Umbau vertagt: Wo die Danziger Straße in die Aldinger Straße mündet, bleibt vorerst alles wie es ist. Foto: factum/Bach

Im Februar sind dafür Bäume gefällt worden, im Sommer sollte die Kreuzung Aldinger Straße und Danziger Straße zum Kreisverkehr werden. Daraus wird nun nichts: Die Baufirmen verlangen horrende Summen.

Ludwigsburg - Was den kritischen Anwohnern auch durch jahrelanges Protestieren nicht gelungen ist, hat nun die gute Konjunktur in der Baubranche geschafft: Der umstrittene Kreisel an der Kreuzung von Aldinger Straße und Danziger Straße in Ludwigsburg wird nicht gebaut – zumindest vorerst nicht. Im Sommer sollte der Umbau beginnen, doch die Verwaltung hat die Ausschreibung aufgehoben. Alle Angebote lagen weit über der Summe, die die Stadt veranschlagt hatte.

Erst im Februar waren als Vorbereitung einige Bäume am Salonwald gefällt worden, weil sie dem geplanten Kreisverkehr im Weg standen. Auch das missbilligten viele Bürger. Denn sie wollten, dass die Kreuzung nicht komplett umgebaut wird, sondern der Verkehr dort nur durch eine zusätzliche Haltelinie und eine Radarblitzanlage sicherer gemacht wird. Außerdem sollte dem Straßenbau kein einziger Baum zum Opfer fallen.

Doch die Verkehrsexperten der Polizei und der Verwaltung hielten dagegen: Die Kreuzung sei ein Unfallschwerpunkt, die Risiken könnten allein mit einer zusätzlichen Ampel oder einem Kreisverkehr verringert werden. Im Laufe der Diskussion im Bauausschuss des Gemeinderats kristallisierte sich schon vor zwei Jahren heraus, dass eine Mehrheit die Kreisellösung favorisiert. Was am Ende gegen eine Ampel sprach: Auch in diesem Fall hätte die Straßenführung geändert werden müssen.

Die Verkehrsführung auf der Aldinger Straße ist an der Stelle, die an den Salonwald angrenzt, unübersichtlich – vor allem, weil die Einfahrten von der Königin-Allee und der Danziger Straße versetzt sind. Untersuchungen über längere Zeiträume hinweg hätten gezeigt, dass es dort häufig zu Unfällen und fast täglich zu Beinahezusammenstößen komme, hat der Baubürgermeister Michael Ilk im Frühjahr 2015 erklärt. Die Stadt müsse hier tätig werden. Der Knoten sei ein Unfallschwerpunkt.

Von 500 000 Euro auf 1,5 Millionen

Der Umbau zu einem Kreisverkehr komme zu teuer, und mit ihm müssten auch viele Bäume am Salonwald fallen, haben die Kritiker damals eingewandt. Sie schlugen darum vor, den Bereich zur Tempo-30-Zone zu erklären, eine Haltelinie zu versetzen und eine Radaranlage anzubringen. Das sei rechtlich nicht zulässig, teilte das Stadtplanungsamt daraufhin mit: „Ein Rotblitzer bei einer Bedarfsampel ist rechtlich nicht zulässig“, sagte der Stadtplaner Martin Kurt. Auch für eine Versetzung der Haltelinie fehlten die Voraussetzungen.

Schließlich wurde voriges Jahr der Kreiselbau beschlossen. Die Kosten dafür wurden zu dem Zeitpunkt auf etwa eine Million Euro geschätzt – Mitte 2015 war man noch von 500 000 Euro ausgegangen. „Nun haben wir Angebote bekommen, bei denen das günstigste unsere Schätzung um etwa 50 Prozent überschritten hat“, sagt jetzt Baubürgermeister Ilk. „Darum haben wir die Ausschreibung aufgehoben.“ In der Hoffnung auf bessere Zeiten. „Vielleicht gibt es ja im Herbst bessere Angebote“, sagt Ilk, „wenn die Baufirmen ihre vollen Auftragsbücher abgearbeitet haben.“

Die Stadt stehe nicht unter Zeitdruck, es gebe noch etwas Spielraum. Da die Kreuzung als Unfallschwerpunkt eingestuft sei, müsse der Kreisel zwar gebaut werden – aber vielleicht doch nicht um jeden Preis. Ende dieses Sommers will das Ludwigsburger Baudezernat einen zweiten Anlauf wagen und den Umbau der Kreuzung erneut ausschreiben.

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