Bundespräsident Joachim Gauck ist zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Chile eingetroffen. Foto: dpa

Wie geht Chile mit dem Erbe der Militärdiktatur um, die das Land fast zwei Jahrzehnte beherrschte? Das Thema interessiert auch den ehemaligen Stasi-Aufklärer Joachim Gauck. Und dabei gibt es noch ein besonders dunkles Kapitel mit deutscher Beteiligung.

Santiago de Chile - Bundespräsident Joachim Gauck ist zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Chile eingetroffen. In der Hauptstadt Santiago de Chile sind von diesem Dienstag an Gespräche mit Präsidentin Michelle Bachelet und anderen Spitzenpolitikern geplant. Dabei wird es um aktuelle politische und wirtschaftliche Fragen ebenso gehen wie um die Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet von 1973 bis 1990.

Entwicklung von Demokratie

Gauck sagte unmittelbar nach der Ankunft, Thema seines Besuchs sei auch die Entwicklung von Demokratie und Menschenrechten nach dem Ende der Diktatur. Zudem wolle er an den Feiern zum 100. Geburtstag der 1916 gegründeten deutsch-chilenischen Handelskammer teilnehmen. Der Bundespräsident wird von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet. Zur Delegation gehören auch Wirtschaftsvertreter und Gewerkschafter. Gauck will in Chile für das deutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft werben.

In Santiago wird Gauck voraussichtlich auch die Verbrechen der von Deutschen gegründeten Sekte „Colonia Dignidad“ ansprechen. Auf deren Gelände wurden viele Jahre lang Menschen gequält, missbraucht und auch Oppositionelle während der Militärdiktatur gefoltert. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte vor kurzem das lange Schweigen der deutschen Diplomatie zu den Verbrechen kritisiert.

Leichen politischer Gefangener

Die „Vereinigung für Erinnerung und Menschenrechte Colonia Dignidad“ rief den Bundespräsidenten dazu auf, sich für die Suche nach den sterblichen Überresten von Folteropfern der Sekte einzusetzen. Dabei gehe es um mindestens 100 Leichen politischer Gefangener. Die Vorsitzende der Vereinigung, Margarita Romero, sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie werde am Mittwoch an einem Treffen von Vertretern der Zivilgesellschaft mit Gauck teilnehmen.

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