Sehr her, ich bin unschuldig! Christoph Sonntag liest als „Bruder Christophorus“ am Samstag (29. Februar) um 11 Uhr in der Alten Kelter in Fellbach wieder der Landespolitik die Leviten Foto: Markus Palmer

Zu unkonkret, teilweise sogar nachweislich falsch – so bewertet die Stuttgarter Staatsanwaltschaft die Vorwürfe gegen Christoph Sonntag von seiner Noch-Ehefrau. Doch noch ist der Fall nicht ganz ausgestanden.

Stuttgart - Nach der Landeszentrale für politische Bildung (LpB) hat nun auch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Kabarettist Christoph Sonntag vom Vorwurf des Betruges entlastet und das entsprechende Verfahren nach mehrmonatiger Prüfung eingestellt. „Bei Überprüfung der erhobenen Vorwürfe konnte kein hinreichender Tatverdacht für ein strafbares Verhalten festgestellt werden.“ begründete der Sprecher der Behörde die Entscheidung auf Anfrage unserer Zeitung.

Korrekt abgerechnet

Dem Kabarettisten war von seiner Noch-Ehefrau, von der er sich getrennt hat, unter anderem vorgeworfen worden, seine gemeinnützige „Stiphtung“ zur persönlichen Bereicherung und zur Auslastung seiner Künstler-GmbH missbraucht zu haben. In dem Zusammenhang sollen auch Fördergelder des Landes für ein Demokratie-Projekt missbräuchlich verwendet worden sein. Die Landeszentrale für politische Bildung, die gemeinsam mit Sonntag das Demokratie-Projekt umsetzte, hatte Vorwürfe geprüft und anschließend im September erklärt, dass Sonntag die Gelder korrekt verwendet habe. Im Umfeld von Sonntags Noch-Ehefrau hieß es dazu, dass es kein Wunder sei, dass der Kabarettist bei der Schlussabrechnung korrekt gewesen sei. Schließlich seien die Vorwürfe zuvor (im Juli 2019) öffentlich geworden, somit sei Christoph Sonntag vor Erstellen der Schlussabrechnung gewarnt gewesen. Auch der Opposition im Landtag fiel als Merkwürdigkeit auf, dass Sonntag letztlich nicht den vollen Kostenrahmen von 260 000 Euro ausschöpfte, der ihm vom Land bewilligt worden war, sondern um immerhin rund 80 000 Euro darunter blieb.

Fragwürdige Einladungen

Nun wird im Fall Sonntag von Seiten der Staatsanwaltschaft nur noch geprüft, ob sich der Kabarettist womöglich der Vorteilsgewährung schuldig gemacht hat, als er Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) zwei Mal zum Abendessen einlud. Lucha hatte Sonntags „Stiphtung“ die Landesförderung im Volumen von rund 180 000 gewährt, Sonntag bemühte sich in dem Zeitraum, in den die Essenseinladungen fielen, um eine Verlängerung des Projekts.

SPD und FDP im Landtag werfen Lucha Kumpanei mit dem Kabarettisten vor und denken über einen Untersuchungsausschuss nach. Sonntag wird bei seinem nächsten Auftritt am Samstag (11 Uhr) als „Bruder Christophorus“ in Fellbach der Landespolitik wieder die Leviten lesen.

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