Bauarbeiter haben Hölzer auf das Fachwerk des Echterdinger Hauses genagelt. Das sieht pittoresk aus, macht aber auch tieftraurig – heißt es dazu im Flecken. Was steht dahinter?
Das Haus liegt im Herzen von Echterdingen und damit mitten im Sanierungsgebiet Historische Mitte. Zwischen 1781 und 1790 war es das Zuhause und die Wirkungsstätte von Philipp Matthäus Hahn, jenem Mann, der astronomische Uhren, Waagen und Rechenmaschinen erfunden hat. Der Pfarrer, Seelsorger und Tüftler hat sich in seiner Echterdinger Zeit insbesondere mit der Entwicklung von Taschenuhren beschäftigt, wie Wolfgang Haug, der ehrenamtliche Leiter des Stadtmuseums, zu berichten weiß. „Er hatte Einkommen aus verschiedenen Berufen, war aber gleichzeitig ein sehr bescheidener Mensch“, sagt er.
Bereits vor Jahren hatte sich Haug gewünscht, dass die Stadt das Echterdinger Pfarrhaus, das unter Denkmalschutz steht und grundsaniert werden muss, erwirbt. Denn dort könnte doch ein Hahn-Museum eingerichtet werden, findet er. In Hahns ehemaliger Werkstatt könnte man junge Menschen für Feinmechanik begeistern.
Diesem Wunsch ist die Stadt bisher nicht nachgekommen. Das Pfarrhaus gehört noch immer dem Land. Nun haben Bauarbeiter im Auftrag des Eigentümers Hölzer auf das Fachwerk genagelt. „Das sieht pittoresk aus, macht auch aber tieftraurig und wütend“, sagt Wolfgang Haug. Es sei richtig schlimm, dass die Kommune an dieser Stelle keinen Zentimeter weiterkomme, so Haug, dass die Stadt noch immer nicht wisse, wie es mit dem Pfarrhaus oder auch der Alten Schule weitergehe. Er spielt damit auch auf die lange Diskussion an, in der es insbesondere um den besten Standort für das neue evangelische Gemeindehaus gegangen ist.
„Die Hölzer sollen verhindern, dass sich Putzkissen aus der Fassade lösen und herunterfallen“, erklärt Bürgermeister Benjamin Dihm. „Gebäude wie dieses waren früher komplett verputzt. Später wurde das Fachwerk dann freigelegt.“ Um zu verhindern, dass Wasser hinter die hervorstehenden Putzkissen laufe, müssten diese Gebäude regelmäßig instand gehalten werden, sagt er weiter. Bei dem evangelischen Pfarrhaus sei dies allerdings bisher nicht geschehen.
„Das evangelische Pfarrgebäude in Echterdingen wurde als verputztes Fachwerkgebäude mit Mauerwerkssockel im Jahr 1744 errichtet“, schreibt Sabine Burkard, die Leiterin des Referats Öffentlichkeitsarbeit des Landesamtes Vermögen und Bau, auf Anfrage. Ende der 1960er Jahre, Anfang der 1970er Jahre sei das Fachwerk freigelegt worden. Weil dieses nun über Jahre hinweg Sonne, Wind und Regen ausgesetzt war, sei es zu einem gewissen Substanzverlust gekommen. Das Ludwigsburger Amt des Landesbetriebs Vermögen und Bau habe daher bereits wiederholt die Prüfung der Fachwerkfassade durch einen Statiker und einen Holzschutzsachverständigen veranlasst.
Bei der letzten Prüfung habe sich dann herausgestellt, dass in Teilen die Gefache des Fachwerks – also die Putzkissen zwischen dem Holz – gesichert werden müssten, um die Verkehrssicherheit zum Kirchplatz sicherzustellen, sagt Burkard weiter.
Eine Firma hat die Kissen nun provisorisch gesichert. Weitere Arbeiten am Gebälk, vor allem an der Westfassade, seien geplant. Das Amt habe zudem den Auftrag, die Wohnung für den neuen Pfarrer zu renovieren. Dies betreffe insbesondere die Innenräume. Dazu muss man wissen: Hans-Peter Krüger, der derzeitige Echterdinger Pfarrer, wohnt nicht im Pfarrhaus. Er wird Ende Dezember in Ruhestand gehen. Seine Stelle soll aber wieder besetzt werden.
Für die Außenhülle des Gebäudes werde ein Konzept entwickelt, wie die Substanz der wetterbelasteten Westseite geschützt werden könne, erklärt Sabine Burkard weiter. Hierfür stünden weitere Untersuchungen an. Denn das Land Baden-Württemberg wolle den denkmalgeschützten Gebäudebestand erhalten.