Mehr Grün, mehr markante Gebäude – Studenten haben den Bezirk umgeplant. Foto: Schäfer

Deutsche und polnische Studenten zeigen ihre Konzepte für den Westen.

S-West - Reinhard Möhrle war überrascht von den Studierenden im Bezirksbeirat. Von ihrem Interesse und ihrem Sachverstand. Vor allem aber war der Bezirksvorsteher davon angetan, wie schnell sie den Stuttgarter Westen und seine Eigenheiten verstanden haben.

Der Grund für den Besuch im August war ein deutsch-polnischer Studierenden-Workshop, an dem Studenten der Hochschule für Technik Stuttgart gemeinsam mit Studenten aus Breslau teilgenommen haben. Darin wurden Konzepte entwickelt, wie der Stuttgarter Westen bewohnerfreundlicher gestaltet werden kann. Vier Gruppen, vier Quartiere und vier neue Ansätze für den Bezirk waren das Ergebnis, das in den kommenden Wochen im Bürgerzentrum zu sehen ist. „Die Studenten sind in ihren Plänen sehr behutsam mit der Bausubstanz umgegangen“, sagte Möhrle bei der Ausstellungseröffnung. Da werde nicht alles platt gemacht und neu gebaut. „Viele Gebäude werden baulich optimiert.“

Interkultureller Erfahrungsaustausch zwischen Studenten

Das studentische Projekt war eingebettet in einen deutsch-polnischen Erfahrungsaustausch der Stadtverwaltungen. Die beiden Städte zeigen einige Parallelen hinsichtlich ihrer Geschichte, vor allem ihrer Architekturgeschichte. Wie viele andere Städte in Mitteleuropa sind auch diese beiden gezeichnet von wechselnden Herrschaftsverhältnissen und kulturellen Einflüssen. Eines der markanten Merkmale beider Städte sind etwa die noch immer erhaltenen Gründerzeitviertel.

Ziel des Austauschs war es Strategien aufzulisten, einen Wissenstransfer durchzuführen und mit Ideen zu kooperieren. „Natürlich gibt es in Polen ganz andere Herausforderungen als bei uns“, sagte Matthias Bertram vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, der ebenfalls involviert war. Politische statt planerische. Viele Gebäude seien innen modernisiert, außen hingegen völlig verwahrlost.

Davon kann in Stuttgart keine Rede sein. Trotzdem gibt es einigen Optimierungsbedarf, was die Studenten in ihren Arbeiten erst richtig deutlich gemacht haben. „Sicher ist nicht alles eins zu eins umzusetzen“, sagte Möhrle. Die Anregungen und Ideen würden aber durchaus in die Weiterentwicklung des Bezirks fließen.

Der Bezirksvorsteher sieht wertvolle Anregungen in den Arbeiten

Vor allem die Gruppe, die sich mit der Eingangssituation am Olga-Areal und der nahegelegenen Tankstelle befasst hat, ist auf offene Ohren im Bezirksbeirat gestoßen. Statt der Tankstelle am Zwickel zwischen Elisabethen- und Bebelstraße mit der Schwab- und Friedensschule solle ein Gebäude entstehen, das an das Flatiron-Building in New York erinnert – also ein imposanter, gestalterisch anspruchsvoller Bau. Im Erdgeschoss des achtstöckigen Gebäudes sind öffentliche Nutzungen mit Außenwirkung vorgesehen. In den höheren Geschossen Büroräume. Die im Westen liegenden Gebäude der Schwab- und Friedensschule sollen in den Planungen der Studenten erhalten bleiben. Das im Moment leerstehende Gebäude der Friedensschule solle für kulturelle Zwecke zu Aufenthaltsräumen und Bürgertreffs umgenutzt werden. „In dem Projekt stecken wertvolle Anregungen, die teilweise und in kleinen Schritten umgesetzt werden könnten“, sagte Möhrle.

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