„Faszination Computer – Besucherinnen und Besucher bestaunen beim Tag der Offenen Tür im Rahmen des Altstadtfests 1984 die damals moderne Büroausstattung im Neuen Rathaus. Foto: Stadtarchiv Böblingen

Das Böblinger Stadtarchiv sucht alte Dias zum Digitalisieren. Bürger können mit ihren Aufnahmen so das kollektive Gedächtnis stärken.

Was tun, mit alten Dias vergangener Jahrzehnte, die zwar geliebt, aber ungenutzt daheim rumliegen? Das Stadtarchiv Böblingen bietet eine Lösung, die gleich mehrfach Nutzen bringt: Die Dias können dem Stadtarchiv übergeben werden. Auf diese Weise wird die Überlieferung der Stadtgeschichte gestaltet und gleichzeitig Abfall vermieden. Das Stadtarchiv Böblingen bewahrt eine umfangreiche Dia-Sammlung, die das Leben in der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentiert, der Blütezeit der Dia-Fotografie. Alle an der Stadtgeschichte Interessierten können das Bildmaterial nutzen (Kontakt: stadtarchiv@boeblingen.de).

 

Analoges Massenmedium vergangener Jahrzehnte

Während sich fast jeder unter papierenen Fotoabzügen etwas vorstellen kann, ist dies in Zeiten von Social Media vor allem unter der jüngeren Generation bei Dias nicht vorauszusetzen. Die meisten Dias sind sogenannte Kleinbild-Dias mit einem Bildformat von 24 x 36 Millimeter, die in einem festen Rahmen aus Plastik stecken. Aufbewahrt werden sie zuhause oftmals in kleinen Schubern, um den brummenden Projektor bei einer Diashow mittels einer Trägerkassette mit fortlaufendem Bildmaterial und seinem markanten Klicken beim Bildwechsel zu versorgen.

Das sogenannte Ektachrome-Verfahren wurde seit den 1940er Jahren zum Standard, um die negativ aufgenommenen Umkehrfilme zu positiven Aufnahmen in natürlichen Farben zu verwandeln. Die Hochphase der Dias begann, zigtausende Urlaubsaufnahmen bannten auch die Böblingerinnen und Böblinger auf Dia, schwelgten in den auf die Leinwand projizierten Urlaubserinnerungen. Doch nach einem halben Jahrhundert kam der große Zusammenbruch. Mit dem Millennium löste die seit den 90ern aufkommende Digitalfotografie die analoge Fotografie als Massenmedium ab.

Breakdancer auf der Bühne am Marktplatz zum „Altstadtfest Böblinger Jahrmarkt“ vom 1. bis 3. Juni 1984. Foto: Stadtarchiv Böblingen

Im Stadtarchiv Böblingen sind aktuell über 10 000 Dias aufbewahrt. Diese werden dort Stück für Stück in der archivischen Datenbank erfasst: sie bekommen eine Signatur und eine Bildbeschreibung. Damit die Böblingerinnen und Böblinger die Dias in ihrem Stadtarchiv auch künftig bei gewahrter Qualität nutzen können, digitalisiert das Team im Stadtarchiv seit vergangenem Jahr die Diasammlung. Die Originale bleiben geschützt – die Digitalisate sind flexibel für alle an der Stadtgeschichte Interessierten am heimischen digitalen Endgerät zu nutzen.

10 000 Dias im Stadtarchiv klingt viel, ist aber mit Blick auf die gut 50 Jahre Diafotografie für eine Große Kreisstadt sehr wenig. Daher bittet das Stadtarchiv um Unterstützung: Gesucht werden Dia-Sammlungen, die das Leben in Böblingen dokumentieren – vom Stadtteilfest über den Weihnachtsmarkt, Sportveranstaltungen, Schulbasare, Kirchenkaffees bis hin zu Stadtbummel-Aufnahmen.

Im Stadtarchiv werden die Bildrechte geachtet. Die Bildrechtsfrage steht einer Abgabe laut dem Archiv nicht entgegen. Beispiel: Aktuell würden im Stadtarchiv Dias der Stadtfeste aus den 1980er Jahren erfasst – und dabei das geltende Recht umgesetzt. Machen wir heute ein Bild, sind zwei Rechtsbereiche zu klären: Sowohl die Fotografin oder der Fotograf hat ihr Urheberrecht als auch die abgebildeten Personen haben ihr Recht am eigenen Bild. Wenn beide einverstanden sind, kann das Bild genutzt werden.

Von Bildrechten und Breakdance

Früher hatten diese Rechte einen geringeren Stellenwert als heute. Vom Stadtfest 1984 liegen im Stadtarchiv sowohl Schnappschüsse der Jugendlichen auf den Mauern am Marktplatz vor als auch gezielte Aufnahmen der Stadtkapelle auf der Bühne. Waren die Menschen einverstanden damit, bei ihren Folkloretanz-Darbietungen, bei der Breakdance-Show oder mittelalterlich kostümiert fotografiert zu werden? Das darf nicht per se angenommen werden. Daher können im Stadtarchiv zum Beispiel jene Aufnahmen mit sogenannten Schutzfristen belegt werden, wo ansonsten ein Persönlichkeitsrecht verletzt würde, erklärt das Stadtarchiv.

Kontakt zum Stadtarchiv per Telefon unter 0 70 31 / 669 19 88 oder per E-Mail an stadtarchiv@boeblingen.de.