Viele Kritiker fürchten hohe Betriebskosten, wenn die Stadtbahn endlich fährt. Nun steht fest: Eine Förderung des Betriebs wäre nur für einen Teilabschnitt der Strecke möglich.
Dass zwischen Markgröningen, Ludwigsburg und Remseck-Pattonville jemals die Stadtbahn „Lucie“ fahren wird, ist nach den Diskussionen der vergangenen Wochen immer schwerer vorstellbar. Ein Kritikpunkt, der dabei immer wieder vorgebracht wird, ist die unklare Höhe der Betriebskosten, sollte die Bahn tatsächlich irgendwann auf die Schienen gesetzt werden. Auf der Internet-Seite des Zweckverbands findet sich dazu keine klare Aussage, nur: „Für den späteren Betrieb der Bahnen winken zusätzlich Betriebskostenzuschüsse des Landes.“
Nach Anfrage dieser Zeitung beim Verkehrsministerium Baden-Württemberg herrscht jetzt zumindest in einem Punkt Klarheit: Wenn es Zuschüsse gibt, dann nur für die Reaktivierung der ehemaligen Bahnstrecke von Markgröningen nach Ludwigsburg, nicht jedoch für die Weiterführung durch Ludwigsburg bis nach Remseck-Pattonville. So lautet die klare Aussage von Benjamin Hechler, der im Verkehrsministerium für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Durch die Stadt und nach Remseck keine Zuschüsse
„Es ist eine der Säulen unserer Strategie für Reaktivierungen, dass es Zuschüsse für den späteren Betrieb auf einer reaktivierten Strecke geben kann. Ein möglicher Betriebskostenzuschuss bezieht sich jedoch nicht auf eine Weiterführung als innerstädtisches Stadtbahnprojekt.“
Und auf weitere Nachfrage, was Hechler genau mit innerstädtisch meint und was das für die geplante Weiterführung nach Remseck bedeutet, antwortet der Pressesprecher: „Die dabei entstehenden Betriebskosten werden nicht durch das Ministerium gefördert.“
Ob und in welcher Höhe es für die zu reaktivierende Strecke Betriebskostenzuschüsse gibt, steht laut Ministerium noch nicht fest. „Fragen zu Zuschüssen für ein noch nicht geplantes Projekt oder noch nicht beantragte Zuschüsse können wir nur unter Vorbehalt beantworten“, so Hechler. Und weiter: „Wir haben ein Budget für Betriebskostenzuschüsse bei allen dafür infrage kommenden Reaktivierungsprojekten für bis zu 100 Kilometer Streckenlänge eingeplant.
Wenn die entsprechenden Bedingungen – etwa Fahrgastzahlen oder ein volkswirtschaftlicher Nutzen – erfüllt sind, kommt auch eine Übernahme von Betriebskosten beim Reaktivierungsprojekt Markgröningen-Ludwigsburg infrage. Das ist aber natürlich abhängig vom weiteren Projektfortschritt.“
Dabei will und kann sich der Ministeriumssprecher aber weder auf eine verbindliche Förderzusage noch auf eine verbindliche prozentuale Höhe festlegen. „Die Bandbreite einer möglichen Förderung liegt zwischen null und 100 Prozent“, erklärt er. Was die Teilstrecke von Markgröningen nach Ludwigsburg betreffe, so sei diese „mit den prognostizierten Fahrgastzahlen sehr vielversprechend“, so Hechler.
Doch selbst bei einem optimalen Projekt heiße das nicht, dass die Betriebskosten komplett übernommen werden könnten. „Das hängt von verschiedenen Grundbedingungen ab“, sagt er, und das Ganze sei so komplex, dass er dazu nichts Verlässliches sagen könne.
Ob die Voraussetzungen für die Stadtbahn Lucie tatsächlich gegeben sind, wird von Kritikern bezweifelt. Besonders die prognostizierten Fahrgastzahlen stehen im Fokus der Kritik und wurden zuletzt von verschiedenen Seiten hinterfragt. Der Zweckverband rechnet allein für den Abschnitt Markgröningen–Ludwigsburg mit rund 10.000 Fahrgästen.
Die beiden Gemeinden Markgröningen und Möglingen zählen zusammen etwa 25.000 Einwohner. Teilt man die 10.000 prognostizierten Fahrten auf je 5.000 Hin- und Rückfahrten auf, so bemängeln Kritiker, dass dies bedeuten würde: Jeder fünfte Einwohner müsste die Stadtbahn regelmäßig nutzen, um diese Prognose zu erfüllen.