In Bernhausen ist nördlich der Nürtinger Straße noch Platz für eine maßvolle Nachverdichtung. Die Stadt will nun die rechtlichen Voraussetzungen schaffen. Und auch in Bonlanden nahe der Alten Mühle soll es städtebaulich vorangehen.
Innenentwicklung vor Außenentwicklung, das gilt auch in Filderstadt. Im Stadtteil Bernhausen hat das Amt für Stadtplanung und Stadtentwicklung eine ganze Nachbarschaft ausgemacht, wo es Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung und eine Nachverdichtung mit neuer Wohnbebauung gibt. Konkret geht es um das 1,75 Hektar große Areal zwischen der Nürtinger und der Wiesenstraße. Hier liegen städtische, aber auch viele private Grundstücke. Westlich wird der Bereich durch die Gartenstraße begrenzt.
Grundsätzlich gibt es in dem Gebiet schon viel Bebauung mit Wohnungen, Gastronomie und Gewerbe, jedoch zeigt sich auf Luftbildern, die im Internet verfügbar sind, dass es gerade in der Mitte des Karrees noch viele Frei- und Grünflächen gibt. Hinzu kommt laut Anja Stukelj vom Fachamt der Strukturwandel in der Landwirtschaft, dem Rechnung getragen werden soll.
Das alte Planungsrecht stammt überwiegend aus dem Jahr 1906
Nun will die Stadt die rechtliche Grundlage für eine maßvolle Entwicklung des Quartiers schaffen – mit einem neuen Bebauungsplan, der das gesamte Gebiet umfasst. Ein Planungsrecht gibt es vor Ort, das ist jedoch sehr alt und stammt überwiegend aus dem Jahr 1906. Mit dem neuen umfassenden Bebauungsplan „Quartier nördlich Nürtinger Straße“ soll künftig Stückwerk vermieden werden. Der Gemeinderat soll in seiner Sitzung am 15. Juli den Aufstellungsbeschluss fassen, der Technische Ausschuss hat das Vorgehen in seiner jüngsten Sitzung einstimmig empfohlen.
Der Bereich ist im Innenentwicklungskonzept der Stadt priorisiert. Grundsätzlich soll ein städtebauliches Konzept fürs Gebiet erarbeitet und dann der Öffentlichkeit präsentiert werden. Laut Bernd Lahr, dem Leiter des Amts für Stadtplanung und Stadtentwicklung, soll das Ganze behutsam und maßvoll vonstatten gehen, gerade in Sachen Versiegelung und Grünflächen. „Die Axt im Walde geht da nicht.“ In einer Infoveranstaltung will die Stadtverwaltung dann auch abfragen, wer von den Eigentümern in dem Gebiet überhaupt an einer baulichen Entwicklung interessiert ist.
Recht konkret sind die Pläne indes bereits an anderer Stelle in Filderstadt. In Bonlanden soll ein Bebauungsplanverfahren wieder aufgenommen werden, das bereits vor Jahren eingeleitet worden war. Nördlich der betreuten Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen der Karl-Schubert-Gemeinschaft an der Bonländer Hauptstraße 31/1 sollen zwischen dem bestehenden Gebäude und der Wohnbebauung zwei weitere Gebäude für Menschen mit Assistenzbedarf sowie mit Wohnungen für deren Betreuungspersonal entstehen. Auch ein kleineres Haus mit zwei Wohneinheiten ist angedacht. Das knapp 0,3 Hektar große Plangebiet liegt östlich des Kulturzentrums Alte Mühle.
Der Bedarf an barrierefreien betreuten Wohnungen ist groß
Der Bedarf an barrierefreien betreuten Wohnungen für Menschen mit Assistenzbedarf ist groß. „Viele Menschen mit Behinderungen werden immer noch von ihren eigenen Eltern gepflegt, diese sind allerdings (bedingt durch ihr hohes Alter) oft körperlich nicht mehr in der Lage, ihre betreuungsbedürftigen (erwachsenen) Kinder zu pflegen, und suchen deshalb dringend einen Platz für diese“, heißt es aus dem Fachamt. Der Technische Ausschuss hat das auch so gesehen und dem weiteren Verfahren zugestimmt. Frank Schwemmle (SPD) pochte jedoch darauf, dass der Betrieb der Alten Mühle dadurch nicht eingeschränkt werden dürfe. Nun wird der Entwurf für den Bebauungsplan öffentlich ausgelegt, damit die Bürgerschaft, Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange sich beteiligen. Ein Satzungsbeschluss könnte im vierten Quartal fallen.