3. November 2016: Einer von vier Stadtbahn-Unfällen in der Schlossstraße. Foto: 7aktuell

Auf den Gleisen der SSB häufen sich die Unfälle: In den ersten 40 Tagen dieses Jahres rückten die Rettungskräfte zu 14 Einsätzen aus. Im jüngsten Fall wieder in die Schlossstraße in der Innenstadt.

Stuttgart - Wie gefährlich ist die Schlossstraße in der Innenstadt? Schon zum vierten Mal binnen weniger Monate ist auf der Strecke zwischen der Liederhalle und dem Haus der Wirtschaft ein Fußgänger beim Überqueren der Stadtbahngleise schwer verunglückt. Die Bilanz der vier Kollisionen: Ein Toter und drei Schwerverletzte.

Verursacher waren jedes Mal die Passanten selbst – so auch am Donnerstag, als ein 28-Jähriger gegen 6.30 Uhr von einer Stadtbahn erfasst und schwer verletzt wurde. Laut Polizei hatte der Mann die Gleise auf Höhe Kienestraße überqueren wollen und dabei die in Richtung Hauptbahnhof fahrende Bahn der Linie U 2 übersehen. Der 27-jährige Stadtbahnfahrer konnte seinen 60-Tonnen-Zug nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen. Die Stadtbahn erfasste den Mann, der dabei zu Boden geschleudert wurde. Rettungskräfte und ein Notarzt versorgten den Mann und brachten ihn in ein Krankenhaus. „Er hat schwere Kopfverletzungen erlitten, schwebt aber nicht in Lebensgefahr“, sagt Polizeisprecher Tobias Tomaszewski. Der Stadtbahnverkehr war bis gegen 7.20 Uhr unterbrochen. Unfallzeugen werden gebeten, sich bei der Verkehrspolizei unter der Rufnummer 07 11 / 89 90 - 41 00 zu melden.

Ein Fall endete sogar tödlich

Ganz offensichtlich hatte der Fußgänger eine verbotene Abkürzung über die Gleise genommen. Die nächste Überquerungsmöglichkeit liegt 100 Meter in Richtung Liederhalle und 120 Meter in Richtung Willi-Bleicher-Straße. Erst am 20. Januar war an derselben Stelle, wo die Stadtbahn aus einem Tunnel auftaucht, ein 19-jähriger Fußgänger schwer verletzt worden, als er nachts auf dem gesonderten Bahnkörper über die Gleise ging. Er wurde von einer Stadtbahn der Linie U 14 erfasst, die aus dem Tunnel kommend in Richtung Liederhalle unterwegs war.

Am 3. November 2016 rannte ein 26-Jähriger 200 Meter entfernt im Bereich der Liederhalle über den z-förmigen Fußgängerüberweg. Offenbar wollte er eine an der Haltestelle stehende Stadtbahn erreichen – und beachtete das gelbe Warnblinklicht nicht. Dabei wurde er von einer Stadtbahn erfasst, die in in die Gegenrichtung unterwegs war. Tödliche Verletzungen erlitt ein 55-jähriger Passant am 20. Mai 2016, als er alkoholisiert über die Schlossstraße wankte und von einer Stadtbahn angefahren wurde.

Bedenklicher Trend für 2017

Dabei haben die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) mit ihrer Unfall-Vorbeugungskampagne derzeit weniger die Fußgänger im Visier. „Auf die Gefahren der Gleisüberquerung haben wir über viele Jahre mit Plakataktionen und Werbespots aufmerksam gemacht“, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper. Nun aber müsse man verstärkt die Aufmerksamkeit auf die Autofahrer lenken – weil die immer wieder verbotenerweise über Gleise abbiegen. „Das Thema“, sagt Sprecherin Schaper, „wird uns wohl noch lange erhalten bleiben.“

Tatsächlich kracht es derzeit besonders häufig. Die Unfalldatenbank dieser Zeitung verzeichnet in den ersten 40 Tagen dieses Jahres bereits 14 Unfälle. Ein bedenklicher Trend – so kämen im gesamten Jahr mehr als 100 Unfälle im Schienenverkehr zusammen. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 hatte es 97 Unfälle gegeben – auch das schon ein vergleichsweise hoher Wert. 2014 waren es 92 Unfälle, 2013 nur 79. Dabei sind nicht nur die zumeist unachtsamen Autofahrer oder gedankenverlorenen Fußgänger die Betroffenen: Den Großteil der Verletzten stellen die Fahrgäste, die bei einer Gefahrenbremsung der Bahn stürzen.

So wurde auch bei dem Unfall am Montag in der Hackstraße im Osten ein Fahrgast verletzt, als ein Autofahrer beim Linksabbiegen nicht aufpasste und mit einer Stadtbahn kollidierte. Die Unfallserie nahm am 2. Januar ihren Anfang, als eine Stadtbahn in der Böblinger Straße im Süden ein geparktes Fahrzeug rammte. Dabei handelte es sich um einen Rettungswagen.

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