Restaurator Peter Bux bei der Arbeit an Wilhelm Lehmbrucks „Die große Sinnende“ Foto: dpa

Noch bis zum 24. Februar zeigt die Staatsgalerie Stuttgart eine Doppelschau zum Werk von Wilhelm Lehmbruck (1881-1919). Star ist die restaurierte Plastik „Große Sinnende“ (1913).

Stuttgart - Am Anfang? Steht ein Schreck. Anfang Januar 2017 melden sich die Erben des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck bei Stuttgarts Staatsgaleriedirektorin Christiane Lange. Sie wollen ihre Lehmbruck-Dauerleihgabe abziehen. Publikumslieblinge wie „Der Gestürzte“ (1915) und „Die Große Sinnende“ (1913) wären verloren.

Wettlauf gegen die Zeit

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Lange sucht Verbündete in Bund und Land – und hat Erfolg. Mit 3,9 Millionen Euro sichern die Museumsstiftung des Landes, die Kulturstiftung der Länder und die Ernst von Siemens Kunststiftung das herausragende Lehmbruck-Ensemble – Plastiken und 67 Papierarbeiten – für die Staatsgalerie, für Stuttgart.

Lehmbruck-Schau bis zum 24. Februar

Forschungen begleiten den Ankauf. Welche Materialien nutzte Wilhelm Lehmbruck, welche Farben? Das Ergebnis ist noch bis zum 24. Februar in der Staatsgalerie zu sehen: „Variation und Vollendung“ heißt die große Lehmbruck-Schau.

Als Star empfängt die „Große Sinnende“ das Publikum

Der Star empfängt das Publikum: „Die Große Sinnende“. Vielfach gespiegelt, scheint sich die stille Schöne fast zu drehen. Makellos wirkt sie. Sah sie aber nicht 2017 noch anders aus, gezeichnet von der eigenen Geschichte? Das Geheimnis ist schnell gelüftet. Peter Bux hatte seine Hände im Spiel. Bux ist einer der gefragtesten Restauratoren. Was er macht? Bux sichtet. Lange. Intensiv. Keine Naht, keine Fuge des Gips-Gusses entgeht ihm. Auch nicht überraschende Farbzeugnisse. Die „Große Sinnende“ trug einst Rosa.

Neue Strahlkraft in Millimeterarbeit

Dann geht es an die Reinigung: Meist ganz klassisch mit Wattebausch. Jedoch: „In der oberen Hälfte erwies sich eine Laserreinigung partiell als geeignet“, skizziert Peter Bux den Einsatz von Hochtechnologie. Nach Abschluss der Reinigung ist für Bux die Plastik „noch immer stark fleckig“. Er entscheidet sich, die Unruhe auszugleichen. „Die ,Große Sinnende’ sinnt“, sagt Bux – in Aquarelltechnik gibt er der Plastik neue Ruhe, neue Kraft.

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