Die „Polster-Bendel-Kreuzung“ in Leonberg: Sie gilt als neuralgischer Punkt im Leonberger Verkehr. Foto: Simon Granville

Ein Haus an einem neuralgischen Verkehrsknotenpunkt in Leonberg wechselt den Besitzer: Die Stadt sichert sich das Grundstück an der Bahnhofstraße, um langfristig die Verkehrsführung anpassen zu können.

Leonbergs Oberbürgermeister Martin Georg Cohn brachte es auf den Punkt: „So eine Gelegenheit bekommt man bloß einmal.“ Er bezog sich auf das Gebäude Rutesheimer Straße 1, das an einem der neuralgischen Punkte im städtischen Straßennetz liegt – und für das die Stadt nun von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. 600 000 Euro wären fällig, würde die Kommune bei dem 552 Quadratmeter großen Grundstück zuschlagen, auf dem ein Wohn- und Geschäftshaus aus den 1950er-Jahren steht.

 

Das Gebäude dürfte in Leonberg zu den bekannteren zählen

Das Haus kennt so gut wie jeder Leonberger. Vor vielen Jahren war es Sitz des Geschäfts Polster Bendel. Dort einst im Angebot: Vieles, von hochwertigen Lederwaren über Babyartikel bis zur Erstausstattung für Schulanfänger. Auch Polstermöbel und Teppichböden sowie Matratzen und Gardinen gab es dort. Später wurde daraus ein klassischer Anbieter für Möbel und Inneneinrichtung. Derzeit ist der Diakonie-Kontakt-Laden dort beheimatet, in dem gebrauchte Waren und auch Kleidung verkauft werden.

Wie der FDP-Fraktionsvorsitzende Horst Nebenführ im Finanz- und Verwaltungsausschuss bekannt gab, habe sich auch ein externer Käufer gefunden, der das Areal gerne für Wohnbebauung nutzen würde. „Warum sollte es die Stadt kaufen und auf Wohnbebauung verzichten?“, fragte er in die Runde. Die Rede war von 23 Wohneinheiten.

Im Fokus der Verwaltung steht in diesem Bereich allerdings zunächst die Verkehrssituation. „Und die ist dort einmalig, leider“, so Cohn. Die Rutesheimer Straße trifft in spitzem Winkel auf die Bahnhofstraße, die eine der Hauptrouten für den Busverkehr ist. Aus diesem Grund erhoffe man sich Verständnis vom potenziellen Käufer, so Cohn.

SPD-Fraktionschef Ottmar Pfitzenmaier sprach sich ebenfalls für den Kauf aus, ebenso sein Pendant bei den Freien Wählern Axel Röckle. Dieser merkte hingegen an, dass ein Kreisverkehr an der betreffenden Stelle schon vor Jahren als nicht machbar verworfen worden war. „Der Kauf ist aber trotzdem wirklich interessant. Wir müssen ja zum Beispiel auch das Archiv irgendwo unterbringen.“ Und Wohnbebauung sei ja dennoch nicht ausgeschlossen.

Grundstück innerhalb von Umbaugebiet

Interessant auch ein weiterer Punkt: Das Grundstück liegt innerhalb des Stadtumbaugebiets „Zwischenstadt“ sowie im Geltungsbereich einer sogenannten „Satzung für Durchführungsmaßnahmen“. Was dieses Wortungetüm zu bedeuten hat, erklärt eine Sitzungsvorlage: „Eine Zielsetzung des Stadtumbaus ist die Schaffung und die Gestaltung öffentlicher Räume und die Neuordnung der Verkehrs- und Wegeverbindungen.“ Konkret bedeutet das, das an jenem Kreuzungsbereich über kurz oder lang die Verkehrsführung geändert werden soll.

Am Ende war das Votum deutlich: Einzig Horst Nebenführ stimmte gegen die Nutzung des Vorkaufsrechts beim Grundstück. Auch der Gemeinderat sagte in dieser Woche ja. Wie die Stadt die Verkehrsführung anpassen möchte, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.