Der Tunnel für die neue Stadtbahn U 12 ist technisch aufwendig. Foto: Max Kovalenko

Seit Februar baut die Stuttgarter Straßenbahnen AG an ihrem nur 200 Meter langen Tunnel vom Hallschlag nach Münster und entlang der Löwentorstraße. Der Tunnelbau ist technisch schwierig, der Abschnitt mit rund 60 Millionen Euro teuer.

Seit Februar baut die Stuttgarter Straßenbahnen AG an ihrem nur 200 Meter langen Tunnel vom Hallschlag nach Münster und entlang der Löwentorstraße. Der Tunnelbau ist technisch schwierig, der Abschnitt mit rund 60 Millionen Euro teuer.

Stuttgart - Die neue Stadtbahn U 12 kommt, zurzeit aber nur in Zentimeterschritten. Seit dem 22. Februar baggert die Stuttgarter Straßenbahnen AG ihren Tunnel an der Löwentorstraße. Weil die Erde locker ist, sind pro Tag nicht mehr als 60 Zentimeter zu schaffen. Gebaut wird im Ulmenstollenvortrieb, einer Technik, bei dem in fünf Schritten nur vergleichsweise kleine Teile des Tunnelquerschnitts aus dem Gestein gebrochen werden. Studenten der Fachhochschule Kärnten gewannen am Mittwoch einen Eindruck von den Arbeiten.

Die Sicherungsmaßnahmen sind hoch. Allein elf Kilometer Rohrschirme, das sind Stahlrohre, durch die vor dem Tunnelbau Beton zur Stabilisierung ins Erdreich gepresst wird, werden als Schutz für die Tunnelbauer ins Gestein gebohrt. Alle acht Meter gibt es einen neuen Rohrschirm. Ihn zu spannen dauert vier Tage, es wird grundsätzlich rund um die Uhr gearbeitet.

Trotz aller Vorsicht hatte sich kurz nach dem Tunnelanschlag Erde gelöst. Ein Bauarbeiter war verletzt worden. Er sei jetzt in einer Reha-Klinik, sagt Susanne Schupp, Sprecherin der SSB. Gesundheitliche Folgen sollen keine zurückbleiben. Tunnelpatin Waltraud Ulshöfer, Ehefrau von OB Fritz Kuhn, hatte ihm Genesungswünsche und ein Stärkungspaket geschickt.

Der Unfall hat Folgen für die Baustelle. Zwei Wochen lang ging gar nichts, dann wurde die Vortriebsgeschwindigkeit reduziert. In der engen Röhre wird mit zwei Baggern gearbeitet. Markus Zwick, Projektleiter bei der SSB, und Georg Wilhelm vom Tiefbauamt der Stadt, sind zuversichtlich, dass sich die Verzögerung aufholen lässt. Der Rohbau soll Ende 2015 fertig sein, das Streckenstück zwischen Hallschlag und der Aubrücke als letzter U 12-Abschnitt Ende 2016 in Betrieb gehen. Dann können hier 80 Meter lange Stadtbahnwagen fahren.

Neben dem Tunnel, der auf Höhe der Freibergstraße die Güterzuggleise unterqueren wird, wird am neuen Fußgängersteg über die Löwentorstraße, der neuen Haltestelle Bottroper Straße, und der Verlängerung der Haltestelle Auwiesen gearbeitet. Auch die Halte Max-Eyth-See und Wagrainäcker sollen in diesem Jahr von 40 auf 80 Meter gestreckt werden. Rad- und Fußweg unter der Neckartalstraße müssen verlegt, Straßen verschwenkt werden. Platz ist Mangelware. Autofahrer müssen hier in den nächsten Monaten mehr Zeit einplanen.

Die Enge und die technischen Herausforderungen der Baustelle führen letztlich zu Baukosten von 60 Millionen Euro für die 1100 Meter. Also rund 54 500 Euro für jeden neuen Meter öffentlicher Nahverkehr. Das Geld soll gut angelegt sein, denn die SSB erwarten sich mit der neuen Strecke, die in der City durch das Europaviertel führen und im Süden im bisher nur mit Bussen versorgten Stadtteil Dürrlewang enden wird, mehr Fahrgäste. Die Fahrzeit von Remseck in die Stadt soll, auch weil es im Vergleich mit der U 14 weniger Haltestellen gibt, abnehmen.

Fragen zur Baustelle beantwortet die Stadt am Bürgertelefon unter 07 11 / 216 - 67 69.

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