Wann die erhoffte komplette Aufwertung der Fellbacher Innenstadt kommt, ist angesichts der Ebbe in der Stadtkasse momentan noch völlig offen.
Es wurde zwar schon öfter als „Jahrhundertprojekt“ tituliert, doch stundenlangen Gesprächsbedarf löst das Mammutvorhaben nicht jedes Mal aus, wenn es auf die Tagesordnung kommt. Die Fellbacher Baubürgermeisterin begnügte sich denn auch, wie sie gleich zu Anfang der jüngsten Gemeinderatssitzung ankündigte, mit einem „kurzen Statement“.
Tatsächlich wurde die sogenannte Neue Mitte Fellbach schon in vielen Debattenrunden durchgekaut. Die entscheidende Weichenstellung gab es ohnehin bereits im Mai dieses Jahres, nämlich in Form einer neuen Weiche, die Fellbach zu finanzieren hat, damit die künftige Endhaltestelle um circa 100 Meter weiter westlich auf Höhe des Alten Friedhofes gebaut werden kann.
„Sonst fährt der Zug ohne uns in die Zukunft“
„Trotz angespannter Finanzsituation geht es nicht anders“, erläuterte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull seinerzeit mit Blick auf die Absprachen mit der Stuttgarter Straßenbahnen AG. Ansonsten „fährt der Zug ohne uns in die Zukunft“, so Zull.
Der Grund für den Umbau etlicher Haltestellen ist die Umstellung der SSB auf fast doppelt so lange 80-Meter-Züge. Die zwingend erforderliche Verlängerung der Bahnsteige ist am derzeitigen Standort Lutherkirche nicht möglich. Vor allem Fußgänger müssten dann zwischen den Haupteinkaufsbereichen Cannstatter Straße und Bahnhofstraße sowie Rathaus-Carrée erhebliche Umwege zurücklegen.
Was wird aus dem prächtigen Fellbacher Schaugarten?
Das etwa 6820 Quadratmeter große Plangebiet umfasst den heutigen, von Bäumen gesäumten Kirchplatz samt dem angelegten Schaugarten in der Mitte. Dazu kommen die westlich angrenzende Zufahrt zur Rathaustiefgarage sowie verschiedene Verkehrsflächen. Neben Fuß- und Radwegen verläuft hier auch das Gleisbett der Stadtbahnlinie.
Zunächst soll in einigen Jahren die neue Endhaltestelle fertig sein. Anschließend auf der Agenda steht der neue Mobilitätshub auf dem Kirchplatz, der die Stadtbahn mit weiteren Mobilitätsangeboten verknüpfen soll. Noch in weiterer Ferne liegt die städtebauliche Aufwertung der Innenstadt, womöglich auch mit Neubauten nahe der derzeitigen Endhaltestelle.
Denn derzeit ist völlig fraglich, wann und ob derart teure Vorhaben überhaupt in den nächsten Jahren finanziert werden können. Schließlich liegen auch weitere eigentlich längst beschlossene Fellbacher Großprojekte wie die neue Feuerwache oder eine neue Sporthalle längst auf Eis.
„Das ist die spannende Frage“, erklärte CDU-Fraktionschef Franz Plappert in der anschließenden Diskussion: „Ob alles so umgesetzt werden kann, wie wir es uns vorstellen?“ Für die Freien Wähler/Freien Demokraten ergänzte Ralf Holzwarth: „Wir schaffen die Grundlagen, damit sich die Stadtmitte vernünftig weiterentwickeln kann.“ Allerdings: „Wir legen heute nur die Leitplanken fest.“
Als „ein zentrales städtebauliches Vorhaben in unserer Innenstadt“ bezeichnete Sonita Halmer (Grüne) die Neue Mitte: „Es verknüpft die Stadtbahn mit weiteren Mobilitätsangeboten und schafft zugleich die Grundlage für eine Aufwertung der Stadtmitte rund um Rathaus, Lutherkirche, Alten Friedhof und Schwabenlandhalle.“
Deutlich weitere Wege von der Stadtbahn zum Linienbus
Leise Kritik übte Ruth Lemaier (SPD), dass durch die vorgezogene Endhaltestelle die Wege von der Stadtbahn zu den Linienbussen länger wären als bisher. Das hatten in den vergangenen Monaten immer wieder auch Bürgerinnen und Bürger moniert. So bemängelte der Stadtseniorenrat, dass damit insbesondere „Zufußgehenden und Rollstuhlfahrenden längere Strecken zugemutet“ würden.
Am Ende bekannten sich alle Rätinnen und Räte zur Fellbacher Zukunftsfähigkeit, ohne Gegenstimme wurde der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan zur Neuen Mitte verabschiedet.