Hereinspaziert! Carolin Paul ist vor wenigen Tagen ganz ohne die Förderung der Esslinger Gründerinitiative in der Küferstraße eingezogen und eröffnet im September ihren Laden. Foto: Michael Steinert

Die Stadt will von 2020 an Flächen für Gründer in der Küferstraße und im Wolfstor zur Verfügung stellen und so den Gründergeist fördern. Schon jetzt sind ganz unabhängig davon neue Läden und Betreiber in die Küferstraße gezogen.

Esslingen - Die Stadt Esslingen will die Küferstraße in eine Gründermeile verwandeln. Das Vorhaben hatte der Wirtschaftsförderer Marc Grün bereits im November 2018 angekündigt, im März wurden die Pläne dazu vorgestellt.

Nun wird seit Monaten gewerkelt und genetzwerkelt, um die Gründermeile zu verwirklichen. „Die Stadt hat Flächen in der Küferstraße 46 und 48 angemietet und modernisiert die Räume, um dort von 2020 an Gründer unterzubringen. Im August soll eine Innovationsmanagerin ihre Arbeit aufnehmen und sich um die Interessen der Gründer kümmern“, fasst Grün den derzeitigen Entwicklungsstand zusammen. Die Stadt Esslingen hat bereits seit Längerem verschiedene Anstrengungen unternommen, um die Gründerszene zu unterstützen: Workshops, Gesprächsrunden in Zusammenarbeit mit der Hochschule Esslingen und ein Netzwerk- und Beratungsangebot gehören etwa dazu. Das handfeste Raumkonzept soll von Januar 2020 an dann auf 280 Quadratmetern anfänglich kostenlos, später zu einem Mietpreis von 7,77 Euro pro Quadratmeter Raum für Start-ups und Existenzgründer bieten. „Die Flächen können flexibel angemietet werden“, so Grün.

Wolfstor soll für Treffen und Events genutzt werden

Auch das Wolfstor soll Existenzgründern als Veranstaltungszentrum dienen. Auf den über drei Ebenen verteilten 100 Quadratmetern im Inneren des Turms soll es Platz für Treffen geben. „Hier kann die Gründerszene selbst bestimmen, was dort stattfindet“, so der Wirtschaftsförderer. Ende des Jahres soll der Veranstaltungsort eröffnet werden. In den nächsten Monaten will die Stadt nun stärker in die Außenwerbung mit den neuen Räumen gehen, damit Anfang 2020 auch tatsächlich die ersten Gründer einziehen.

Einen Co-Working-Space ganz ohne die Förderung der Stadt hat vor Kurzem Dirk Janthur am anderen Ende der Küferstraße, im ehemaligen Buchcafé Vividus eröffnet. Der 42-Jährige bietet seit August auf einer Fläche von rund 140 Quadratmetern Besprechungsräume für bis zu zwölf Personen, ein Atelier sowie die Möglichkeit, stundenweise einen Arbeitsplatz zu mieten. „Ich denke, dass wir solche Angebote in Zukunft brauchen, weil sich die Arbeitswelt verändert. Bislang ist Esslingen, was innovative Konzepte angeht, allerdings nicht gerade vorne mit dabei“, so der Unternehmer. Über das neue Gründerzentrum freue er sich daher sehr und lobt die Anstrengungen des Wirtschaftsförderers Grün. Mit seiner Kritik an der Stadt hält er dennoch nicht hinterm Berg. „Ohne die Wirtschaftsförderung würde in Esslingen gar nichts passieren. Die Hürden für Gründer sind sehr hoch und die Auflagen und Regularien oft völlig unrealistisch. Da muss man sich fragen, ob das jeder auf sich nehmen will und kann.“ Janthur hofft, dass mit der Gründermeile innovative Ideen einziehen und „Leute, die mal was ausprobieren“.

Neue Gesichter sind bereits in die Küferstraße gezogen

Auch die junge Schmuckdesignerin Carolin Paul ist vor wenigen Tagen ganz ohne die Förderung der Esslinger Gründerinitiative in der Küferstraße eingezogen. Die 30-Jährige hatte zuvor einen Pop-up-Laden in Stuttgart und war auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Dass Esslingen in Sachen Gründer gerade einen Schwerpunkt in der Küferstraße setzen will, wusste sie zuvor nicht. „Ich fand die Straße auch so toll und habe mich ohne von der Initiative zu wissen, dafür entschieden, den Laden des ehemaligen Fotoateliers anzumieten. Ich freue mich aber auf die Entwicklung und finde die Idee total spannend.“ Auch sie erhofft sich eine weitere Belebung der Straße und ein junges Netzwerk, in dem sie sich mit anderen Gründern austauschen kann. Offiziell will sie im September ihren Laden eröffnen.

Schon jetzt kann man durch das Schaufenster die handgefertigten Ketten, Ohrstecker und Manschettenknöpfe begutachten, die sie aus Porzellan anfertigt und in Silber fasst. Warum ihre Wahl nach dem Ende ihres temporären Ladens in der Stuttgarter Schulstraße auf Esslingen fiel, hat für Paul mehrere Gründe: „Die Miete hier ist fair und auch, dass ich erst mal für ein Jahr hier einziehen kann, mich ausprobieren kann und nicht auf fünf Jahre festlegen muss, ist ein wichtiger Faktor. Auch die zentrale Lage ist super und das Umfeld aus Läden und Cafés.“

Esslingen attraktiver als Stuttgart

So sieht das auch Silke Hampel. Die Inhaberin des Modelabels Rote Zora ist im Januar 2019 ebenfalls von Stuttgart in die Esslinger Küferstraße gezogen. Die Gründe sind ähnlich: „So eine zentrale Lage wie hier ist in Stuttgart unbezahlbar.“ Auch Hempel hofft, dass die Gründermeile ein Erfolg wird und viele weitere Kreative in ihre Nachbarschaft ziehen. „Wir haben in der Küferstraße eine tolle Händlergemeinschaft, aber ich denke, dass wir uns alle über neue Entwicklungen freuen. Ich würde mir wünschen, dass bei den Gründern nicht nur Technologie-Themen dabei sind, sondern auch was Handwerklich-Kreatives“, so die 46-Jährige.

Wie sich die Küferstraße durch die neue Gründermeile in Zukunft verändern wird, bleibt noch abzuwarten. Schon jetzt aber bereichern und beleben neue Gesichter und Konzepte die Straße.

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