Stadtbahnunfall in Stuttgart Von Stadtbahn schwer verletzt

Von Wolf-Dieter Obst 

Haltestelle Weinsteige: Wer auf die andere Seite will, muss die Treppe (rechts) nehmen. Foto: STZN
Haltestelle Weinsteige: Wer auf die andere Seite will, muss die Treppe (rechts) nehmen. Foto: STZN

Immer wieder versuchen Fußgänger den kürzeren Weg über die Gleise von Stadtbahn und S-Bahn zu nehmen. In der Nacht zum Freitag nahm dies ein schlimmes Ende.

Stuttgart - Warum denn den Umweg über Treppe und Fußgängersteg nehmen, wenn es direkt über die Gleise viel kürzer ist? So denken manche Fußgänger an Bahn-Haltestellen – und bringen sich leichtsinnig immer wieder in Lebensgefahr. In der Nacht zum Freitag hatte eine solche Abkürzung böse Folgen. Eine 18-Jährige erlitt in Degerloch lebensgefährliche Verletzungen.

Wie die Polizei mitteilte, war die 18-Jährige mit einem Begleiter am Donnerstag gegen 23.50 Uhr im Bereich der Haltestelle Weinsteige unterwegs. Offenbar stand sie zunächst auf der zum Wald hin gelegenen Seite, an der die Stadtbahnen Richtung Innenstadt halten, ehe sie im langen Weinsteige-Tunnel verschwinden. Wer auf die andere Seite Richtung Bundesstraße und Wohngebiet auf dem Haigst will, muss über Treppen zu einem Fußgängersteg hinauf, der dann zu einer Fußgängerampel führt.

Zwischen Zug und Bahnsteig eingeklemmt

„Ganz offensichtlich wollte sie vom Hochbahnsteig lieber direkt über die Schienen“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Was sie dabei unterschätzte, war die Gefahr auf dem Gegengleis. Von rechts näherte sich eine bergwärts fahrende Stadtbahn der Linie U 6 in Richtung Degerloch. Der 54-jährige Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und erfasste die junge Frau. „Sie wurde zwischen Bahn und Bahnsteigkante eingeklemmt und lebensgefährlich verletzt“, so Widmann. Ein Notarzt kümmerte sich um die Schwerverletzte, der Bahnverkehr war zeitweise gesperrt.

Nun soll ein Gutachter den Ablauf des Unfalls klären. Immer wieder sind Fußgänger auf den Gleisen unterwegs, um eine Abkürzung zu nehmen – für die Polizei ein unverständlicher Leichtsinn. Häufig sind die Betroffenen erheblich alkoholisiert, wie vergangene Woche ein 27-Jähriger am Bahnhof in Böblingen. Im Juni gab es in Stuttgart den letzten tödlichen Unfall, als ein 76-Jähriger am Bergheimer Hof in Weilimdorf von einer Stadtbahn erfasst wurde – es war ebenfalls eine Bahn der Linie U 6.

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