Eine Stadt sei nie fertig, heißt es. Die Frage ist nur: Wie wird sich Ditzingen entwickeln? Foto: Werner Kuhnle

Eine Stadt sei nie fertig, heißt es. Die Vorstellungen von der Stadt der Zukunft wird vielfach in Konzepten formuliert? Manch einem Ditzinger Stadtrat sind das zu viele.

Wo wird sich die Stadt hinentwickeln, welche Schwerpunkte will der Gemeinderat mittelfristig setzen? Das „Integrierte Stadtentwicklungs- und Klimaanpassungskonzept“, kurz Isek, soll darüber Auskunft geben. Der Gemeinderat wird sich am Dienstag abschließend mit dem mehrere hundert Seiten umfassenden Papier befassen. Im Ausschuss für Technik und Umwelt gab es vorab Diskussion über Sinn und Notwendigkeit des Konzeptes. Das Gremium empfahl dem Gemeinderat aber mehrheitlich, das Konzept zu beschließen.

 

„Was beschließen wir, wo geht’s hin?“ fragte der SPD-Stadtrat Herbert Hoffmann. Das Konzept „stößt einem irgendwie komisch auf“. „Was“, so Hoffmann weiter, „gedenkt die Verwaltung mit dem Papier zu machen?“ Und weiter: „Was kommt aus dem langwierigen und nicht ganz billigen Prozess raus?“ Er fürchte, so Hoffmann weiter, „mit dem Papier neuen Frust erzeugt zu haben bei jenen, die sich beteiligt haben“.

Ein solches integriertes Stadtentwicklungskonzept stelle „ein erprobtes Instrument in der kommunalen Planung zur Erreichung von Zielen durch aufeinander abgestimmte Maßnahmen dar“, hatte die Stadtverwaltung in einer früheren Beratungsunterlage erklärt. Bürgermeister Ulrich Bahmer (CDU) verwies am Dienstag zudem darauf, dass das Verfahren bereits länger laufe.

Vom Entwurf zum beschlossenen Konzept

Das Stadtentwicklungskonzept war im März als Entwurf beschlossen worden. Im weiteren Verlauf wurden Bürger einbezogen, die Abschlussveranstaltung fand im Juni statt. Daran hatten laut der Verwaltung 15 Bürger teilgenommen. Die Bürger hatten die Möglichkeit, zu priorisieren. Dabei ging es zum Beispiel in allen Teilorten um die Ortsmitte, in der Kernstadt um Neuordnung des Areals Wilhelmschule und Vernetzung des Bahnhofs, unter anderem auch in Hirschlanden um die nachhaltige Entwicklung des Gewerbegebiets sowie die Schaffung von Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen.

Das Konzept wurde nicht allein des Konzepts wegen erstellt. Es sei nicht zuletzt auch die Voraussetzung, um sich beim Staat erfolgreich um Fördergelder zu bemühen, so Bahmer. „Es ist eine Handlungsrichtlinie.“

„Ganz so negativ sehe ich es nicht“, entgegnete in der Aussprache der Freie Wähler Bernhard Arzt dem SPD-Mann Hoffmann. Es seien „viele gute Ideen dabei“. Arzts Fazit: „Lasst uns das Beste draus machen.“

Nach dem Isek gibt es drei Leitbilder für Ditzingen. Es geht um die Stadt der starken Mitten, um die „Netzwerkstadt“ und die „Klimastadt“. Die Leitbilder wiederum sollen durch Handlungsfelder auf konkrete Maßnahmen übertragen werden. Konkret geht es um die Themen Nahversorgung, Nutzungsverteilung, Mobilität und Verkehr, Stadtstruktur und Stadtbild, Klimaschutz- und anpassung, Digitalisierung, Demografie und Wohnen.

Auf Basis einer Bestandsanalyse bereits erhobener Daten stellt das Isek einerseits Ziele der Bürgerbeteiligung dar, andererseits ordnet es bestehende Konzepte in den Gesamtzusammenhang ein.

Neue Einzelmaßnahmen werden mit dem Isek nicht beschlossen. Anders sieht es mit bereits getroffenen Entscheidungen aus. Sie sind im Isek enthalten.

Der Stadtrat der Jungen Liste, Carl Renninger, nahm beispielsweise eine beendete Diskussion wieder auf. Im Isek ist als Ziel festgehalten, die Glems erlebbar zu machen. „Warum ist es so sehr gewollt, dass die Glems erlebbar gemacht wird?“, fragte er. Die Glems sei weder ein klarer Gebirgsbach noch ein Badesee. Bürgermeister Bahmer ging nicht auf die Diskussion ein, verweis vielmehr auf den Ratsbeschluss, der nun Eingang in das integrierte Stadtentwicklungskonzept gefunden habe. Sven Sautter, Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion, wollte in diesem Kontext bekräftigt wissen, dass die Verwaltung an bisher gefasste Beschlüsse gebunden sei. Bahmer bestätigte dies.

Horst Ludewig, für die FDP im Gemeinderat, mahnte an, dass man es nicht bei dem vorliegenden Konzept belassen dürfe. „Man muss es weiterentwickeln.“ Man müsse sich weiter Gedanken machen und zum Beispiel Kälteinseln schaffen, so der Mediziner. Doris Renninger (Grüne) wiederum ordnete das Konzept ein: Die darin beschriebenen Entwicklungsziele sollen laut Isek bis 2040 beibehalten werden . „Schauen wir mal, wer von uns dann noch hier sitzt.“

Corona hemmte den Prozess

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept gliedert sich in eine Bestandsaufnahme mit Bürgerbeteiligung und einem Ergebnis- und Maßnahmenteil. Die Meinung der Bürger soll aufgenommen werden. Wegen Corona sei zu Beginn des Prozesses die Beteiligung der Bürger weitgehend nur online möglich gewesen, so die Verwaltung. Später seien Stadtspaziergänge und ein Forum als Beteiligungsformate vor Ort angeboten worden. In dem Forum sei über die Leitbilder informiert worden, Bürger hätten die Möglichkeit gehabt, dazu konkrete Maßnahmenideen einzubringen.