Foto: dpa

Auf der Feuerbacher Heide lassen Hundebesitzer ihre Vierbeiner seit Jahren illegal von der Leine. Jetzt verschärft die Stadtverwaltung ihren Kurs.

Stuttgart - Auf der Feuerbacher Heide lassen Hundebesitzer ihre Vierbeiner seit Jahren illegal von der Leine. Nachdem ein kleines Kind von einem Hund angesprungen worden war, hat die Verwaltung den Leinenzwang verfügt und bietet den Tierhaltern eine offizielle Hundewiese an - doch die sind damit nicht zufrieden.

Getroffene Hunde bellen, sagt ein Sprichwort. Doch auch manch ein Hundebesitzer kann kaum an sich halten, wenn es um seinen Liebling geht. Eine halbe Hundertschaft von Hundehaltern ließ am Montagabend im Stuttgarter Rathaus lautstark ihrem Ärger über den Leinenzwang auf der stark von Vierbeinern frequentierten Feuerbacher Heide freien Lauf.

"Wir sind mündige Bürger, die selbst wissen, was sie tun müssen", hieß noch einer der harmloseren Einwürfe während der Sitzung des Bezirksbeirats Nord. Das Gremium sollte eigentlich Lösungen beschließen im Leinenstreit, der derzeit auf den weitläufigen Wiesen am Killesberg zwischen Stadt und Hundefreunden tobt. Doch dazu kam es nicht.

Ausgelöst hatte den Zwist ein unerfreulicher Vorfall. Im Sommer war auf der Spielwiese am Bismarckturm ein kleines Mädchen von einem freilaufenden Hund angesprungen worden. Die Mutter hatte sich danach an die Bezirksvorsteherin Andrea Krueger (CDU) gewandt. Der Bezirksbeirat bestätigte daraufhin mehrheitlich den Leinenzwang, der auf der Polizeiverordnung des Landes fußt. Sie zwingt Vierbeiner in öffentlichen Anlagen an die kurze Leine.

Im August wurden die Schilder aufgestellt, um auf den Leinenzwang hinzuweisen. Die waren schon bald beklebt und zerkratzt. Feldschutz und Polizei gehen verstärkt auf Hundeleinen-Streife.

Doch mit jedem Knöllchen stieg der Widerstand. Die Verwaltung entschloss sich schließlich zum Handeln, um den Streit zu entschärfen. Ihr Lösungsvorschlag: eine Hundewiese auf der Heide, auf der Vierbeiner nach Herzenslust rumtoben können. "Mit derartigen Freilaufrevieren haben wir im Tapachtal bei Zuffenhausen und auf den Cannstatter Neckarwiesen gute Erfahrungen gesammelt", sagte Gartenamtschef Werner Koch.

Leinenstreit schwelt weiter

Ursprüngliche Pläne, den über ein Hektar großen Hundeauslauf am Killesberg mit einem Wildzaun abzugrenzen, verfolge man inzwischen nicht mehr. Stattdessen sollen Schilder mit Verhaltensregeln und Tütenspender für die Hinterlassenschaften das Areal unweit des Feuerbacher Wegs deutlich abgrenzen. Im Gespräch mit Anwohnervertretern habe er zustimmende Signale zur Hundewiese vernommen, sagte Werner Koch.

Doch darin täuschte sich der Gartenamtschef. Der Textentwurf zu den Verhaltensregeln wurde vom Publikum mit höhnischem Gelächter quittiert. "Wir erdulden Fahrradfahrer, Lenkdrachenflieger und Schlittenfahrer", sagte ein Redner unter Beifall.

"Nach einer Bebauungsplanänderung im Jahr 1995 ist die gesamte Feuerbacher Heide nicht nur Landschaftsschutzgebiet, sondern auch eine öffentliche Grünanlage", sagt Vorsteherin Krueger. Doch der Schutzstatus war selbst in Amtsstuben offenbar kaum bekannt. Freilaufende Hunde wurden bis zum Vorfall im Sommer auf der Feuerbacher Heide auch vom Feldschutz geduldet. "Jahrelang durften wir unsere Hunde offenbar illegal von der Leine lassen", pochte ein Hundebesitzer auf ein Gewohnheitsrecht.

Im Bezirksbeirat stieß das Anliegen der Hundehalter größtenteils auf Verständnis. Lediglich Anne Kedziora von den Freien Wählern wagte den Hinweis, auch an die Belange von Kindern und Eltern zu denken.

Die geplante Hundewiese zu beschließen, dazu konnte sich das Gremium letztlich nicht durchringen. Stattdessen beauftragte es die Verwaltung einstimmig, im neuen Jahr weitere Lösungsansätze zu prüfen. Die könnten eine zeitliche Begrenzung des Freilaufs sein oder ein ausschließliches Hundeverbot nur auf der Spielwiese am Bismarckturm. Bis dahin dürfte der Leinenstreit auf der Heide weiterschwelen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: