Stadtbahnbau in Stuttgart 2,30 Meter Tunneldecke tragen die B 27

Von Konstantin Schwarz 

Durch diese Röhre sollen von Juli 2016 an Stadtbahnzüge rollen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Durch diese Röhre sollen von Juli 2016 an Stadtbahnzüge rollen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In vier Monaten werden in den neuen Stadtbahnröhren unter dem Kriegsberg die ersten Gleise verlegt. Bis die Züge fahren, wird es aber nach kompliziertem Umbau Sommer 2016 werden.

Stuttgart - Im Mai 2013 haben die Stuttgarter Straßenbahnen mit dem Bau der neuen Röhren zwischen Kurt-Georg-Kiesinger-Platz und der Stadtbibliothek im Europaviertel begonnen. Die größten Eingriffe im Untergrund sind geschafft. Am Donnerstag zeigte Bernd Schröder vom städtischen Tiefbauamt den Stand der Arbeiten. Von November an sollen die Gleise verlegt werden.

Vor dem Geno-Haus sind die Betonarbeiten für die neuen Tunnel nahezu abgeschlossen. Um überhaupt in der Tiefe arbeiten zu können, wurde hier die Bundesstraße 27 aufgeständert. Wenn die neuen mit den bisherigen Stadtbahnröhren verbunden und die alten verfüllt sind, wird die Verkehrsachse in Teilen auf dem Tunnel ruhen. Um die Last tragen zu können, ist die Stahlbetondecke stellenweise bis zu 2,30 Meter dick.

Vor der Bahndirektion am Kiesinger-Platz, dem anderen Ecke des Neubauabschnitts, wird in 19 Meter Tiefe eben der Anschluss der neuen Röhren an den Bestand hergestellt. Der ganze Aufwand ist nötig, weil die heutige Stadtbahnführung dem Tiefbahnhof von Stuttgart 21 im Weg ist. Er kreuzt die Gleise und legt sich teils über diese. Die SSB muss ihre Infrastruktur daher aus der bisherigen Lage weiter in den Kriegsberg hinein rücken.

Beim Bau der neuen Stadtbahnröhren hat die SSB keine großen Freiheiten. Sie führen unter der alten Bahndirektion hindurch. Die Bahn AG wird ihre Tunnel so knapp auf die Stadtbahnröhren auflegen, dass sie zuvor den Spritzbeton entfernen muss. Die Stadtbahnröhren werden sich, sagt Schröder, in dieser Bauphase stellenweise um maximal drei Zentimeter heben (weil die Auflast fehlt) und wieder senken (wenn der Bahntunnel darüber fertig ist). Der Betrieb wird dabei nicht unterbrochen werden. „Wir überwachen das dann alles“, so Schröder.

Zusätzlich zum Ersatz für die bisherigen Röhren, die mit Leichtbeton verfüllt werden, baut die SSB neue Gleise für die Stadtbahnlinie U 12. Sie führt bisher direkt am Haupteingang des Pragfriedhofs vorbei. Von 2017 an soll sie mit einem unterirdischen Abzweig auf Höhe der Handwerkskammer aus der Hauptstrecke in das Stuttgart-21-Areal hinter dem Bahnhof fahren. Nahe dem Milaneo ist auf der bereits fertig gestellten Stadtbahnbrücke über die Wolframstraße eine Haltestelle geplant. Der Einkaufskoloss wird dann von zwei Seiten aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Die U 12 wird von Neubauabschnitt in Dürrlewang über das Europaviertel und den Hallschlag (in Betrieb) bis nach Remseck fahren. Ein schwieriger Tunnelbau an der Bottroper Straße in Bad Cannstatt führte zu Verzögerungen, so dass der Betreib nicht mehr zum Fahrplanwechsel 2016/2017 aufgenommen werden kann.

Auf die Linien U 5, 6, 7 und 15 wird das keinen Einfluss haben. Sie nutzen künftig die neuen Röhren unter dem Kriegsberg. Stadteinwärts soll das von Juli 2016 an, stadtauswärts von Oktober 2016 an der Fall sein. Um die neuen Gleise an den Bestand anschließen zu können, werde je eine Sperrung am Wochenende nötig werden, sagt Bernd Schröder. Dank eines Masse-Feder-Systems und Unterschottermatten aus Gummi zur Schwingungsdämpfung sollen die Anwohner über den Röhren vom Stadtbahnbetrieb nichts mitbekommen.

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