Bietet Raum für bis zu 100 Personen: Neuer Metzler-Saal der Staatsgalerie Stuttgart Foto: Staatsgalerie Stuttgart

An diesem Donnerstag eröffnet die Staatsgalerie Stuttgart im Altbau einen neuen Vortragssaal. Das Besondere: Der Raum heißt Metzler-Saal – offensiver Hinweis auf die Partnerschaft mit dem Frankfurter Bankhaus Metzler.

Stuttgart - Frau Lange, aktuell bittet die Staatsgalerie um (private) Hilfe für den Erwerb eines Schlemmer-Wandbildes, eröffnet nun einen über Sponsoring sanierten und eingerichteten Vortragsraum. Segelt die Staatsgalerie hart am Marktwind?
Die große Begeisterung, die unsere Oskar- Schlemmer-Retrospektive nicht nur bei den Stuttgartern entfachte, möchten wir langfristig für die Staatsgalerie erhalten. Daher haben wir für den erhofften Ankauf des Wandbildes „Familie“ erstmalig ein breit angelegtes Crowd-Funding gestartet und freuen uns über das positive Echo auch kleinster Spenden! Aber natürlich wäre der Erwerb des letzten Wandbildes von Oskar Schlemmer rein aus privaten Mitteln nicht zu stemmen; so sind wir dankbar für den ­Sockelbetrag von 740 000 Euro aus der ­Museumsstiftung.
Die öffentlichen Gelder bilden weiter das Fundament für die Staatsgalerie?
Das Beispiel des angestrebten Ankaufs des Schlemmer-Wandbildes gilt für die gesamte Arbeit im Museum: Ohne die Basisfinanzierung des Staates gäbe es kein Fundament für die zusätzlichen Mittel der Sponsoren, die immer willkommen und zu allen Zeiten dringend benötigt wurden und werden.
Die Staatsgalerie hat im Stirling-Bau einen Vortragssaal und nutzte in der jüngeren Vergangenheit das Altbau-Erdgeschoss ebenfalls für Veranstaltungen. In welche Richtung zielt nun dieser neue Raum?
Unser tatsächlich viel genutzter Vortragssaal im Stirling-Bau ist mit 452 Plätzen ein großartiger Ort für viele Veranstaltungen, nicht nur für unsere Ausstellungseröffnungen. Bei kunsthistorischen Vorträgen, Pressekonferenzen, aber auch Mitarbeiterrunden fühlt man sich in 611 Quadratmetern aber doch leicht verloren. Für solch mittleren Formate haben wir uns schon lange einen adäquaten Raum gewünscht. Durch den für 60 bis 100 Personen ausgelegten Metzler-Saal bietet die Staatsgalerie nun alle Voraussetzungen sowohl für große als auch kleine Events.
Auch für Angebote Dritter?
Wir denken tatsächlich nicht nur an unsere eigenen Begleitprogramme, denn der Wunsch, Räume der Staatsgalerie zu mieten, steigt erfreulicherweise kontinuierlich.
Und was bedeutet die Zusammenarbeit mit dem privaten Bankhaus Metzler für die so dringend notwendigen Partnerschaften mit den großen öffentlichen Kreditinstituten in der Metropolregion Stuttgart?
Was die Familie von Metzler an bürgerlichem Engagement in Frankfurt leistet, ist in Deutschland derzeit noch einzigartig. Ihnen ist es gelungen, weit über ihre Stadt hinaus Förderer für die Museen zu begeistern. Da dort auch Stuttgarter dabei sind, wollten wir es einmal umgekehrt versuchen und hatten Erfolg, der hoffentlich viele Nachahmer ­findet. Ja, wir haben auch bisher bereits ­verschiedene Bankhäuser als Partner, und auch Metzler hat eine Vertretung in ­Stuttgart.
Wie sehen Sie die Zukunft der Museen an sich? Ist der jetzige Schulterschluss ein Signal für eine weitergehende Öffnung für die Finanzierung aus Wirtschaft und Industrie?
Die Kooperation mit dem Bankhaus Metzler ist doch nicht das erste Sponsoring in der Staatsgalerie. Wie in der Vergangenheit versuchen wir stets sowohl für Ausstellungen als auch für unsere Institution Partner zu gewinnen. Hier möchte ich ganz aktuell Porsche, die Südwestbank, vor allem aber auch die L-Bank dankend erwähnen. Selbstverständlich finanziert die öffentliche Hand nach wie vor den Löwenanteil ihrer Kultureinrichtungen, doch deren Aufgaben wachsen, und die Anzahl von Institutionen steigt. Dadurch entstehen Lücken, für die privates Engagement unverzichtbar ist.
Gibt es schon konkrete Pläne? Oder gar Anfragen an Ihr Haus?
Mit attraktiven Programmen, spannenden Forschungsvorhaben und interessanten Angeboten begeistern wir seit Jahren große und kleine Firmen, aber auch Privatleute für die Staatsgalerie. Mit unserer neuen Mitarbeiterin für den Bereich Sponsoring und Fundraising, Cristina de Silió, werden wir unsere erfolgreiche Arbeit von Frank Dietrich fortsetzen. Und: Neben dem etablierten Sponsoring werden wir, wie aktuell mit der Wüstenrot-Stiftung und der Volkswagen-Stiftung begonnen, vermehrt Drittmittel für unsere Forschung einwerben.
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: