Der Blick zur Brücke in Richtung Marktplatz. Foto:  

Der Investor präsentiert Illustrationen für das Quartier, das die auseinandergerissene Innenstadt von Leonberg verbinden soll. Der Abriss der einstigen Hauptpost beginnt am Dienstag.

Auf den Illustrationen der Projektentwicklers Strabag Real Estate sieht das mögliche Zukunftsgesicht der Leonberger Stadtmitte recht gefällig aus. Moderne Häuser, eine Backstube, daneben ein Freiluftcafé und der Blick in Richtung Brückenschlag zur Altstadt. Auch der Platz, der das Zentrum des Postareals bilden soll, wirkt großzügig mit Bäumen, Beeten und Bänken.

 

Die Gesamtperspektive, die das Unternehmen unserer Zeitung zur Verfügung gestellt hat, wiederum verschafft eine Ansicht jenes Quartiers, das in einigen Jahren das auseinandergerissene Leonberger Zentrum vereinen soll. Hier ist recht gut zu erkennen, dass die geplanten Häuser doch recht voluminös werden könnten. Zu voluminös, wie die Kritiker des wohl wichtigsten Leonberger Entwicklungsprojekt der vergangenen Jahrzehnte meinen.

Die Gesamtansicht des geplanten Postareals. Foto: Sabine Heine für Strabag Real Estate

Und so gab es jetzt im Leonberger Gemeinderat nicht nur freundliche Kommentare, als der sogenannte Satzungsbeschluss und die notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht wurde. Die Weichen für eine Neugestaltung des alten Postgeländes sind damit nach einer mehr als 15 Jahre währenden Diskussion endgültig gestellt.

Diesen Umstand ändert auch nicht, dass der Grünen-Fraktionschef Bernd Murschel den verbindenden Effekt, den das neue Quartier haben soll, in Frage gestellt hat. Dem widerspricht Christa Weiß (SPD), die das städtebauliche Band zwischen Eltingen und der Altstadt als „wichtigen Baustein“ bezeichnet. Ob die Befürchtung des Freien Wählers Stephan Schwarz, der keinen Bedarf für die dort reichlich geplanten Arztpraxen und Büros sieht, tatsächlich eintreffen wird, wird sich noch weisen müssen.

Entsprechend des bekannten Zitates „Der Worte sind genug gewechselt. Lasst mich endlich Taten sehen“, die Goethe in Faust I den Direktor des Theaters sagen lässt, geht es jetzt beim Postareal sehr schnell los. Schon am Dienstag wird mit dem Abbruch des Südflügels der einstigen Hauptpost begonnen. Zuvor waren in den vergangenen Wochen die seit Jahren leerstehenden Gebäude entrümpelt worden. Baustoffe, die noch verwertbar sind, wurden ausgesondert. Der komplette Abbruch des Bürotraktes und der einstigen Frachträume erstreckt sich bis zum kommenden Frühjahr, dann ist der Platz für Neues geschaffen.

100 Wohnungen sind geplant

Das Quartier, das das neue Leonberg am Leo-Center mit dem alten rund um den Marktplatz verbinden soll, ist neben der Kritik auch mit hohen Erwartungen belegt. Denn die mitunter an eine Brache erinnernde Landschaft längs der Eltinger Straße soll in einigen Jahren einen buchstäblichen Brückenschlag zwischen den beiden Polen des Zentrums bilden.

Erste Schritte sind schon gemacht. Ein Neubau der Samariterstiftung auf dem einstigen Brezger-Areal und auch das neue Rathaus setzen durchaus urbane Akzente, an die sich jetzt nahtlos das Postareal anschließen soll. Rund um einen zentralen Platz sind Geschäfte, Gastronomie, Praxen und Büros geplant. Dass dort auch an die 100 Wohnungen vorgesehen sind, löst keine Diskussionen aus. Die damit verbundene Parkplatzfrage aber sehr wohl.

Der Platz mit Beet und Bänken. Foto: Sabine Heine für Strabag Real Estate

Es ist gibt also noch reichlich Klärungsbedarf in den kommenden Monaten und Jahren. Die Befürworter verweisen darauf, dass das Leonberger Postareal durch die Aufnahme als Projekt der Internationalen Bauausstellung IBA sozusagen geadelt wurde.

Dass das in der gesamten Region Stuttgart ambitionierte Entwicklungsprogramm unter Leitung des renommierten Züricher Architekten Andreas Hofer rückwärtsgewandte wie autogerechte Betonburgen fabriziert, ist in der Tat unwahrscheinlich. Die Frage der Erreichbarkeit und der Parkplätze für Anwohner wie Gewerbetreibende stellt sich gleichwohl. Ursprünglich waren die Stellflächen unterirdisch geplant.

Doch momentan zählt erst einmal, dass nach ungemein zähen 15 Jahren mit vielen Irrungen und Wirrungen tatsächlich den Worten die Taten folgen. Nicht nur dem Leonberger Baubürgermeister Klaus Brenner, der in den vergangenen Jahren engagiert für das Postareal gekämpft hat, dürften mehrere Steine vom Herzen fallen, wenn am Dienstag um 14 Uhr die ersten Steine der alten Post bröckeln.