Wasserspielplätze wie hier am Milaneo gibt es zu wenige. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Fritz Kuhn legt einen Statusbericht vor und plädiert für eine bessere Stellenausstattung in maßgeblichen Ämtern. Sein Ziel ist eine familienfreundliche Kommune und ein entsprechendes Siegel von Unicef.

Stuttgart - Ein Jahr ist vergangen, seit Oberbürgermeister Fritz Kuhn die Konzeption „Kinderfreundliches Stuttgart 2015 bis 2020“ vorgelegt hat. Nun berichtet er über den Stand der Dinge.

Über 50 Seiten lang ist dieser Statusbericht, gespickt mit zahlreichen Beispielen aus neun Handlungsfeldern. In die Entscheidung, welche Themen dringend erschienen, floss das Votum von Kindern ein. Unter anderem bemängelten sie, sich nicht überall sicher zu fühlen wie zum Beispiel auf Spielplätzen, die verunstaltet oder mit Gewalt verwüstet wurden. Schulklassen und Kitagruppen hätten gern mehr fachlich begleitete Ausflüge in den Wald unternommen, doch das Angebot hielt nicht Schritt mit der Nachfrage. Sport und Bewegung kommen an Ganztagsschulen noch zu kurz, im Stadtgebiet sind Kindern in vielen Bezirken noch viel zu enge Grenzen für Spiel und Bewegung gesetzt.

Die Ressourcen fehlen

Inzwischen haben die ersten Stadtteilrundgänge mit Kindern stattgefunden, sie machen Gestaltungsvorschläge, und Plätze werden entsprechend umgestaltet. Somit ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen schon verbessert worden. Allerdings „stehen nicht immer Ressourcen für Rundgänge und wünschenswerte Maßnahmen zur Verfügung“, räumt OB Kuhn ein.

Für Umwelt- und Naturerfahrungen, dem zweiten großen Themenfeld, hat Stuttgart unter anderem 5000 Hektar Waldfläche zu bieten. Um sie Kindern zu erschließen, ist ein Waldpädagoge beim Forstamt eingestellt worden. Er plant ein großes Netz von Multiplikatoren und hofft, auch Familien den Wald als Freizeitort schmackhaft machen zu können. Erfolge sieht Kuhn ferner bei Projekten aus den Bereichen Sport und Ernährung. Vor allem das Projekt „Sicher schwimmen in Stuttgart“ gilt, nur wenige Monate nach dem Start, als Erfolgsmodell.

Kuhn will Stadt mit Siegel auszeichnen lassen

Bei anderen Punkten mussten die Akteure passen: Wo Personal fehlt – Kuhn benennt das Thema Stadtentwicklung –, können weder neue Räume für Kinder gestaltet noch Beteiligungsprozesse moderiert werden. Ähnliches gilt für die Schulwegeplanung oder Maßnahmen gegen den Elterntaxiverkehr. Auch der Ausbau der Stadtteil- und Familienzentren, wo sich Mütter, Väter und Kinder treffen können, und der Bestand an familiengerechten Wohnungen hinken hinter dem Bedarf her. Am kommenden Donnerstag wird der Bericht dem Gemeinderat vorgelegt. Kuhns Ziel: eine unabhängige und fachlich anerkannte Bewertung – das Siegel für familienfreundliche Kommunen vom Kinderhilfswerk Unicef.

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