Zuletzt hat sich der Gemeinderat bei einem umstrittenen Bauvorhaben an der Bonländer Hauptstraße 59 eingebracht. Foto: Caroline Holowiecki

Seit 2016 berät ein unabhängiges Gremium die Stadt und den Gemeinderat in Filderstadt bei Bauvorhaben. Andere Städte haben so was auch, aber der Beirat hat nicht nur Fans.

Der Gestaltungsbeirat soll in Filderstadt eine Dauerinstitution werden. Seit dem Jahr 2016 unterstützen vier Architekten die Stadtverwaltung und den Gemeinderat, wenn es um städtebaulich bedeutsame Projekte geht. Als unabhängiges Gremium überprüfen sie in öffentlichen Sitzungen Bauvorhaben im Hinblick auf städtebauliche, architektonische und gestalterische Qualitäten. Das Urteil der Experten fließt dann als Empfehlung in weitere Planungen ein. „Der Gestaltungsbeirat zeigt dabei Wege auf, wie unterschiedlichste Interessenlagen unter Wahrung und Fortentwicklung von Architektur- und Stadtgestalt einer konzeptionellen und baulichen Lösung zugeführt werden können“, heißt es aus dem zuständigen Fachamt.

 

Die Expertengremien sollen Bausünden verhindern

Zuletzt etwa hatte sich der Gestaltungsbeirat bei einem nicht unumstrittenen Bauvorhaben in Bonlanden eingebracht. Auf dem langgezogenen Grundstück Bonländer Hauptstraße 59 – jetzt steht dort noch ein großes altes Haus mit einem Scheunenanteil – sollen zwei Baukörper entstehen. Seit Februar 2022 trägt sich der Bauherr mit dem Gedanken, das Grundstück weiterzuentwickeln. Zweimal hat sich der Gestaltungsbeirat seither mit dem Projekt beschäftigt, mehrere Varianten beäugt und „Schlimmeres verhindert“, wie sich der SPD-Stadtrat Walter Bauer jüngst im Technischen Ausschuss ausdrückte.

Angedacht sind nun zwei Baukörper mit zwölf Wohneinheiten sowie Gewerbenutzung vorne an der Straße. Den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplanverfahren soll der Gemeinderat am 23. Oktober fassen.

Bislang war der Einsatz des Gestaltungsbeirats zeitlich begrenzt, nun aber soll er zu einem dauerhaften Gremium werden. Damit verbunden sind Entfristungen von kommunalen Stellen für die Geschäftsstelle und eine Assistenz. Kosten: jährlich etwa 28 000 Euro. Das Thema kam im Technischen Ausschuss aufs Tapet. Dort lobten die meisten Räte die Arbeit des Expertenteams und stimmten dem Ansinnen mehrheitlich zu. Entscheiden wird der Gemeinderat im Oktober. Tenor im Ausschuss: Zwar gebe es auch Kontroversen, grundsätzlich sei der Beirat aber eine Bereicherung.

Auch der Erste Bürgermeister Falk-Udo Beck sprach von einem „tollen Instrument für die Stadt“. Allerdings ist nicht jeder ein uneingeschränkter Fan des Beirats. „Ich sehe es als zusätzlichen Hemmschuh“, sagte Matthias Weinmann (Freie Wähler), vor allem früher sei das Gremium als „Verhinderungsbeirat“ dahergekommen, sagte Friedericke Bauer (CDU). Jörg Alberth (FDP) warb für eine „Entbürokratisierung“. Seine Fraktion hatte zuvor einen Antrag eingebracht mit dem Ziel, die Zuständigkeiten des Gestaltungsbeirats etwas einzuschränken und darüber hinaus Bauherrn die Möglichkeit zu geben, nach einmaliger Beratung im Beirat eine Behandlung im Technischen Ausschuss zu verlangen. Der Antrag fand jedoch keine Zustimmung.

Das Land fördert die Einrichtung kommunaler Gestaltungsbeiräte

Der Gestaltungsbeirat ist keine Filderstädter Erfindung. Viele Kommunen lassen sich unterstützen. In Neuhausen ist das so, in Stuttgart tagen seit 2017 alle zwei Monate sieben Sachverständige aus den Bereichen Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung. In Kirchheim hat der Gemeinderat die Einrichtung eines vierköpfigen Gestaltungsbeirats bereits 2015 beschlossen. Seit 2016 fördert das Land die Einrichtung sowie die begleitende Öffentlichkeitsarbeit kommunaler Gestaltungsbeiräte.