Die ersten Stadtbahnen könnten 2033 durch Ludwigsburg rollen. Foto: /Zweckverband Lucie Stadtbahn

Die FDP schießt im Wahlkampf gegen die Lucie-Planung, in Zukunft würden autonom fahrende Shuttles die Stadtbahn überflüssig machen. Zudem sei das Geld woanders besser investiert. Stadtbahn-Geschäftsführer Frank von Meißner setzt sich zur Wehr.

Der Kommunalwahlkampf wird immer heißer. In dieser Woche hat sich die FDP-Spitze Ludwigsburgs teilweise gegen die Planungen der Stadtbahn Lucie ausgesprochen. Die Liberalen wollen die Trassen durch die Innenstadt am liebsten komplett streichen – sie glauben nicht mehr an das Projekt. Andere Gemeinderäte und Lucie-Geschäftsführer Frank von Meißner reagieren emotional. Die Kritik sei haltlos.

 

Es ist ein Thema, mit dem die FDP drei Wochen vor der Kommunalwahl für Aufmerksamkeit sorgt. Im Gespräch mit dieser Zeitung befürwortet Fraktionsvorsitzender Jochen Eisele zwar die Stadtbahn Lucie nach Markgröningen, spricht sich jedoch gegen die geplanten Innenstadttrassen durch Ludwigsburg aus. Die FDP hält Bahnlinien in der sowieso schon engen Stadt voller Alleen für nicht zielführend. „Wir gehen davon aus, dass es bald sowieso andere Systeme wie autonome Shuttles geben wird, die den öffentlichen Verkehr verändern“, so Eisele zu der Kritik seiner Partei.

Zudem sorgt sich die FDP um die Kosten. Das Projekt werde teuer, eine geplante Förderung von bis zu 95 Prozent hält Eisele für unrealistisch. Das Geld sei woanders besser investiert. Die Liberalen glauben zudem, dass der Zweckverband-Stadtbahn ihre Kostenschätzung absichtlich noch bis nach der Kommunalwahl zurückhält. Denn der Betrag werde ein Schock.

Vorwurf: Kostenschätzung wird zurückgehalten

Zur Erinnerung: 2022 beschloss unter anderem der Ludwigsburger Gemeinderat die Reaktivierung der Gleise zwischen Markgröningen und Ludwigsburg, zudem eine neue Trasse durch die Ludwigsburger Hindenburgstraße in Richtung Oststadt und nach Pattonville. Eine zweite Innenstadtlinie, vorbei am Schloss in Richtung Schlösslesfeld war ebenfalls Teil des Beschlusses. Jedoch mit dem Unterschied, dass diese Trasse zwar in die Kosten-Nutzen-Rechnung einbezogen wird, dann aber im Gemeinderat noch mal zur Diskussion steht.

Aktuell werden alle Trassen gleichberechtigt geprüft, stellt Zweckverband-Stadtbahn-Geschäftsführer Frank von Meißner klar. Die Innenstadtrasse entlang des Schlosses werde zwar noch mal auf den Prüfstand gestellt, er sei jedoch optimistisch, dass auch die Umsetzung dieser Linie funktioniert. Die Planer seien nach wie vor davon überzeugt, dass der Nutzen der Stadtbahn die Kosten übersteigen wird, sagt von Meissner. Wenn das bewiesen ist, könne der Zweckverband dann auch mit der hohen Förderung des Bundes rechnen.

So soll die Stadtbahn im Jahr 2033 verlaufen. Foto: Yann Lange

Die Kritik der FDP, die Kostenschätzung würde absichtlich zurückgehalten werden, weist von Meißner scharf zurück: „Das ist ein völlig haltloser Vorwurf. Wir haben immer gesagt, dass das Zeit in Anspruch nehmen wird und wir keine ungaren Zwischenergebnisse herausplappern.“ Er sei traurig, dass die Ablehnung ausgerechnet von Seiten der FDP, der „Stimme der Wirtschaft“, kommt. „Die Erfahrung anderer europäischer Städte zeigt, dass neue Straßenbahnen einen Anstieg der Lebensqualität und der Wirtschaftskraft bedeuten.“

Unterstützung bekommt der Zweckverband unter anderem von der SPD im Gemeinderat. „Wir sind froh, dass sich die Planung seit dem Wechsel des Oberbürgermeister und des Landrats endlich ernsthaft bewegt“, sagt Nathanael Maier, Listenplatz eins der Sozialdemokraten. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Bahn auch durch das Stadtgebiet fährt.“ Zeit für Diskussionen gibt es noch zur Genüge: Frank von Meissner rechnet damit, dass die ersten Stadtbahnen 2033 durch die Straßen Ludwigsburgs rollen.