Anna Alàs i Jové und Alexander Fleischer musizieren am 18. Oktober in der Staatsgalerie Stuttgart. Foto: Martin Walz

Vor genau zehn Jahren, im Herbst 2010, gewannen Anna Alàs i Jové und Alexander Fleischer den 2. Preis beim Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart. Nun sind sie zurück in der Landeshauptstadt und bringen „Katalanische Grüße“ in die Staatsgalerie.

Hautnah – so, wie das eben unter Pandemie-Bedingungen möglich ist – kann das Publikum die beiden Künstler Anna Alàs i Jové und Alexander Fleischer erleben. Sie bringen am 18. Oktober um 18 Uhr „Katalanische Grüße“ in die Staatsgalerie Stuttgart. Auf dem Programm stehen Lieder von Alma Mahler, Xavier Montsalvatge, Joan Magrané, Frederic Mompou und Manuel de Falla.

Wie würden Sie das Wesen der katalanischen Kultur beschreiben?

Anna Alàs i Jové: Ich habe die Katalanen immer sehr begeisterungsfähig, leidenschaftlich und höchst interessiert an allen Arten von Kultur erlebt. Deswegen zeichnet sich diese Kultur auch durch ihren künstlerischen Reichtum aus. Allein in Barcelona geht man durch eine architektonisch und künstlerisch so überbordende Welt, dass einem schwindelig wird.

Alexander Fleischer: Die katalanische Kultur zeichnet sich durch ein me­lancholisches Wesen, ein Misstrauen gegenüber absoluter Macht, eine Wertschätzung der Kreuzung der Kulturen und einen starken Willen aus, nicht zu verschwinden.

Worin besteht für Sie die besondere Schönheit der Musik spanischer Komponisten?

Alàs: Die Kompositionen sind von großer Melancholie, aber auch zuweilen starker Ausdruckskraft und besitzen viel Temperament. Die Gefühle werden in der katalanischen Musik immer sehr unmittelbar transportiert und berühren zutiefst.

Fleischer: Ich glaube, dass dieses Land ein besonderes Licht auf die Seele der iberischen Komponisten wirft, und sie geben es durch seine Musik weiter. Natürlich kommen im Spiel auch kulturelle Aspekte wie eine sehr extro­vertierte Emotionalität vor und rhythmische Muster, die von den Tänzen beeinflusst sind.

Sie haben vor zehn Jahren beim Wett­bewerb für Liedkunst gewonnen und musizieren seither miteinander. Was hat das damals für Sie und Ihre künstlerische Karriere bedeutet?

Alàs: Der Preis beim Wettbewerb war ein erster Höhepunkt unseres gemeinsamen künstlerischen Weges. Wir sind dann diesen Weg weitergegangen, der Wettbewerb war ein Ansporn und teilweise auch ein Türöffner für Konzerte.

Fleischer: Wir Liedsänger, die nicht aus deutsch-, französisch- oder englischsprachigen Ländern kommen, haben kaum Gelegenheiten, uns auf einer Liedbühne zu präsentieren, egal, ob wir unsere Liedstudien in Deutschland oder Österreich fleißig absolviert haben. Initiativen wie der Wettbewerb für Liedkunst sollen dem Publikum und den Veranstaltern beweisen, dass wir auch dieses Repertoire pflegen und bereichern können.

Wie hat sich Ihr Zusammenspiel über die Jahre gewandelt?

Alàs: Unsere gemeinsame musikalische Sprache ist, denke ich, noch vertrauensvoller und selbstverständlicher geworden. Ein Lied-Duo profitiert immer sehr von einer jahrelangen gemeinsamen Arbeit. Man schaut zusammen auf einen Weg zurück, aber spornt sich auch gegenseitig wieder für neue Projekte an. Unsere erste gemeinsame CD „Legacy“ aus dem Jahr 2019 ist ein Beispiel für Kontinuität und Neubeginn. Wir haben zum Beispiel eine Uraufführung eines katalanischen Komponisten dabei, aber auch Werke, die uns schon jahrelang begleiten.

Fleischer: Nach meinem Gefühl hat es sich nicht gewandelt. Wir sind musikalisch und technisch individuell gereift, aber die künstlerische Übereinstimmung war, ist und bleibt die gleiche.

Info: Anna Alàs i Jové und Alexander Fleischer: 18. Oktober, 18 Uhr, Staatsgalerie Stuttgart, Tickets unter 07 11 / 72 23 36 99, ihwa.de. Übrigens: Auf der Homepage der Internationelen Hugo-Wolf-Akademie kann unter Lied-Wettbewerb noch bis 4. Oktober live in den Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart reingeschaut werden.

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