In diesem Weinbaugebiet wurde die 27-Jährige gefunden. Foto: dpa

Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Freitag bekannt gegeben, dass die getötete Joggerin Opfer eines Sexualverbrechens wurde. Einen Tatverdächtigen gibt es noch nicht. Ob es Verbindungen zu dem Fall der getöteten Studentin aus Freiburg gibt, werde untersucht.

Endingen - Nach fünftägiger Suche herrscht nun traurige Gewissheit: Die seit Sonntag vermisste Joggerin aus Endingen (Kreis Emmendingen) ist gewaltsam zu Tode gekommen. „Es handelt sich um ein Sexualdelikt, der Täter ist unbekannt“, sagte der Chef der Staatsanwaltschaft Freiburg, Dieter Inhofer. Der Leichnam der 27-jährigen Frau war am Donnerstagnachmittag von einem Polizeihund in einem Waldstück südlich von Endingen aufgespürt worden. Noch in der Nacht habe die Freiburger Gerichtsmedizin mit der Obduktion begonnen. Deren Ergebnis sei eindeutig, sagte Inhofer. Einzelheiten zu den Verletzungen wollten Staatsanwaltschaft und Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht mitteilen. „Das ist Täterwissen“, sagte der Leiter der mittlerweile eingerichteten Sonderkommission „Erle“, Richard Kerber.

Die junge Frau war am Sonntagnachmittag bei herrlichem Sonnenschein zum Joggen aufgebrochen und wollte nach einer Stunde wieder zurück sein. Doch sie kam nicht. Seit Montag wurde intensiv und teilweise unter Beteiligung der örtlichen Feuerwehr nach der Frau gesucht. Zunächst konzentrierte man sich auf den Osten und Norden. Doch da hatte ein Polizeihund offenbar eine ältere Spur aufgenommen. Erst am Mittwoch erhielten die Ermittler den entscheidenden Hinweis. Ein Zeuge erinnerte sich, die Joggerin in südlicher Richtung gesehen zu haben. Der Leichnam fand sich im Dickicht zwischen dem örtlichen Friedwald und dem Gemeindeverbindungsweg nach Bahlingen. Bei Einheimischen ist er als Alkoholsträßle bekannt, weil auf der Nebenstrecke selten kontrolliert wird. Am Sonntag dürften in dem Bereich allerdings viele Ausflügler den letzten sonnigen Herbsttag genossen haben.

Ermittlungen sollen mit Hochdruck weitergehen

Für die Freiburger Polizei ist es der zweite Sexualmord innerhalb weniger Wochen, den sie aufklären muss. Mitte Oktober war in Freiburg eine 19-jährige Medizinstudentin auf dem Heimweg von einer Unifete am Dreisamradweg von einem Unbekannten vergewaltigt und getötet worden. Es sei nun eine der Hauptaufgaben der Ermittler, der Frage nachzugehen, ob beide Taten dem selben Täter zuzuschreiben seien, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Inhofer. Freiburg liegt nur 30 Kilometer von Endingen entfernt. Beide Sonderkommissionen stünden in intensivem Kontakt, sagte der Leiter der Freiburger Kriminalpolizeidirektion, Peter Egetemaier.

Seine Mannschaft sei mittlerweile allerdings am Anschlag. 40 Mitglieder zähle allein die Soko Erle. „Jeder dritte Beamte ist einer Sonderkommission zugeteilt.“ Am Samstag werde deshalb Verstärkung aus Offenburg und Karlsruhe eintreffen. Auch am Wochenende sollen die Ermittlungen mit Hochdruck weiter gehen. Zudem werde die Polizeipräsenz in der Region verstärkt.

Am brachte ein Hubschrauber Untersuchungsmaterial zum Kriminaltechnischen Institut nach Stuttgart. „Wir hoffen, dass wir DNA sichern konnten“, sagte Egetemaier. Die Ergebnisse könnten dann mit der DNA aus dem Freiburger Fall verglichen werden. Bisher gebe es jedoch „weder objektive, noch subjektive Hinweise“ auf einen Zusammenhang der beiden Taten, sagte der Freiburger Kripochef.

In Endingen, einem 9000-Einwohner-Städtchen im Kaiserstuhl, herrscht Bestürzung. Im Linienbus dreht der Fahrer zu den Nachrichten das Radio lauter. Am Brunnen auf dem verkehrsberuhigten Marktplatz haben Freunde und Bekannte des Opfers Blumen und Kerzen aufgestellt. „Wir haben einen Engel losgeschickt, der über dich wacht“, steht auf einem Plakat. Zwar stammt die junge Frau aus einem Nachbarort. Doch über ihren Mann, den sie im Juni geheiratet hatte, war sie im Vereinsleben fest verankert: Feuerwehr, Fußball, Narrenverein. „Vor zwei Wochen hat die ganze Familie noch bei unserer Halloween-Party geholfen“, erinnert sich ein Vorstandsmitglied des örtlichen Fußballclubs und hat Tränen im Auge.

„Jeder Dritte kennt hier die Familie“, sagt der Bürgermeister Hans-Joachim Schwarz (CDU). Entsprechend groß sei die Anteilnahme. Und auch die Verunsicherung wachse. Selbst beim 80. Geburtstag einer Mitbürgerin, zu dem Schwarz eine Flasche Wein der Gemeinde vorbeibrachte, habe es kein anderes Thema gegeben. Eine eindeutige Empfehlung, wie sich speziell Frauen nun verhalten könnten, um sich zu schützen, will die Polizei nicht abgeben. Da solle man sich am besten auf seine gesunde Selbsteinschätzung verlassen, sagte der Sprecher der Polizeidirektion, Walter Roth. „Wir gehen nur noch zu dritt joggen“, befindet eine ältere Dame. Doch da weiß sie noch nicht, dass die junge Frau wirklich Opfer eines Verbrechens geworden ist.

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