Stadtbahn-Chaos in Stuttgart Drei Züge steckten stundenlang im Tunnel fest

Von Wolf-Dieter Obst 

Wegen eines technischen Defekts ist am Dienstagmittag eine Stadtbahn im Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Stadtbibliothek stecken geblieben. Drei Bahnen steckten in der Röhre, die Fahrgäste mussten von der Feuerwehr gerettet werden.

Stuttgart - Und dann ging nichts mehr: Eine Stadtbahn der Linie U 6 ist am Dienstag gegen 11.50 Uhr im Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Stadtbibliothek wegen eines Fahrleitungsschadens liegen geblieben. Insgesamt drei Züge steckten in der Röhre fest, etwa 100 Fahrgäste mussten von der Feuerwehr ans Tageslicht geholt werden. Allerdings, so klagte ein Feuerwehr-Einsatzleiter, hatten sich weitere Betroffene auf eigene Faust auf den Weg aus dem Tunnel ­gemacht. Der Stadtbahnverkehr, insbesondere auf fünf Linien, kam durch den Zwischenfall völlig aus dem Takt.

Schon wieder in einem Tunnel. Erst Anfang April war eine Stadtbahn auf der Fahrt von der Innenstadt Richtung Degerloch im Tunnel zwischen den Haltestellen Bopser und Weinsteige entgleist. Weil dabei eine ­defekte Weiche im Spiel war und die Reparaturarbeiten sich als aufwendig erwiesen, musste der Schienenverkehr gar für 24 Stunden auf dieser Strecke eingestellt werden.

Zunächst ist von Fahrleitungsschaden die Rede

Über die Ursache der Havarie der U 6 nach Gerlingen gibt es zunächst keine Erkenntnisse. Zeugen berichteten von einem Funken und Rauch. Die Bahn der Linie U 6 blieb defekt stehen, zwei andere waren ohne Strom. „Es kam zu keinem Brand“, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Jürgen Rembold, „vor allem der Rauch wäre wirklich gefährlich gewesen.“ So aber musste die Feuerwehr nur die Fahrgäste nach draußen bringen. „Wir haben 50 Leute aus der ersten Röhre geholt“, heißt es in der Feuerwehr-Leitstelle, „mindestens noch mal so viele waren es am anderen ­Ende.“ Bis die Strecke stromlos ­geschaltet und gesichert war, verging aber einige Zeit. Manchen Fahrgästen dauerte das zu lange – sie machten sich ohne Eskorte auf den Weg. Verletzte gab es keine.

Fahrgäste harren selten lange im Tunnel aus

Dass Fahrgäste die Rettungsmaßnahmen nicht abwarten, ist ein gängiges Phänomen bei Zugunfällen im Tunnel. Auch bei einer ­S-Bahn-Havarie in der Röhre zwischen Schwabstraße und Vaihingen-Universität im August 2016 waren Fahrgäste auf eigene Faust losgezogen. Laut Feuerwehr-Einsatzleiter Rembold bestand für die Personen zum Glück keine Gefahr, weil die Gleise ­bereits gesperrt waren. Jedoch: „Es ist schon skurril, die Leute haben sich einfach auf den Weg gemacht.“

Fahrgäste müssen findig sein

Laut Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen zwischen den Haltestellen Eckartshaldenweg und Hauptbahnhof eingerichtet. Empfohlen wurde außerdem, zwischen Hauptbahnhof und Feuerbach/Nordbahnhof auch auf die S-Bahn auszuweichen. „Vom Süden her fuhren die Linien U 6 und U 7 bis Hauptbahnhof und wendeten dort“, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper. Um 15.36 Uhr war die Tunnelstrecke wieder frei. Der Bahnverkehr normalisierte sich aber erst später.

Nach dem Stadtbahn-Chaos vom Mittag kam die SSB auch am Abend nicht zur Ruhe – dieses Mal auf der Strecke zwischen Pragsattel und Charlottenplatz. Wegen einer technischen Störung wurde die Strecke der Stadtbahnlinien U 12, U 15, U 5, U 6 und U 7 zwischen diesen beiden Haltestellen unterbrochen. Eine technische Störung soll die Stromabnehmer mehrerer Stadtbahnen beschädigt haben, sodass der Verkehr zwischen den Haltestellen Pragsattel und Charlottenplatz vollkommen zum Erliegen kam. Abermals wurde ein Stadtbahn-Ersatzverkehr eingerichtet. Die Störung war laut SSB um 20 Uhr behoben.

Lesen Sie jetzt