So könnte die Stadtbahn-Haltestelle zwischen Bahnhof-Westausgang und MHP Arena aussehen. Foto: Zweckverband Stadtbahn

Die neue Streckenführung durch die Ludwigsburger Weststadt sollte ein Befreiungsschlag für die Stadtbahn-Planungen werden. Nun herrscht aber große Skepsis – der Aufwand für die Stadt und Auswirkungen auf die Anwohner wären groß.

Stadtbahn-Chef Michael Ilk hat in dieser Woche in Ludwigsburg für die neue Trassenführung der Lucie geworben – und ist dabei auf Bedenken gestoßen. Vor allem die Gleise durch die Weststadt sind für Bürgermeister und einige Stadträte nur schwer vorstellbar. Die Planungen für das Megaprojekt stecken wieder in einer kritischen Phase – und ausgerechnet jetzt wird Oberbürgermeister Matthias Knecht nachdenklich, ob der Weg noch der Richtige ist.

 

Was sind die neuen Pläne?

Statt wie ursprünglich geplant über bestehende Gleise in den Ludwigsburger Bahnhof einzufahren, soll die Stadtbahn künftig in der Nähe der Rundsporthalle in die Weststadt einbiegen – und auf rund anderthalb Kilometern über öffentliche Straßen bis zum Westeingang des Bahnhofs rollen.

Grund für diese Kehrtwende: neue Informationen der Deutschen Bahn, die erst Ende 2024 bekannt geworden sind. Zum einen gibt es teure, technische Herausforderungen bei der Oberleitung. Zum anderen müsste die Stadtbahn auf einem abgelegenen Bahnsteig halten – nicht barrierefrei und schlecht zu Fuß erreichbar. Darüber hinaus sei mit langen Wartezeiten bei der Einfahrt in den Bahnhof zu rechnen. „Die Deutsche Bahn hat uns klar gemacht, dass wir die letzten in der Nahrungskette sind“, sagt Ilk.

Auch Richtung Westen wird neu gedacht: Statt sie durch die Leonberger Straße und über die Kreuzung mit der B 27 zu führen, soll die Stadtbahn künftig unter der Bundesstraße hindurch über die Friedrichstraße verlaufen.

Die alte und neue Planung in der Übersicht Foto: Manfred Zapletal

Was sagt die Stadtspitze?

Oberbürgermeister Matthias Knecht und Verkehrsbürgermeister Sebastian Mannl äußern Bedenken – vor allem wegen der Strecke durch die Weststadt. „Das sind enorme Veränderungen im Straßenraum“, sagt Mannl. „Mit vielen Betroffenen entlang der Strecke.“ Schon in anderen Stadtteilen sei es schwer gewesen, Zustimmung für die Stadtbahn zu gewinnen – jetzt erscheint die bisherige Arbeit teils unnütz und man müsse an eine ganz neue Nachbarschaft herantreten.

Dabei gehe es nicht nur um die Konflikte zwischen Straßenbahn und Autos, sagt Mannl. Sondern auch um Schallschutz, Erschütterungen, Strahlung und die Anfahrt zu Gewerbestandorten. „Wir stellen uns nicht dagegen, aber sehen einfach ein paar mehr rote Punkte als der Zweckverband.“

Auch für Matthias Knecht wirft der Vorschlag des Zweckverbandes viele neue Fragen auf – die neue Trasse würde erneut Überzeugungsarbeit und Zeit kosten. „Kommunalfinanzen, Zeitpunkt und Rückmeldungen zu den neuen Ideen machen mich nachdenklich, ob der eingeschlagene Weg unter den neuen Vorzeichen noch der richtige ist.“

Er stehe immer noch zur Grundsatzentscheidung zur Stadtbahn vom Juli 2022, doch dieser kritische Gedanke müsse erlaubt sein. 2025 werde ein Jahr der Entscheidung: Die Haushaltslage ist sehr angespannt, technische und verkehrliche Probleme müssten gelöst werden und die Kosten-Nutzen-Rechnung stehe aus.

Was sagen die Stadträte?

Auch bei einigen Stadträten kommt der neue Streckenverlauf nicht gut an. FDP und AfD wiederholten ihre Kritik am Projekt. Christine Knoß (Grüne) sprach von einer Enttäuschung, dass die Bahn nicht in den Bahnhof einfahren kann. Sie befürchtet regelmäßige Verkehrsprobleme in der Weststadt und eine Gefahr für Radfahrer: Die Situation auf dem Schulradweg auf der Martin-Luther-Straße werde sich sehr verschlechtern.

Warum ist Michael Ilk so optimistisch?

Auch wenn mit der Alternativtrasse neue Probleme, Kritik und viel Gesprächsbedarf entstehen, ist Michael Ilk von dieser Lösung überzeugt. Die neue Strecke verspricht laut Ilk pünktlichere Züge, Barrierefreiheit, Unabhängigkeit von der Deutschen Bahn und mehr Haltestellen – alles in allem eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung.

Der Zweckverband pflege mittlerweile einen engen Draht zu den wichtigen Behörden, auch um die Förderquoten von rund 95 Prozent von Bund und Land stehe es weiterhin gut. Ende des Jahres könne sein Team die Kosten-Nutzen-Rechnung einreichen – mit besten Aussichten auf ein positives Endergebnis. Schon 2031 sollen dann die ersten Bahnen von Markgröningen über die Weststadt bis zum Westausgang des Ludwigsburger Bahnhofs fahren.

Was bedeutet das alles für das Projekt?

Ja, die neue Trassenführung hat einige Vorteile und könnte sich langfristig als die beste Variante herausstellen – mit hoher Akzeptanz in der Bevölkerung. Aktuell bedeutet der neue Plan aber vor allem mehr Aufwand.

Anstatt, dass die Stadtbahnplanung in einen sichtbaren Fortschritt macht, muss wieder ein Plan verworfen und müssen die Politik und Bürger von einem anderen Plan überzeugt werden. Das sorgt offensichtlich für Frust.

Michael Ilk hofft, dass sich die Lokalpolitik bis zur Sommerpause hinter die alternative Trassenführung stellt und einen Beschluss fällt. Ob das realistisch ist, ist äußerst fragwürdig. Die Stadtbahn steht damit wieder an einem Wendepunkt – wie es weitergeht, ist völlig offen.