Irlands Staatsminister Simon Harris spricht über den Aufschwung seines Landes Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ex-Krisenstaat Irland erlebt neuen Wirtschaftsaufschwung. Minister Harris empfiehlt Athen Umschuldung und Wachstumspolitik.

Stuttgart - Immer um den St. Patrick’s Tag herum, schwärmt die irische Regierung aus, um mit Hilfe des P-Days, in aller Welt für die irische Sache zu werben. Nach Stuttgart kam Staatsminister Simon Harris, der sich, beim Premierminister angesiedelt, um Finanzpolitik kümmert. Auch er lockte mit irischer Soft Power. In der Tat hat die kleine verregnete Insel im Nordwesten Europas in jüngster Zeit wieder viel an wirtschaftlicher Attraktivität gewonnen.

Nach Jahren tiefer Krise, die das Land an den Rand der Pleite gebracht hatte, brüllt der keltische Tiger wieder: Kein Land in Europa wächst so schnell wie die grüne Republik. 2014 belief sich das Wirtschaftswachstum auf 4,6 Prozent, und im laufenden Jahr soll die irische Wirtschaft, so prognostiziert die EU-Kommission, um 3,6 Prozent zulegen

Der erst 28-jährige Schnellsprecher Harris von der Regierungspartei Fine Gael ist nicht um eine Antwort auf die Griechenland-Krise verlegen: „Ich würde einige der Maßnahmen vorschlagen, die die irische Regierung ergriff“, sagt Harris unserer Zeitung. Athen müsse sich um eine Umschuldung bemühen, anerkennen, dass es seine Schulden auch bezahle und „zuhause eine wachstumsfreundliche Politik verfolgen“, sagt der Minister, dem mancher noch weit höhere Regierungsämter zutraut.

In der Tat hält die „irische Erfahrung“, wie Harris es nennt, eine nützliche Lektion für Griechenland: Zwar waren die Probleme Athens, was Verschuldung oder wachstumsfeindliche Überregulierung anlangt, viel gravierender als die der Iren. Dennoch zwang ein Bankencrash die Regierung in Dublin Ende 2010 zur Aufnahme eines 68 Milliarden Euro schweren Notkredits von internationalem Währungsfonds und EU-Rettungsfonds. Es folgten harte Sparrunden. Unter anderem wurden Gehälter und Pensionen im öffentlichen Dienst gekürzt.

Sparpolitik zahlt sich aus

Doch die Sparpolitik zahlte sich aus. Ende 2013 konnte die Inselrepublik mit seinen 4,6 Millionen Einwohnern den europäischen Rettungsschirm wieder verlassen. Seitdem erlebt das Land einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung. So nahm die Industrieproduktion zuletzt um 18 Prozent zu. Doch der neue Aufschwung kommt bei vielen Iren noch nicht an. Die Arbeitslosigkeit ist mit 10,1 Prozent noch immer groß.

Und wie könnte aus irischer Sicht eine Lösung der Griechenlandkrise aussehen? Dublin ist gegen ein ungeplantes Ausscheiden Athens aus dem Euro. Harris signalisiert Entgegenkommen. „Sollten sich die Europäer dazu entschließen, die Bedingungen der Schuldenrückzahlung zu verändern, sollte auch Athen seine Verpflichtungen mit ersten Schritten erfüllen.“

Harris betont: „Wir müssen ein Vertrauensverhältnis aufbauen.“ Angesichts der Krise um den Euro überraschend: die ungebrochen Europa- und Euro-freundliche Haltung Dublins. Für ein kleines, globalisiertes Land, das stark vom Export abhängt, bringe eine gemeinsame Währung große Vorteile, sagt Harris. Das hätten ihm nicht zuletzt die mehr als 400 irischen Unternehmen, die in Deutschland aktiv seinen, klar gemacht.

Die Aussichten seines Landes sind gut. Aber es bleibt verwundbar, sollten die Absatzmärkte wieder schwächeln. Auch das Abtragen der Schulden, wird Irland nach Aussagen von Harris „noch Jahrzehnte“ beschäftigen. Und die Sparpolitik könnte, sollte der Widerstand wachsen., nach den Wahlen im Frühjahr 2016 komplizierter werden.

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