König Willem-Alexander der Niederlande und seine Frau Máxima bringen royalen Glanz nach Berlin. Der Staatsbesuch ist der Abschluss ihrer Tour durch Deutschland, die vor acht Jahren in Stuttgart begann.
Berlin - Sein Deutsch sei etwas eingerostet, scherzte Willem-Alexander (54) kurz vor der Abreise nach Deutschland. Doch das nimmt man dem niederländischen König, der am Montag zum Staatsbesuch in Berlin eingetroffen ist, nicht ab. Schließlich ist Willem-Alexander über seinen Vater Prinzgemahl Claus von Amsberg (1926–2002) sowie seinen Großvater Prinzgemahl Bernhard zur Lippe-Biesterfeld (1911–2004), die beide Deutsche waren, eng mit dem Land verbunden. So eng, dass er kürzlich beim dramatischen EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn mitgezittert und mitgelitten hat: Er sei erleichtert gewesen, dass das deutsche Team mit dem Unentschieden eine Runde weiter kam, gab der Fußballfan zu.
Besuch mit Máxima aus Den Haag
Eine Enttäuschung, aber zugleich vielleicht auch eine Erleichterung mag gewesen sein, dass die niederländische wie die deutsche Mannschaft im Achtelfinale scheiterten: Sie hätten sonst am 7. Juli, dem letzten Tag des Staatsbesuchs, aufeinandertreffen und den König in die Zwickmühle bringen können. Stattdessen flog Willem-Alexander am Montag mit seiner aus Argentinien stammenden Frau Máxima (50) ganz entspannt von Den Haag nach Berlin. Nach Mitteilung des Hofs saß der König nicht nur im Cockpit des Regierungsflugzeugs, er steuerte die Boeing selbst. So konnte der 54-Jährige, der einen Flugschein für Passagiermaschinen hat, auch mal wieder die für die Lizenz erforderlichen Flugstunden sammeln.
Als das Königspaar am Vormittag in Berlin landete, wurde es von 21 Salutschüssen begrüßt – und mit strömendem Regen. Für sommerliche Stimmung sorgte immerhin Máxima im cremefarbenen Seidenkleid mit buntem Muster aus Ranken, Blättern und Schmetterlingen samt passendem Pillbox-Hut. Die Königin kombinierte das Ensemble stilbewusst mit hellen Handschuhen, hellgrünen Wildleder-Pumps und einer farblich passenden Clutch. Dass der Wind den bereitgehaltenen Schirm umklappte und sie kurz im Regen stand, brachte die 50-Jährige nicht aus dem Konzept. Strahlend posierte sie für die Fotografen. Auch ihr Gatte, neuerdings mit Bart, wirkte fröhlich, ja fast schon ausgelassen. So kennt man die beiden. Das niederländische Königshaus präsentiert sich stets gut gelaunt, unprätentiös, nahbar – eben als Royals von nebenan.
Gespräche mit Angela Merkel
Zur gelösten Stimmung trägt vielleicht auch bei, dass Staatsbesuche durch die Corona-Lockerungen nun überhaupt wieder möglich sind. Drei Tage lang wird das Paar in Berlin bleiben. Das Protokoll sieht politische Gespräche vor, unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Michael Müller (SPD), dem Regierenden Bürgermeister von Berlin. Die Staatsgäste besuchen auch mehrere Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, etwa das Humboldt-Forum und die Technische Universität. Außerdem auf dem Programm: Empfang beim Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Staatsbankett, Besuche im Bundestag und im Bundesrat. Das Mitbringsel des Königspaars ist ein Konzert des berühmten Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters. Ein Bad in der Menge – wie bei bisherigen Besuchen üblich – wird es wegen der Pandemie dieses Mal aber nicht geben. Nicht einmal die einzelnen Programmtermine werden vorab bekannt gegeben, „um Menschenansammlungen zu vermeiden“, teilte das Königshaus auf seiner Homepage mit.
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Das war vor acht Jahren, als Willem-Alexander und Máxima Stuttgart besuchten, noch anders. Mehr als 1200 Zaungäste warteten etwa am Schlossplatz, um einen Blick auf die royalen Gäste zu erhaschen oder ihnen gar die Hand schütteln zu können. Im Juni 2013 hatten sich die beiden auf ihre lange Kennenlern-Tour durch alle Bundesländer aufgemacht. Willem-Alexanders Mutter Beatrix hatte kurz zuvor, am 30. April 2013, das Zepter an ihren Sohn übergeben. Und da die Beziehungen zu Deutschland eng sind, besuchte das neue Königspaar jedes Jahr andere Landesteile, auch um Wirtschaftsbeziehungen zu pflegen. In Baden-Württemberg war Willem-Alexander etwa beim Maschinenbauer Trumpf in Ditzingen. Königin Máxima sah sich derweil die Uni Hohenheim an. Im Neuen Schloss in Stuttgart trug sich das Paar ins Gästebuch des Landes ein. Es folgte ein Besuch des Mercedes-Benz-Museums.
Corona machte die Staatsbesuchs-Pläne für 2020 zunichte
2020 sollte dann der erste offizielle Staatsbesuch in Berlin der krönende Abschluss der royalen Rundreise sein. Da Corona die Pläne zunichte machte, bringen die Majestäten nun mit einem Jahr Verspätung Glanz in die Hauptstadt. Doch warum spielt ausgerechnet Deutschland eine so große Rolle im königlichen Terminplan? Wo das Verhältnis der beiden Staaten doch lange von der Nazi-Vergangenheit überschattet war. Die Besatzungs- und Kriegszeit hatte tiefe Wunden geschlagen. Doch die scheinen verheilt. „Die Deutschen sind beste Freunde, gute Nachbarn und große Handelspartner“, erklärte Willem-Alexander vor wenigen Tagen in Den Haag. So beträgt das bilaterale Handelsvolumen, also die Summe der Exporte und Importe, fast 180 Milliarden Euro. Damit sind die Niederlande nach China und noch vor den USA der wichtigste Handelspartner Deutschlands, das wiederum der wichtigste Partner der Niederlande ist. Und vor allem junge Leute finden sich gegenseitig inzwischen ziemlich cool – zumindest, wenn es nicht um Fußball geht.
Und das Königshaus Oranje-Nassau, das vor Willem-Alexander mit den Königinnen Wilhelmina, Juliana und Beatrix 123 Jahre lang von Frauen regiert wurde, gilt hierzulande als äußerst beliebt. Skandale britischen Ausmaßes sucht man vergebens. Willem-Alexander und Máxima wirken sympathisch und geerdet, ihre Ehe gilt als glücklich. Was sie schon 2002 mit dem Hochzeitskuss belegten: Er dauerte 5,25 Sekunden – kein anderes Königspaar zeigte vor laufender Kamera mehr Ausdauer. Auch ihre älteste Tochter, Kronprinzessin Catharina-Amalia (17), macht positive Schlagzeilen: Kürzlich verzichtete sie auf 1,6 Millionen Euro jährliche Apanage, weil sie „als Studentin noch nichts fürs Land“ leiste.