Weltkünstler mit Stuttgarter Wegspuren: Joseph Kosuth Foto: Andrey Bold

Wie nähert man sich dem Werk des Kunstrevolutionärs Marcel Duchamp? Die Staatsgalerie Stuttgart will 2018 eine Schau zeigen. Und ruft an diesem Donnerstag den New Yorker Joseph Kosuth in den Kunst-Zeugenstand.

Stuttgart - Die Staatsgalerie Stuttgart hat Großes vor: Im Dezember 2018 lenkt man die Schweinwerfer auf das Werk des Kunst-Revolutionärs Marcel Duchamp (1887-1968). Mit dem „Fahrrad-Rad“ von 1913 macht Duchamp erstmals einen Alltagsgegenstand zum Kunstwerk.

Stuttgarts Duchamp-Gewicht

Was bewegt den bis dahin als Maler bekannten Duchamp zu diesem Schritt? Und warum ist sein Einfluss bis in die Kunst unserer Tage spürbar? „Marcel Duchamp. 100 Fragen. 100 Antworten“ wird die Schau in der Staatsgalerie betitelt sein. Sie stützt sich auf die hervorragende Stuttgarter ­Duchamp-Sammlung – und bekommt prominente Unterstützung: das weltweit einzigartige Duchamp-Archiv des Schweizer Künstlers Serge Stauffer. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen – die Volkswagen-Stiftung fördert ein internationales Forschungsprojekt.

Der Stand der Forschung

Wie aber forscht man über das Werk von Marcel Duchamp? An diesem Donnerstag und Freitag sollen in der Staatsgalerie Stuttgart erste Ergebnisse vorgestellt werden. In einem öffentlichen Workshop, veranstaltet von der Staatsgalerie und dem ­Institut für Kunstgeschichte der Universität Stuttgart, geht es um einzelne Werke (etwa die Zeichnung „Haarsiebe“ von 1914) wie auch um die Frage der ­Präsentation von Duchamp-Arbeiten und deren Wirkungen auf die Duchamp-Interpretation. Forschung als Werkstatt? Gibt es an diesem Donnerstag und Freitag in der Staatsgalerie – der Eintritt zu den ­Vorträgen ist frei.

Joseph Kosuth im Dialog

Wie verankern sich das Denken und die Werke von Marcel Duchamp in der Kunst nach 1960? Als prominenten Zeugen rufen die Konferenz-Verantwortlichen Susanne M. I. Kaufmann (Staatsgalerie) und Kerstin Thomas (Leiterin des Instituts für Kunstgeschichte der ­Universität Stuttgart) einen Künstler auf: Joseph Kosuth.

Mit 20 Jahren ein Kunststar

1945 in Toledo (Ohio) geboren, wird ­Kosuth mit nur 20 Jahren selbst zum ­Kultkünstler. Die Arbeit „One and Three Chairs“ zeigt als Befragung der unter­stellten Dreieinigkeit von Wort, Bild und Sache einen Stuhl, ein Foto desselben ­sowie den „Stuhl“-Wörterbucheintrag.

Galerie Kubinski macht Stuttgart zur Kosuth-Bühne

In den 1970er Jahren zentrale Figur der ­Konzeptkunst, ist der New Yorker in den 1980er Jahren häufiger Gast in Stuttgart. Das philosophische Erbe der Stuttgarter Schule zieht ihn an, aber auch eine junge, konzeptorientierte Künstlerschaft. Anlaufpunkt ist über viele Jahre die Galerie Achim Kubinski. Dort realisiert Kosuth Wandarbeiten, dort wohnt er auch.

Paul Uwe Dreyer holt Kosuth auf den Weißenhof

Der damalige Rektor Paul Uwe Dreyer holt Kosuth (1992 auf der Weltkunstschau Documenta IX als zentrale Künstlerfigur gefeiert) 1991 als Nachfolger von K.R.H. Sonderborg als Professor an die Stuttgarter Akademie – eine Allianz, die 1997 mit Kosuth’ Wechsel nach München endet.

Kosuth-Hommage an Hegel

Zentrale Arbeiten in der Sammlung der Staatsgalerie und vor allem des Kunstmuseums Stuttgart – angekauft wesentlich in der Zeit von Johann-Karl Schmidt als Direktor der Galerie der Stadt Stuttgart – markieren Stuttgart als wichtige Bühne für das Werk von Joseph Kosuth. Wie auch Kosuth’ Hommage an den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel mit der Zeile „. . .dass diese Furcht zu irren, schon der Irrtum selbst ist“ – seit 1993 in Leuchtschrift am Hauptbahnhof zu lesen.

Dialog in der Staatsgalerie

An diesem Donnerstag eröffnet ein ­Gespräch mit Joseph Kosuth den ­Duchamp-Workshop der Staatsgalerie. Den Dialog mit Kosuth führt Carlos ­Basualdo, Konzeptkunst-Spezialist des Philadelphia Museum of Art, in englischer Sprache. Der Abend im Metzler-Saal der Staatsgalerie beginnt um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

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