Beim Staatsbankett in London beeindruckte ihn der „tief verwurzelte Respekt vor Traditionen“ – im geliehenen Frack. Das Fazit von OB Frank Nopper: Viele Briten bedauern den Brexit.
Mit einer zentralen Erkenntnis ist Frank Nopper (CDU) von seiner London-Reise zurückgekehrt: „Viele Briten bedauern nach meiner Wahrnehmung inzwischen den Brexit.“ Dem Stuttgarter Oberbürgermeister wurde die besondere Ehre zuteil, auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Staatsbesuch in Großbritannien teilzunehmen.
Erst jetzt berichtet Nopper gegenüber unserer Redaktion öffentlich darüber. Denn bei Staatsbesuchen gelten diplomatische Zurückhaltung und die Regel, dass zuerst das Bundespräsidialamt kommuniziert.
Großbritannien: Erster Staatsbesuch eines Bundespräsidenten seit 27 Jahren
Auf Wunsch von Steinmeier reiste OB Dr. Frank Nopper in der vergangenen Woche gemeinsam mit den Oberbürgermeistern von Dresden und Kiel ins Vereinigte Königreich – zum ersten Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten seit 27 Jahren.
Dresden und Kiel unterhalten enge Partnerschaften mit der britischen Stadt Coventry, und auch die Stuttgart-Cardiff-Städtepartnerschaft wurde kürzlich im deutsch-britischen Freundschaftsvertrag als beispielhaft gewürdigt.
Staatsbesuch von Steinmeier: Höhepunkte in London und Coventry
Zu den prägenden Momenten gehörte das Staatsbankett in der historischen Guildhall London, bei dem Frank Nopper in unmittelbarer Nähe von Bundespräsident Steinmeier und Prinzessin Anne platziert war. Da für das Dinner strikte Frackpflicht herrschte, musste sich der OB – wie er offen einräumt – eigens einen Frack ausleihen. Ein Smoking hätte nicht gereicht.
Beeindruckt zeigt er sich vom prachtvollen Zeremoniell und dem „tief verwurzelten Respekt vor Traditionen“. Das Staatsbankett in London folgte unmittelbar auf Noppers Gespräch am Mittag mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin – am Vorabend der Versöhnungsfeier in Coventry.
Frank Nopper auf Einladung Steinmeiers zu Staatsbesuch in London
Ein weiterer zentraler Programmpunkt war eben diese Gedenkfeier in Coventry, einem internationalen Symbol für Frieden und Versöhnung. In Anwesenheit des Duke of Kent, des Bundespräsidenten wurde „erneut deutlich“, so Nopper „wie lebendig der Versöhnungsgedanke zwischen beiden Ländern geblieben ist“.
Trotz der engen Sitzordnung blieb ein Erinnerungsfoto aus. Prinzessin Anne sei, so Nopper, höflich, würdevoll und zugleich zurückhaltend – spontane Gruppenfotos schätze sie nicht. Sein Fazit der Reise ins Vereinigte Königreich lautet: „Großbritannien und Deutschland fühlen sich nach wie vor eng verbunden. Viele Briten bedauern inzwischen nach meiner Wahrnehmung den Brexit. Der Staatsbesuch hat einen Beitrag zur Wiederannäherung und zu einem neuen Miteinander geleistet.“ In London habe er spüren können, „wie das Königshaus weiterhin im Bewusstsein der Bevölkerung eine zentrale Rolle spielt“.