Stadtentwicklung am Olgäle-Areal Kinder wollen Zebrastreifen

Von Georg Linsenmann 

Norbert Fröschle (rechts) vom Fraunhofer Institut sprach  über Kinderbeteiligung bei Planungsprozessen. Foto: Georg Linsenmann
Norbert Fröschle (rechts) vom Fraunhofer Institut sprach über Kinderbeteiligung bei Planungsprozessen. Foto: Georg Linsenmann

Beim „Platzgespräch“ ging es um die Verkehrsberuhigung des Bismarckplatzes.

S-West - Das Dutzend an „Platzgesprächen“ ist voll, und weil sich bei der neuerlichen Auflage im Westquartier auch wieder „neue Gesichter“ zeigten, wie der Initiator Eckard Ernst bei der Begrüßung erfreut feststellte, mussten erst einmal Stühle gerückt werden. Mit gleich drei Themen drohte nach gut zwei Stunden allerdings ein wenig die Sprengung des Rahmens. Wobei sich die Runde gleich beim ersten Thema auch streitlustig zeigte. Denn als Rüdiger Ahrendt von der Projektgruppe Olgäle 2012 den aufwendigen Beteiligungsprozess zur Neuentwickliung des Areals skizzierte und dabei nicht zuletzt die erfolgreiche Etablierung von Baugemeinschaften hervorhob, spielte Rainer Benz ein wenig den Spielverderber in der Darstellung der „Erfolgsgeschichte“.

Kritik an der Planung: Ärmere Menschen wurden wieder nicht berücksichtigt

Benz, Mitintiator der Platzgespräche, war der Meinung, dass bei einem Anteil von 40 Sozialwohnungen bei insgesamt 220 Wohneinheiten „die Stadt einmal mehr Grund verhökert hat. Leute, die wenig Geld haben, ziehen wieder den Kürzeren“. Da lag Spannung in der Luft, wobei Benz allerdings keine Unterstützung für seine Meinung fand. Jedenfalls war das Thema abgehakt, als Ahrendt zum einen die „nicht an Gewinnen orientierte“ Zweckorientierung der Baugruppen und vergleichende Proportionalitäten darlegte sowie darauf hinwies, dass bei einem Quadratmeterpreis von 4200 Euro der Standard für junge Familien „gut ein Drittel unter dem aktuellen Durchschnitt im Westen liege“. Und wenn man bedenke, „was für Mietpreise sogar für liederliche Altbau-Wohnungen“ im Westen verlangt würden, dann sei es „echt irre, was die anderen Bauherren sich vornehmen“.

Um eine besondere Form der Beteiligung ging es beim Vortrag von Norbert Fröschle, der beim Fraunhofer Institut Stuttgart für „Interventionen im Straßenraum“ zuständig ist. Fröschle befasste sich mit dem Thema „Kinderbeteiligung“ in Planungsprozessen und lud zu einem „kleinen Perspektivwechsel mit Kinderaugen“ ein: am Beispiel der Kinderbeteiligung zum Olga-Areal sowie einer Mal-Aktion auf der Elisabethenstraße. „Machen Sie was mit Kindern!“ war sein Resümee angesichts der „spannenden Ergebnisse“, etwa beim Thema „Sicherheit und Kultur“. Hier hatten die Kinder die Autos „als viel zu schnell fahrend“ beschrieben.

Der Forscher betonte aber auch einen politischen Aspekt: „Kinder sollten wir auch deshalb als Experten ihres Lebensraumes einbeziehen, weil wir kritische Bürger wollen. Nicht Wutbürger, sondern Menschen, die auch bei entgegengesetzten Positionen miteinander im Dialog bleiben. Auch da können wir viel von Kindern lernen.“ Mit den Kindern hatte er auch herausbekommen, was im Westen im Straßenraum fehlt: „Zebrastreifen! Im ganzen Westen gibt es nur noch einen einzigen. Dieses Instrument scheint in Vergessenheit geraten zu sein“, sagte Fröschle.

Sichere Übergänge für Kinder fehlen im Westen

Dass er den viel beschworenen „großen Zebrastreifen“ über den künftigen Bismarckplatz „so noch nicht“ sehe in den Planungen, war dann auch der Brückenschlag zum direkt benachbarten Thema vor Ort. Und wieder setzten hier Kindererfahrungen das Vorzeichen: die schwere Überquerbarkeit der breiten Straßenschneise durch den Platz, speziell von Schulkindern. Bis zur Behebung der Misere mit dem Umbau in drei Jahren, will das Forum aber nicht warten. So wurde mit breiter Zustimmung die Idee befürwortet, in der Interimszeit die Straße ab der Bushaltestelle mit durchgezogenen Linien auf zwei Spuren zu verengen und „den entstehenden Raum den Fußgängern zu geben“, wie Ernst sagte. Das wäre „eine Chance für die Stadt, das mal zu testen“. Auch Fröschle hatte er da voll auf seiner Seite: „Solche Stellen gibt es extrem viele in der Stadt“, stellte er fest und betonte: „Davon könnte Stuttgart viel lernen.“

Redaktion Stuttgart-West

Ansprechpartnerin
Kathrin Wesely
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