Die Kritik am Terminstau im Esslinger Bürgeramt ist nicht neu – nach Einschätzung vieler Bürgerinnen und Bürger sollte sich noch manches verbessern. Die CDU-Ratsfraktion hat Änderungen bei der Terminvergabe gefordert. Die Stadt verspricht weitere Korrekturen.
Ob man einen anderen Wohnsitz melden, einen Ausweis beantragen, ein Dokument beglaubigt haben oder Gelbe Säcke abholen möchte – zum Esslinger Bürgeramt führen viele Wege. Manchmal drängt die Zeit, wenn Fristen einzuhalten sind. Viele beklagen jedoch, dass es gar nicht so einfach sei, einen Termin zu bekommen – ein Problem, das schon lange für Unmut sorgt. Die CDU-Ratsfraktion hat unlängst Nachbesserungen bei der Terminvergabe im Bürgeramt gefordert. Die Stadtverwaltung hat daraufhin erläutert, wie sie die Situation verbessern will. Für die Christdemokraten sind die Probleme damit noch nicht vom Tisch.
Anfang Februar hatte die CDU einen Bericht zur aktuellen Lage im Bürgeramt gefordert. „Diverse Rückmeldungen zeigen, dass die aktuelle Terminbuchungspraxis unbefriedigend und nicht zeitgemäß ist“, hatte Fraktionschef Tim Hauser moniert und klargemacht: „Es darf nicht sein, dass Bürger sich um 7.30 Uhr einloggen müssen, weil später keine neuen Termine mehr freigegeben werden. Dies führt nicht nur zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung, sondern auch zu einer zusätzlichen Belastung der Mitarbeiter, da Beschwerden direkt an sie herangetragen werden.“ Deshalb hatte die CDU einen Bericht über Nutzungszahlen und Feedback zur digitalen Buchungsplattform verlangt. Außerdem sollte die Verwaltung mitteilen, ob andere Systeme Verbesserungen bringen könnten.
2024 war ein Rekordjahr
Die Stadtverwaltung hat daraufhin erläutert, wie sie sich Verbesserungen im Bürgeramt vorstellt. 2024 sei mit 62 000 Besucherinnen und Besuchern ein Rekordjahr gewesen, auch zum Jahresanfang 2025 habe es überdurchschnittlich viele Anfragen gegeben. Die Folgen seien eine „permanent hohe Belastung der Mitarbeitenden“, aber auch Rückmeldungen gewesen, dass es oft nicht einfach sei, zeitnah einen Termin zu bekommen. „Bereits im vergangenen Jahr wurden deshalb die Weichen dafür gestellt, dass sich die Situation in dieser für viele Esslingerinnen und Esslinger so wichtigen Anlaufstelle verbessert“, ließ die Verwaltung wissen.
So seien bereits im Herbst vier weitere Stellen für das Bürgeramt bewilligt und mittlerweile besetzt worden. Damit solle sich die Situation in den nächsten Monaten spürbar verbessern. Dank des zusätzlichen Personals könnten mehr Schalter besetzt und mehr Termine angeboten werden. Außerdem wolle man durch organisatorische Maßnahmen zusätzliche Termine anbieten und die Terminbuchung flexibler gestalten: Bislang wurden freie Termine für die Folgewoche täglich um 7.30 Uhr veröffentlicht Nun werden jeden Tag um 12 Uhr noch einmal Termine für die Folgewoche freigeschaltet.
Ausweis läuft aus – Post aus dem Esslinger Rathaus
Im September hat das Bürgeramt einen neuen Service eingerichtet: Rund drei Monate vor Ablauf ihres Ausweises erhalten die Esslingerinnen und Esslinger ein Schreiben, das sie an die anstehende Verlängerung ihres Dokumentes erinnert. Darin findet sich ein QR-Code/Link, über den nach Angaben der Stadt ein Termin vereinbart werden kann. Damit entfalle für solche Anliegen der Blick ins Terminvereinbarungssystem. So will die Stadt eine längerfristige Planung ermöglichen und die Terminsituation entzerren. Es sei genug Vorlaufzeit eingeplant, damit der neue Ausweis rechtzeitig fertig wird.
Räumlich soll sich das Bürgeramt in diesem Jahr ebenfalls neu aufstellen. Arbeitsplätze sollen besser ausgestattet und flexibler nutzbar werden, versichert die Verwaltung. Geplant ist eine klare Gliederung in öffentliche Flächen wie Wartebereiche, halb-öffentliche Flächen wie die Schalter sowie nicht-öffentliche Flächen wie das Back-Office. Davon verspricht sich die Stadt eine bessere Kundensteuerung, eine Optimierung von Abläufen sowie eine klare Wegeführung. Für die Bauarbeiten wird das Bürgeramt ab Juni für etwa sechs Monate in die Schickhardthalle im Alten Rathaus umziehen.
Stadt Esslingen soll weiter nachbessern
Die CDU-Fraktion begrüßt die Pläne für einen besseren Bürgerservice. „Es ist erfreulich, dass die Stadt die bestehenden Probleme teilweise erkannt hat und zügig auf unseren Antrag reagiert“, erklärt Fraktionschef Tim Hauser. „Die bisherige Praxis, täglich nur um 7.30 Uhr neue Termine freizugeben, ist definitiv nicht sinnvoll, da Bürgerinnen und Bürger gezwungen sind, genau zu diesem Zeitpunkt online zu sein, um einen Termin zu ergattern.“ Dass nun zusätzlich um 12 Uhr weitere Termine freigeschaltet werden, sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir sind jedoch der Ansicht, dass auch dies nicht ausreicht“, betont Hauser. „Im Zeitalter der Digitalisierung sollte es viel häufiger möglich sein, freie Termine zu buchen. Wir gehen davon aus, dass die Stadt in den nächsten Monaten nachbessern wird.“
Das Bürgeramt im Kurzporträt
Das Amt
Das Bürgeramt der Stadt Esslingen hat seinen Sitz in der Beblingerstraße 1. 2024 wurden 62 000 Besucherinnen und Besuchern gezählt – durchschnittlich waren das 255 Personen pro Tag. Rechnerisch haben damit mehr als zwei Drittel der Esslinger Einwohner das Bürgeramt genutzt. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag jeweils von 7.30 bis 12 Uhr sowie dienstags und donnerstags außerdem von 13.30 bis 18 Uhr. „Für einen Besuch im Bürgeramt benötigen Sie einen Termin“, heißt es bei der Stadt.
Die Aufgaben
Das Esslinger Bürgeramt bietet eine Vielzahl von Dienstleistungen an. Dazu gehören die amtliche Beglaubigung von Unterschriften und Dokumenten, Auskunftssperren, ein Auskunftsservice für Ausweise, Bewohnerparkausweise, die eID-Karte, Fischereischeine, Führerscheinanträge, Führungszeugnisse, Fundsachen, Lebensbescheinigungen, Meldebescheinigung, Melderegisterauskünfte, Personalausweise, Reisepässe, Steuer-ID-Bescheinigungen, vorläufige Ausweise, vorläufige Pässe sowie An-, Ab- und Ummeldungen des Wohnsitzes. Außerdem erhält man Anträge auf Elterngeld, eine Hundeanmeldung, Gelbe Säcke, Informationsbroschüren und vieles mehr.