Keiner springt so hoch wie er: Armand Duplantis Foto: dpa/Sven Hoppe

Stabhochspringer Armand Duplantis bleibt der König der Leichtathletik: In Paris holt er sich den Olympiasieg sogar mit Weltrekord – auch weil er enorm schnell ist.

Gleich mal eine gewagte These vorneweg: Wäre Armand Duplantis (24) Schwimmer, Turner oder Sprinter mit vielen Startmöglichkeiten bei Sommerspielen, er würde schon jetzt zu den erfolgreichsten Olympioniken der Geschichte gehören. Doch der Schwede ist Stabhochspringer, er hat immer nur eine Chance. Und muss folglich einen anderen Weg suchen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ein gewisses Talent ist ihm auch dabei nicht abzusprechen.

 

Armand „Mondo“ Duplantis ist nicht nur der König der Leichtathletik. Er hat auch eine der größten Shows der Spiele abgeliefert, bei der ihm selbst gekrönte Häupter zugejubelt haben. Der schwedische König Carl Gustaf und Königin Silvia wären angesichts des Auftritts des Stabhochspringers auf der Tribüne beinahe ausgeflippt – wofür jeder im Stadion vollstes Verständnis gehabt hätte.

Duplantis lobt „unfassbare Fans“

Duplantis gewann ja nicht nur wie vor drei Jahren in Tokio Gold, er gab selbst dann noch alles, als seine Konkurrenten schon längst ausgeschieden waren. Erst sprang der Welt- und Europameister 6,10 Meter und damit eine olympische Bestmarke, anschließend ließ er die Latte auf 6,25 Meter legen und bot dem faszinierten Publikum im Stade de France auch noch einen Weltrekord (den bereits neunten in seiner Karriere). Damit erfüllte er sich einen Kindheitstraum. „Bei Olympia mit Weltrekord zu gewinnen, das wollte ich schon immer“, sagte der Überflieger, „und ich habe es vor den unfassbarsten Fans gemacht, vor denen ich je gestartet bin. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht.“

Selbstverständlich wurde der Schwede danach gefragt, was ihn denn so stark mache. Er antwortete, sein Versuch, die Energie im Stadion auf sich selbst umzulenken, habe bestens geklappt. Er wies auf sein Selbstvertrauen und die wachsende Erfahrung hin. Nicht gesprochen hat er über seine sportlichen Fähigkeiten.

Duplantis verfügt über ein enormes Bewegungstalent, das ihm hilft, die komplexen Abläufe am Stab und in der Luft so aussehen zu lassen, als überspringe er gerade den heimischen Gartenzaun. Dazu kommt seine Athletik. Beim Anlauf zu seinem Rekordflug kam er auf eine Höchstgeschwindigkeit von 38,19 km/h, damit war er mehr als 2,5 km/h schneller als der zweitplatzierte US-Amerikaner Sam Kendricks (Weltmeister 2017 und 2019) bei dessen bestem Versuch über 5,95 Meter. Zum Vergleich: 100-Meter-Olympiasieger Noah Lyles kam in seinem Goldlauf auf einen Topspeed von 43,60 km/h – allerdings ohne Stab in der Hand. Die Überlegenheit von Duplantis brachte Kendricks dann noch dazu, eine Geschichte zu erzählen.

Vor ein paar Jahren, als sich abzeichnete, dass der junge Konkurrent immer schwerer zu bezwingen sein würde, führte Kendricks die Regel ein, dass der Sieger das Abendessen bezahlt („Winner buys Dinner!“). Doch selbst dies hielt Duplantis nicht davon ab, ein Unschlagbarer zu werden. „Ich denke gerne, dass ich ihm in all den Jahren beigebracht habe, wie man so gut mithält“, sagte Kendricks in Paris mit einem Lächeln, „Mondo hat deutlich gewonnen, also wird er uns eine Mahlzeit besorgen müssen.“

Eine Feier mit viel Essen

Der Satz passte zu den Gedanken von Duplantis – denn auch dem Triumphator war nach Essen zumute. Vor den Spielen hatte er drei Monate strenge Diät gehalten und zwei Kilogramm abgenommen, um noch leichter in die Sphären springen zu können, die nur er erreicht. „Jetzt bin ich nur noch bereit, richtig viel zu essen“, sagte er nach seinem überragenden Sieg, „die Feier wird so schnell nicht enden.“ Duplantis hat Wort gehalten.

Bei einem Auftritt am Dienstagmorgen im schwedischen TV war ihm anzusehen, dass das Fest deutlich anstrengender gewesen ist als der Wettkampf. „Ich habe ausgiebig gefeiert, vielleicht etwas zu ausgiebig“, sagte Duplantis mit müden Augen und heiserer Stimme. Um danach eine Botschaft an den König zu senden. „Ich hoffe, ihm hat die Show gefallen“, erklärte der Super-Olympionike, „für mich selbst gilt: Wenn ich in meiner Karriere keinen besseren Moment mehr erlebe, ist das auch in Ordnung.“