Aichtal droht die Schließung des Gartenhallenbads. Bürgermeister Kurz sucht finanzielle Unterstützung bei Nachbargemeinden. Kann das Bad gerettet werden?
Die klammen Kassen der Stadt Aichtal könnten dazu führen, dass sie das städtische Gartenhallenbad schließen muss. Nachdem Kritik an entsprechenden Überlegungen aus der Bevölkerung laut geworden war, wendet sich Bürgermeister Sebastian Kurz an die Nachbarkommunen, aus denen Kinder und Jugendliche am Schulschwimmen in Aichtal teilnehmen. Er fordert von ihnen eine stärkere finanzielle Beteiligung. „Nach aktuellem Stand kann die Stadt Aichtal Sanierung und laufende Kosten nicht finanzieren“, schreibt Kurz in einer Pressemitteilung.
Schon 2026 könnten der Stadt im täglichen Betrieb, dem sogenannten Ergebnishaushalt, mehr als vier Millionen Euro fehlen. Davon geht die mittelfristige Finanzplanung aus. Dass bei einer Klausurtagung des Gemeinderates zum kommunalen Etat auch über das Hallenbad gesprochen wurde, hatte die SPD Aichtal öffentlich gemacht. Als Reaktion darauf sammelt der DLRG Ortsverein nun Unterschriften für den Erhalt des Bades. Mehr als 2000 Menschen haben sich laut Kurz bislang beteiligt. „Wir prüfen alle Möglichkeiten und tun was wir können, damit das Gartenhallenbad saniert werden und in Betrieb bleiben kann“, teilt der Bürgermeister mit.
Kurz fordert höhere Beiträge der Nachbarkommunen für Schulschwimmen
Eine Option sind aus seiner Sicht höhere Beiträge der Umlandkommunen für das Schulschwimmen. Denn den weiteren Angaben zufolge bedeutet der Bäderbetrieb derzeit ein jährliches Defizit von 600 000 Euro. „Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Stadt Aichtal sachgerecht, den auf das Schulschwimmen entfallenden Teil des jährlichen Defizits – also rund 50 Prozent – anteilig auf die beteiligten Gemeinden zu verteilen“, schreibt Bürgermeister Sebastian Kurz in seinem Brief an die Nachbarkommunen.
Hinzu kommt, dass in den kommenden Jahren umfangreiche Investitionen erforderlich werden. So müsse unter anderem die Lüftungsanlage erneuert, Sanitäranlagen und Heizung, das Flachdach und die Filtertechnik saniert werden. Die Stadt schätzt den Bedarf auf etwa fünf Millionen Euro bis 2030.
Gemeinderat entscheidet über Weiterbetrieb des Gartenhallenbads
Der Appell richtet sich an Bempflingen, Altdorf, Altenriet, Großbettlingen, Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Walddorfhäslach und Schlaitdorf. Bislang bezahlen die Schulen den Angaben von Kurz zufolge 65 Euro pro Schulstunde. Dieser Betrag würde nach seinen Rechnungen bei einer Beteiligung am jährlichen Defizit auf 386 bis 475 Euro steigen. Kurz stellt außerdem als weitere Option die Gründung eines Zweckverbandes für den Betrieb eines Lehrschwimmbeckens in den Raum. Der Rathauschef hat sich außerdem in einem weiteren Schreiben an die Fraktionsspitzen im Landtag gewandt und darum gebeten, Förderprogramme zum Erhalt von kommunalen Schwimmbädern aufzustellen, die es derzeit nicht gebe.
Der Gemeinderat werde in den kommenden Haushaltsberatungen darüber entscheiden, ob der Betrieb des Gartenhallenbads zum Ende des Schuljahres 2025/2026 eingestellt werden müsse, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Sollte eine Kostenbeteiligung der umliegenden Gemeinden vereinbart werden, wäre ein Weiterbetrieb über diesen Zeitpunkt hinaus grundsätzlich denkbar. Die finanziellen Herausforderungen seien für alle Kommunen sehr groß. „Ich glaube aber, dass wir dann die besten Lösungen finden, wenn wir gemeinsam vorgehen“, erklärt der Aichtaler Bürgermeister.