In der Hedelfinger und der Wasenstraße wurden die Stadtbahnschienen erneuert. Seitdem habe der Lärm zugenommen, beschweren sich Anwohnerinnen und Anwohner.
Wangen - Große Hoffnung hatten die Wangener auf die Erneuerung der Stadtbahngleise sowohl in der Hedelfinger Straße als auch in der Wasenstraße gesetzt. Von Anfang Mai bis Ende Juli war die Stadtbahnstrecke zwischen der Inselstraße und der Endhaltestelle in Hedelfingen gesperrt. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) erneuerte die Gleistrasse: Sie nutzte die dreimonatige Bauzeit, um gleich zwei seit Jahren geplante Maßnahmen fertig zu stellen. Zwischen den Haltestellen „Wasenstraße“ und „Wangener Marktplatz“ wurden die alten, abgenutzten Schienen ersetzt und der Kreuzungsbereich an der Eybacher Straße neu gestaltet. Noch aufwendiger wurde der Bereich zwischen Wangener Marktplatz und der Autohofkreuzung erneuert: Der Gleiskörper in der Hedelfinger Straße wurde für eine Million Euro von Grund auf saniert.
Gleistrasse begrünt
Auf der 400 Meter langen Trasse wurde erstmals eine bestehende Stadtbahnstrecke nachträglich begrünt. Die Anwohner erwarteten durch den Umbau nicht nur ein bisschen mehr Grün im Asphaltgrau, sondern sie hofften auch darauf, dass es leiser wird. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung. „Seit der Neugestaltung hören wir die Stadtbahnen noch lauter als zuvor“, beschwert sich eine Anwohnerin, die am Wangener Marktplatz wohnt. Es sei kein Schrillen oder Pfeifen. „Die Schienen ,singen‘. Wenn man am Wangener Marktplatz wartet, hört man bereits, dass eine Stadtbahnen naht“, sagt ein Fahrgast, der seit Jahren regelmäßig dort einsteigt.
Anwohnerbeschwerden
Wangens Bezirksvorsteherin Beate Dietrich erlebt die Veränderungen in ihrem Büro im Bezirksrathaus hautnah. Auch sie hat die neuen Töne bereits vernommen. „Wir haben auch schon einige Bürgerbeschwerden erhalten, die wir an die SSB weitergeleitet haben“, sagt Beate Dietrich.
Quietschen in der Wasenstraße
Die Klagen betreffen nicht nur die Hedelfinger Straße. Auch Anwohner der Wasenstraße sowie deren Parallel- und Querstraßen klagen darüber, dass der Stadtbahnlärm zugenommen habe. Die Probleme sind seit Jahren bekannt: Auf halber Strecke macht die Wasenstraße einen Knick, die Stadtbahnen müssen eine S-Kurve fahren. Wenn die Räder der Stadtbahnen auf den Metallschienen rollen, verursachten sie je nach Witterung ein nerv- und schlafraubendes Quietschen. Die neuen Gleise sollten, so die Hoffnung der Wangener, Besserung bringen. „Das Gegenteil ist der Fall“, ärgern sich Kurt Hoffmann und seine Nachbarn als Direktbetroffene. „Das Quietschen ist bis in die Geislinger, Helfensteiner- und Kuchener Straße zu hören“, hat Dietrich erfahren.
Eingewöhnung der Gleise
Die SSB haben zwar keine Schallmessungen durchgeführt. „In der Einfahrzeit wird aber in kürzeren Intervallen geschliffen“, sagt SSB-Sprecherin Birgit Kiefer. Die SSB setzen auf den Faktor Zeit. „Die neuen Schienen müssen erst eingefahren werden, das heißt Rad und Schienen müssen sich einander anpassen.“ Da der ausgewechselte Bereich im Verhältnis zum Gesamtnetz relativ klein ist, müsse das Rad die Schiene entsprechend „einwalzen“. Zudem kennen die erfahrenen SSB-Fachleute einen wiederkehrenden Effekt: „Nach einem Schienen- und Schwellenwechsel erscheinen den Anwohnern die Stadtbahnen oft lauter als vorher. Das hat Gründe: Während des Umbaus sind keine Bahnen gefahren. Die Anwohner haben sich entwöhnt“, so Kiefer. Im Übrigen sei die Gleisbegrünung in der Hedelfinger Straße in erster Linie wegen deren ökologischer Wirkung erfolgt. Eine Lärm mindernde Wirkung sei fast nicht gegeben.
Stau vor roter Ampel
Noch etwas ärgert die Anwohner der Wasenstraße: Die Autos stauen sich nun direkt vor ihrer Haustüre. „Durch den Wegfall der Linksabbiegespur erhalten jetzt auch die Fahrzeuge, die geradeaus fahren, Rotlicht und müssen anhalten. Da in der Hauptverkehrszeit alle zweieinhalb Minuten eine Stadtbahn anrollt und auch Fußgänger Rot für Autofahrer anfordern können, sind Staus vorprogrammiert“, sagt Hoffmann.