Bei der AfD-Kundgebung mit Alice Weidel in Herrenberg macht die Polizei zwei Personen aus, die Deutschlandfahnen mit einer halb geschälten Banane herumschwenken. Eine Straftat. Das Kuriose dabei: Die Flaggen werden auch im Internet verkauft.
Herrenberg - Bei AfD-Anhängern ist viel von Patriotismus und Respekt für Deutschland die Rede. Aber wenn manche von ihnen buchstäblich Flagge bekennen, können sie sich damit auch schon mal eine Anzeige wegen „Verunglimpfung der Bundesrepublik“ einhandeln. So erging es zwei Personen am Rande der AfD-Kundgebung mit Fraktionschefin Alice Weidel am Sonntag in Herrenberg. Wie die Polizei berichtet, trugen die beiden Deutschlandfahnen mit einer großformatigen abgebildeten halb geschälten Banane. Die Botschaft ist klar. Wer so ein Banner schwenkt, der sagt: „Deutschland ist zu einer Bananenrepublik verkommen.“
„Hierbei handelt es sich um eine Straftat“, erklärt der Polizeipressesprecher Peter Widenhorn. Der betreffende Paragraf 90 a StGB im Strafgesetzbuch bezieht sich auf die „Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole“. Wer also Farben, Wappen, Hymne oder Flagge Deutschlands beziehungsweise eines seiner Bundesländer in solcher Weise schmäht, kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe belangt werden.
Bananenflaggen unter anderem bei Pegida beliebt
Dass die beiden Personen in Wahrheit glühende Verehrer des Künstlers Andy Warhol waren, dessen Banane ein Album der Band Velvet Underground ziert, darf ziemlich sicher angezweifelt werden. Laut Peter Widenhorn waren die beiden Fahnenträger eindeutig dem AfD-Lager zuzuordnen.
Tatsächlich registrieren diverse lokale und überregionale Medien ähnliche Fälle mit eben solchen Bananenfahnen schon seit Jahren – meist im Zusammenhang mit Pegida und anderen selbst ernannten Patrioten. Bisher stellte die Staatsanwaltschaft die Verfahren jeweils ein – nicht zuletzt deshalb, weil die Angeklagten die „Bananenrepublik“-Banner legal im Internet gekauft hatten.
Offenbar Verkaufsschlager bei Amazon
Das geht auch heute noch problemlos. Beim Onlinehändler FlaggenFritze.de gibt’s die textilgewordene Staatsschmähung auf 90 mal 150 Zentimeter für 9,95 Euro. Auch der Internetriese Amazon hat den Artikel „Flagge Deutschland Bananenrepublik“ im Angebot – hier für 12,95 Euro und unter dem als Kaufempfehlung gedachten Label „Amazon’s Choice“. Laut dem Technikmagazin „Chip“ ist diese Etikettierung ein Hinweis für hohe Kaufrate und Kundenwertungen.
Die Kundenrezensionen auf der betreffenden Seite lassen erahnen, welche Klientel hier bedient wird – vor allem mit Blick auf das dazugehörige Kaufdatum. „Für diese verrückte Zeit genau das Richtige“, schreibt zum Beispiel ein Käufer im Oktober 2015, dem Jahr der Flüchtlingskrise. Im April 2021 ist es dann offenbar die Corona-Krise, die den Verkauf ankurbelt. Ein Käufer schlägt unter seiner Fünf-Sterne-Wertung vor, auch noch eine Maske aufzudrucken.
Polizeisprecher: Entscheidend ist Willensbekundung
Sollten Online-Shopper noch Zweifel haben, in welcher Gesellschaft sie sich hier befinden, hilft ein Blick in die Rubrik „Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen“: Dort empfiehlt der Amazon-Algorithmus unter anderem T-Shirts mit Reichsflagge oder Eisernem Kreuz und dem seit 2014 bei der Bundeswehr verbotenen Spruch „Treue um Treue“. „Verkauf und Besitz dieser Fahnen ist nicht grundsätzlich verboten“, erklärt Sprecher Widenhorn. „Es kommt eben darauf an, ob man sie zur Willensbekundung benutzt und sie zum Beispiel zu einer Versammlung mitnimmt.“