Acht Schippen Erde sollen symbolisieren, dass die städtebauliche Zukunft Herrenbergs begonnen hat. Foto: factum/Granville

Der Bau des neuen Einkaufszentrums auf der Seeländer-Brache im Stadtzentrum hat offiziell begonnen.

Herrenberg - Zu diesem historischen Moment fliegen acht Schaufeln Erde in Herrenberg. Bauplaner – privatwirtschaftliche wie beamtete – schippen sie zum symbolischen Spatenstich auf den Boden, auf dem binnen zwei Jahren ein neues Einkaufszentrum errichtet werden soll: auf die schottrige Brache des Seeländer-Areals. Dann wäre die Bauzeit halb so lang wie die der Planung – im weiteren Sinn gesehen. Schon vor vier Jahren hat die Baufirma Geiger den Wettbewerb für den Komplex gewonnen. Geplant worden war selbstverständlich schon in den Jahren zuvor.

Entsprechend erleichtert steht der Oberbürgermeister Thomas Sprißler am Rednerpult und kündigt an, dass Ende 2020 „ein Leuchtturmprojekt“ verwirklicht sein werde, nicht nur in architektonischer Hinsicht. Statistisch meiden die Bewohner der Stadt den Einkauf in ihrer Heimat. Die rechnerische Kaufkraftbindung liegt unter dem Schnitt in der Region. Dies soll sich ändern, und zwar nicht nur im neuen Einkaufszentrum, sondern auch in der benachbarten Altstadt. Entlang dem Seeländer-Neubau soll sich deshalb das gesamte Straßenbild ändern, vor allem fußgängerfreundlicher werden. „Wir brauchen die Frequenz“, sagt der Oberbürgermeister.

Mit Ausnahme der Altstadt soll sich das gesamte Stadtbild ändern

Zum Leuchtturmprojekt wird der Bau nicht zuletzt für ihn selbst und seine Verwaltung auf dem Weg zu einem vollständig runderneuerten Zentrum. Mit Ausnahme der denkmalgeschützten Altstadt soll sich das gesamte Stadtbild ändern. Über die Seeländer-Pläne „dachte mancher in Herrenberg: Das ist wieder ein Projekt, das nichts wird“, sagt Sprißler. In der Tat ist die Kritik allgegenwärtig, dass im Rathaus reichlich geplant, aber selten etwas verwirklicht werde. In den nächsten Wochen wird der Beweis unübersehbar, dass Visionen auch in Herrenberg zur Wirklichkeit werden können. In welchem Rhythmus die weiteren folgen, ist selbstredend offen.

Die 10 000 Quadratmeter große Fläche der Seeländer-Brache wird in den nächsten zwei Jahren viergeschossig überbaut. 22 000 Quadratmeter Nutzfläche wird das Zentrum haben, in dessen Erdgeschoss der Einzelhandel blühen soll. In würfelartigen Aufbauten entstehen Büros und Wohnungen. Auch die Stadtverwaltung zieht dort ein mit ihrem technischen Rathaus und einer Kindertagesstätte. Die erste Etage ist vollständig für Parkplätze reserviert. Sie sollten ursprünglich in einer Tiefgarage untergebracht werden. Allerdings sind die Vermarkter an dem Versuch gescheitert, für das obere Stockwerk Mieter aus der Einzelhandelsbranche zu finden.

Die Vermarktung war nicht frei von Schwierigkeiten

Bei aller städtebaulicher Bedeutung für Herrenberg dient die Zahl der Parkplätze auch als Maßstab für die Größenordnung: 200 sind es, gedacht für Kunden wie für Mieter. Zum Vergleich: Im Böblinger Einkaufszentrum Mercaden ist eine viermal größere Fläche für Autos reserviert. Dass Herrenberg den Handelsketten zumindest bisher nicht als Premiumstandort gilt, legen auch die Logos der Großmieter auf den Bauplakaten nahe. Angekündigt war, dass ein Rewe-Markt einziehen werde. Stattdessen leuchtet das gelbe Lidl-Firmenzeichen an der Baustelle. Ein Discounter war eigentlich unerwünscht. Neben Lidl kommen die Drogeriekette Rossmann, der Biomarkt Denn’s und der Modehändler Madison.

Weitere Schwierigkeiten erwartet zumindest Josef Geiger nicht, der formal Gesellschafter des von seinem Urgroßvater gegründeten Bauunternehmens ist. „Ende 2020 werden wir uns nach einem Rundgang und ein paar Reden gegenseitig loben“, sagt er. „Da bin ich sicher, die größten Hürden sind genommen.“

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