Es soll ein weiteres Puzzleteilchen sein, die Mobilität in der Stadt Esslingen und in der stark belasten Region in eine umwelt- und klimafreundlichere Richtung zu lenken: Die Stadt Esslingen hat ein Lastenrad gekauft, das ihre Bürgerinnen und Bürger jetzt testen können. Allerdings ist es in diesem Jahr schon so gut wie ausgebucht.
Esslingen - Es ist schwarz, schnittig und mit 200 Kilogramm belastbar – und soll ein weiteres Rädchen sein, die Mobilität in der Stadt und der stark belasteten Region in eine umwelt- und klimafreundlichere Richtung zu drehen: Das Lastenrad „Packster 60 vario“ verfügt über einen starken Bosch-Motor, der auch bei der Esslinger Topografie nicht ins Stottern kommen soll und sein Futter aus der Steckdose bezieht. Der Strom reicht je nach Last und Strecke zwischen zehn und 70 Kilometer, der Akku hat eine Lebensdauer von 20 000 Kilometern. Und bei Normalverbrauch steht alle 2000 Kilometer – das entspricht einmal im Jahr – eine Wartung durch einen Fachbetrieb an. Dafür transportiert das Gefährt in seiner Box mit Wetterverdeck abgasfrei und leise je nach Familienstand, Beruf und Gusto zwei Kinder oder mehrere Bierkästen, Pakete und andere schöne oder weniger schöne Dinge. Und wer einmal testen will, ob er damit nicht bequemer all die Fahrten unter fünf Kilometern machen kann, für die er sonst ins Auto gestiegen wäre, und ob er mit dem verlängerten Zweirad tatsächlich keine Parkplatzprobleme mehr hat, sollte sich schnell auf www.esslingen.de/lastenrad einklicken. Dort kann man das Cargobike – wie es neudeutsch heißt – bis zu drei Wochen lang kostenlos buchen.
Zuschuss vom Verkehrsministerium
Die Stadt hat sich das Lastenrad im Rahmen der Kampagne Radkultur des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg angeschafft. Das hat das rund 6000 Euro teure Müller-und-Riese-Gefährt ebenso wie die Serviceleistungen der auch in Esslingen vertretenen Fachfirma e-motion bezuschusst. Die hat laut ihrem Geschäftsführer Udo Nitsche zudem einen weiteren Batzen zur Finanzierung des Lastenrads beigesteuert. Obwohl Verkehrsdezernent Wilfried Wallbrecht bekennender Stadtradler ist, überließ er den Lenker beim Vorführen lieber seiner Mitarbeiterin Sabine Frisch vom Sachgebiet Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Stadtplanungsamt. Für den programmatischen Überbau fühlte er sich dann allerdings wieder zuständig: Das Rad ist eingebettet in die Esslinger Klima-Initiative Esslingen &Co., Teil der Förderung des Esslinger Radverkehrs und überhaupt: In der stark belasteten Region rund um die Landeshauptstadt braucht es jedes Puzzlestückchen, den Verkehrsinfarkt auf den Straßen abzuwenden und die Verteilung von Kraftfahrzeugen und Lastern, öffentlichem Nahverkehr, Bikern, Radlern und Fußgängern am Verkehrsaufkommen weniger auspufflastig und ausgewogener zu gestalten. Mit diesen Bemühungen steht Esslingen in der Region freilich nicht alleine da. Mit Lastenrädern auch nicht. Während man sich im Esslinger Rathaus von der Schnupperaktion erhofft, dem einen oder anderen Käufer die doch nicht unerhebliche private Investition schmackhaft zu machen – ein E-Lastenrad beginnt bei rund 2500 Euro – sind andere Kommunen schon weiter. So bezuschussen beispielsweise das große Stuttgart, aber auch das kleine Winnenden ihre Einwohner beim Kauf eines solchen Gefährts, legen auch noch etwas drauf, wenn nach drei Jahren immer noch kein Auto in der Garage steht oder zumindest eines aus dem Verkehr gezogen worden ist. Denn während das Land den Kommunen und Unternehmen bei der Anschaffung solcher Lastenräder unter die Arme greift, sind Privatleute in Baden-Württemberg auf ihre Städte und Gemeinden angewiesen. Lediglich junge Leute im ländlichen Raum haben beim Verkehrsministerium Chancen auf einen Zuschuss. Wieder andere Kommunen wie etwa Marbach vermieten ihre Lastenräder nach Bedarf, in Böblingen beispielsweise übernimmt der örtliche ADFC die Wartung. All solche Perspektiven sind in Esslingen nicht geplant, muss Wallbrecht passen. Hier hofft man, dass der Zuschuss des Landes noch dafür reicht, dass das Cargobike drei Jahre lang gewartet werden kann.
Schon große Nachfrage
Jeder, der das Rad testen will, bekommt vom Fachbetrieb erst einmal eine Einweisung. Führerschein braucht man keinen, die erste Probefahrt empfiehlt sich allerdings noch ohne Kinder. Die Nachfrage ist aber jetzt schon so groß, dass es in diesem Jahr so gut wie ausgebucht ist. Die Verantwortlichen haben kurz darüber nachgedacht haben, die Ausleihfristen zu verkürzen. Aber das würde die Corona-bedingten Desinfektionsaktionen und die Wartungszahlen erhöhen.
Auch wenn die Stadt nach der Schnupperaktion noch keine weiteren Pläne für ihr Bike hat, so kann ihr Verkehrsbürgermeister doch wenigstens auf ein großes Radlerpaket hinweisen, das die Verwaltung für den gemeinderätlichen Mobilitätsausschuss Mitte Juli geschnürt hat. Mit Vorschlägen und Maßnahmen von der Hindenburgstraße bis zum Altstadtring, der zuletzt im Verteilungskampf der verschiedenen Verkehrsakteure um den Straßenraum die größte Rolle gespielt hat. Man darf gespannt sein, ob sie dann die Landeshauptstadt hinter sich lässt.
https://www.esslingen.de/lastenrad