Vor der Stadtbahn-Diskussion im Ludwigsburger Gemeinderat stellt der Innenstadtverein kritische Fragen. Wie viel muss die Stadt wirklich für die Reaktivierung der Bahntrasse zahlen?
Landrat Dietmar Allgaier und Stadtbahn-Projektleiter Michael Ilk kämpfen um das Überleben des Großprojekts Lucie. Bei einem Treffen mit rund 100 Lokalpolitikern am Samstag warben sie intensiv für die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Markgröningen und Ludwigsburg und die weiterführende Trasse nach Pattonville. Dabei versicherten sie den Ludwigsburger Stadträten, dass die Stadt für die erste Ausbaustufe lediglich rund 5 Millionen Euro aufbringen müsse.
Gerade als die Wogen geglättet schienen, meldet sich der Innenstadtverein Luis mit scharfer Kritik zurück. Laut einer eigenen Berechnung beziffert der Verein die tatsächlichen Kosten für Ludwigsburg auf rund 20 Millionen Euro – allein für die Strecke Markgröningen–Ludwigsburg.
Die Luis-Rechnung
Luis-Vorsitzende und CDU-Stadträtin Edith Klünder sowie Citymanager Markus Fischer legen in einer zwölfseitigen Stellungnahme dar: Die Stadt habe bereits 4,6 Millionen Euro an den Zweckverband überwiesen – ein Betrag, der in den Darstellungen des Zweckverbandes Stadtbahn angeblich nicht berücksichtigt wird. Darüber hinaus seien laut städtischer Finanzplanung bis 2028 weitere 5,7 Millionen Euro für die Stadtbahn eingeplant. Zwischen 2028 und 2031 würden dann die Großbaustellen zur Reaktivierung beginnen – und damit offensichtlich weitere Kosten entstehen.
Fischer warnt vor einer steigenden Kreisumlage, die wegen der Stadtbahn weiter steigen könnte – und weiteren Ausgaben für Lärmschutz, Umweltprüfungen und die angeblich unbekannten Kosten für Züge. Insgesamt kommt Luis auf rund 20 Millionen Euro – viermal so viel wie die vom Zweckverband genannten 5 Millionen Euro.
Doch was kümmert das alles eigentlich einen Innenstadtverein? Die Reaktivierung und die aktuelle Trassenvariante von Ludwigsburg nach Pattonville entlang der Friedrichstraße betreffen die Gewerbetreibenden kaum. Dennoch warnt Fischer: Die Haushaltslage sei sowieso schon angespannt. Hohe Stadtbahn-Kosten könnten zu Einschnitten für die Bürger führen – etwa bei Kitas, Parkgebühren oder durch höhere Gewerbesteuern.
Auch andere Kritiker
Auch von anderer Seite kommt Kritik an mangelnder Transparenz bei den Kosten. So kritisiert die Bürgerinitiative aus Möglingen, dass die Kosten für die Infrastruktur noch überhaupt nicht klar seien. Außerdem warnt die Initiative davor, dass die Förderung wackele, sollte am Ende nur die Teilstrecke von Markgröningen zum Ludwigsburger Bahnhof umgesetzt werden. Auch Vertreter der Grünen räumen ein, dass sich die positive Kosten-Nutzen-Analyse bei geänderten Prämissen verändern würde.
Unklarheit über die Kosten herrscht auch nach wie vor bei einigen Gemeinderäten. „Es kursieren überall verschiedene Zahlen. Wie sollen wir da entscheiden können?“, klagt Stefanie Knecht von der FDP.
Anderer Blickwinkel
Der Zweckverband Stadtbahn verteidigt seine Berechnungen: Planung und Bau der Strecke sollen 141 bis 171 Millionen Euro kosten. Nach Abzug der Fördermittel blieben für Ludwigsburg 4,5 bis 5,5 Millionen Euro. Dass bereits Zahlungen erfolgen, liege daran, dass Mitglieder wie Ludwigsburg in der Planungsphase in Vorleistung gehen müssen. Weitere Gutachten und die Kosten für die Züge seien laut Zweckverband im Wirtschaftsplan und in den geplanten Betriebskosten berücksichtigt – und fallen unter die Förderung durch Land und Bund.
Auch die Stadtverwaltung äußert sich: Ja, Ludwigsburg habe rund 4,6 Millionen Euro an den Zweckverband gezahlt. Davon sollen laut Wirtschaftsplan 2026 des Zweckverbands rund 700.000 Euro zurückfließen. Zur Gesamtkostenfrage heißt es: „Die Stadt Ludwigsburg hat nie kommuniziert, nur rund 5 Millionen Euro zahlen zu müssen. Wir haben stets von höheren Summen gesprochen.“
Vertrauen verspielt?
Für den Innenstadtverein sind aktuell zu viele Fragen offen, um sich hinter das Projekt zu stellen. Wie wird die Stadtbahn am Ludwigsburger Bahnhof ankommen? Wie wird der Verkehr auf der Friedrichstraße fließen? Was passiert mit dem Busnetz? Fischer zeigt Verständnis dafür, dass bei einem Großprojekt nicht alle Details zu jedem Zeitpunkt geklärt sein können. Doch das Vertrauen sei bereits beschädigt: „Uns wurde beispielsweise jahrelang gesagt, eine Querung der B27 bei der Friedenskirche sei möglich – dann wurde zurückgerudert.“
Auch die positive Kosten-Nutzen-Analyse kann das verlorene Vertrauen nicht wiederherstellen. Ja, das Projekt sei volkswirtschaftlich sinnvoll und förderwürdig, sagt Fischer – doch auch Stuttgart 21 habe eine sehr gute Bewertung gehabt, sogar besser als die Stadtbahn Lucie.