbacher Stadtplaner und Fachpreisrichter Eckart Rosenberger am Dienstag in der Sitzung. Der Oberbürgermeister Otmar Heirich kündigte an, „dass wie schnell in die Umsetzung gehen wollen“, um das Projekt Bahnstadt Schritt für Schritt zu verwirklichen.

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