Foto: Piechowski

Kabinen sind überlastet - Lift könnte nachgeordert werden - Stadtbahn-Haltestelle vor Namenswechsel.

Stuttgart - Vier Wochen nach der Eröffnung der neuen Stadtbibliothek hinter dem Hauptbahnhof pendelt sich der Besucherstrom in dem Würfel auf rund 400 Lesehungrige pro Stunde ein. Dieser Ansturm ist offenbar zu viel für die nur zwei Personenaufzüge. Lange Wartezeiten werden zur Regel.

Kurz vor der Ausschreibung der Bauarbeiten für die zunächst auf 74 Millionen Euro veranschlagte Stadtbücherei hatten Planer und Gemeinderat im Mai 2008 den Rotstift angesetzt. Um die Kosten zu halten, wurde dem Neubau eine Schrumpfkur verordnet. Nicht nur bei der Qualität von Bodenbelägen und Hölzern wurde abgespeckt, auch die Technik musste Federn lassen. So wanderten alle Besuchertoiletten zentral ins Untergeschoss. Und einer von drei Aufzügen wurde gestrichen. Die Baukosten stehen trotz aller Sparbemühungen, bei denen zuletzt auch die Wasserfläche um den Würfel wegfiel, bei - genehmigten - 79 Millionen.

Doch nun werden die Nebenwirkungen der Kostendiät sichtbar. Besucher müssen vor den Aufzügen lange warten. Öffnet sich eine der Kabinen, wird es eng: Auf 1,47 Quadratmetern sollten sich bei 800 Kilogramm theoretisch bis zu zehn Personen drängen können. Reist ein Kinderwagen mit, was angesichts der Kinderbibliothek im zweiten Stock nicht ganz so selten ist, sinkt die Kapazität aber auf zwei Personen.

Um für Entspannung zu sorgen, hat die Bibliotheksleitung dem Vernehmen nach Ende vergangener Woche den Lastenaufzug für das Publikum freigegeben. Er wäre im Fall des Falles auch Feuerwehraufzug. Damit in diesem Lift überhaupt Besucher mitfahren dürfen, muss ein Bibliotheks-Beschäftigter dauerhaft als Fahrstuhlführer dabei sein.

Die Aufzugs-Misere ist der CDU im Gemeinderat nicht verborgen geblieben. Die Christdemokraten befürchten, dass bei vielen Besuchern weniger das erweiterte Angebot auf 2,5 Kilometer Bücherregalen und die großzügigen Platzverhältnisse im Neubau in Erinnerung bleiben. Die Misere könnte letztlich Gäste abschrecken.

Die CDU verlangt im Technikausschuss des Gemeinderats Ende November Aufklärung. Kann das Tempo der Aufzüge erhöht, könnte ein weiterer Lift eingebaut werden? Das Hochbauamt soll eine Lösung finden.

Tatsächlich wäre in dem Würfelbau Platz für einen dritten Personenaufzug. Der Schacht dafür ist sogar schon betoniert. 2008 aber wurde die Kabine gestrichen. Würde die Stadt nun nachordern, schlügen wohl 400000 Euro zu Buche. Zugemauerte Öffnungen müssten wieder aufgerissen werden. Bauen im Betrieb ist teuer. Vor wenigen Monaten hätte die Stadt die höhere Transportkapazität nach Informationen dieser Zeitung noch für rund 250000 Euro haben können. Angesichts eines neuen, von der Landesbank Baden-Württemberg in den Haushalt gerissenen 60-Millionen-Lochs dürfte diese Nachricht den Stadträten nicht gefallen.

Erfreuter könnte die Botschaft aufgenommen werden, dass die Stadtbibliothek künftig auch im Fahrplan der Stadtbahn existiert. Die Haltestelle Türlenstraße könnte bald "Stadtbibliothek/Handwerkskammer" heißen. Den Wunsch der Kammer nach einer Umbenennung kennen die zuständigen Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) schon lange. Noch vor Weihnachten soll er erfüllt werden.

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