Oskar Schlemmer, „Familie“ Foto: Galerie Valentien

Wie von unserer Zeitung berichtet, versucht die Staatsgalerie Stuttgart, das Wandbild „Familie“ von Oskar Schlemmer (1888–1943) zu erwerben. Schon jetzt ist klar: Der Spendenaufruf der Staatsgalerie hat ein breites Echo.

Stuttgart - Staatsgalerie-Direktorin Christiane Lange ist dieser Tage bester Stimmung. Auch sie spürt, dass die äußerst erfolgreiche Ausstellung zum Gesamtwerk von Oskar Schlemmer für einen gehörigen Ruck gesorgt hat – nicht nur in der Staatsgalerie selbst, sondern auch in Stadt und Land. Die klare Botschaft: Wir sind wieder wer. Verstärkt wird das gute Gefühl nun durch den Erfolg der Spendenaktion für das Schlemmer-Wandbild „Familie“ (1940), zu der die Staatsgalerie aufgerufen hat.

„Das überaus positive Echo, das wir von allen Seiten, aber besonders auch von den Stuttgartern zur Schlemmer-Ausstellung erfahren durften, hat uns zu diesem Spendenaufruf ermutigt“, sagt Christiane Lange unserer Zeitung. „Schlemmer“, so Lange weiter, „ist tief verwurzelt in dieser Stadt, und wir sind daher fest überzeugt, dass sein letztes Wandbild einen Platz in der Öffentlichkeit finden muss.“

Anfang Mai hat die Staatsgalerie den Aufruf gestartet. „Seitdem“, sagt die Museumschefin, „haben uns zahlreiche Spenden sowohl von Unternehmen als auch von Privatpersonen erreicht.“ Gespendet wurden ­bisher Gelder von fünf Euro bis hin zu sechsstelligen Beträgen. „Besonders berührt“, so Christiane Lange, „hat mich der Anruf einer Dame aus Darmstadt, die unsere angebotenen Wege zu spenden – online oder persönlich an der Kasse – nicht wahrnehmen kann. Sie wollte aber unbedingt dennoch einen Beitrag leisten, damit Schlemmers ‚Familie‘ hier bleiben kann, und hat sich daher persönlich an uns gewandt.“

Viele Privatspenden machen der Staatsgalerie Mut

1,95 Millionen Euro sind für das Wandbild aufgerufen. Ein Betrag, der im breiten Schulterschluss stemmbar erscheint. Und es sieht gut aus. „Wir haben“, freut sich Staatsgaleriedirektorin Lange, „bereits knapp die Hälfte unseres Ziels erreicht. Einen großen Beitrag leistete die Museumsstiftung des Landes Baden-Württemberg. Aber auch Unternehmen wie Trumpf, die Stihl-Stiftung, der Thieme-Verlag und viele andere engagierten sich bereits großzügig.“ Hoch ist aber auch die Zahl kleinerer Zuwendungen. „Gerade diese Privatspenden mit kleinen Beträgen“, freut sich Lange denn auch, „machen uns Mut, und so hoffen wir auf noch weitere Personen, die sich für Schlemmer in Stuttgart einsetzen.“ Und so gilt diese Botschaft Christiane Langes auch den Leserinnen und Lesern unserer Zeitung: „Bitte spenden Sie – auch kleinere Beträge sind wichtig!“

Das Engagement für Schlemmers „Familie“ gilt einem wichtigen Stück Kunstgeschichte mit Stuttgart als seiner Aufführungsbühne. 1939 beauftragt der Verleger und Kunstsammler Dieter Keller (1909–1985) – dessen Familie in Stuttgart den Kosmos-Verlag mitgegründet hat – den in Hitler-Deutschland als „entartet“ verhöhnten Maler und Bühnenkünstler Oskar Schlemmer (1888–1943) mit einem Wandbild. Schlemmer, der doch in den 1920er ­Jahren wichtigster deutscher Künstler am legendären Bauhaus war, sieht die Chance, „ein letztes Mal frei und kompromisslos“ arbeiten zu können. „Familie“ ist das vereinbarte Thema – und so nähert sich Schlemmer in mehr als 70 Zeichnungen einem gültigen Entwurf.

Dieser zeigt eine Komposition, die aus Sicht des Kunstwissenschaftlers und Schlemmer-Kenners Wulf Herzogenrath „Familien-Glück und Kriegs-Trauer zu einem überpersönlichen Symbol-Bild verdichtet“. Zu sehen sind zentral drei ­Figuren: eine Frau vor einem hellblauen Kreis, ein Mann vor einer hellroten Raute und – in der Mitte, auf rotem Dreieck – ein Kind. Verbunden sind die drei durch ein hellgelbes ­ Quadrat.

Oskar Schlemmer arbeitet mit Wachsfarben

Zwei Halbfiguren begrenzen die 2,55 Meter hohe und 4,15 Meter breite Szene. Rechts zu sehen ist, wie Martha Schlemmer es formuliert, das „Schicksal, wie es uns anschaut“. Links scheint eine Figur aus dem Bild zu entschwinden. Noch einmal ein deutlicher Hinweis auf die Einberufung Dieter Kellers zum Kriegseinsatz.

Oskar Schlemmer arbeitet mit Wachsfarben, Sand und Goldbronze auf einer kreidegrundierten Nesselleinwand. Diese wird 1940 auf einer Gipswand aufgebracht. 55 Jahre bleibt Schlemmers „Familie“ – in durchaus wechselvoller Geschichte – im ­ehemaligen Haus Keller. 1995 kommt das Aus. Die viel diskutierte Trennung von Bild und Ort macht den Weg frei für den Abriss des Hauses. 20 Jahre später ist die endgültige Rückkehr der „Familie“ – aktuell im Obergeschoss der Neuen Staatsgalerie zu sehen – greifbar nahe.

So können Sie spenden: Online unter www.shop.staatsgalerie.de/spendenaufruf, ebenso direkt an der Kasse der Staatsgalerie. Ansprechpartner für größere Beträge ist der Kaufmännische Geschäftsführer Dirk Rieker (07 11 / 47 04 02 71).

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