Der Fotograf Frederik Laux hat die Situation in der Roma-Siedlung in eindrucksvollen Bildern festgehalten. Foto: Frederik Laux

Bei einer Foto-Ausstellung in der Stuttgarter Kirche St. Maria sammeln verschiedene Einrichtungen Spenden für den Bau eines Mütterzentrums in Serbien.

S-Süd - Auf den Fotos lächeln die meisten Bewohner des Belgrader Roma-Quartiers. Doch zum Lächeln ist vielen von ihnen nicht unbedingt zumute. Oft fühlen sie sich als Roma ausgegrenzt, haben Schwierigkeiten einen Job zu finden, viele leben in ärmlichen Verhältnissen. Mit der Ausstellung „Unser Raum/Naš Prostor – 1173 km und doch so nah“, die d der Kirche St. Maria an der Tübinger Straße zu sehen ist, wollen der Freundeskreis Flüchtlinge Stuttgart-Süd, das Mütterzentrum Internationales Netzwerk für Empowerment (MINE e.V.) und der Verband Deutsche Sinti und Roma Baden-Württemberg die Lebensumstände im Belgrader Roma-Quartier verdeutlichen. Gezeigt werden Bilder des Stuttgarter Fotografen Frederik Laux, der ein Mütterzentrum bei Belgrad besucht und die Situation in der Roma-Siedlung in eindrucksvollen Bildern festgehalten hat. Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Siedlung sind bei der Ausstellung ebenfalls zu sehen.

Vom ehemaligen Arbeitgeber bedroht

Die Schau ist der Auftakt zu einer Spendenaktion für den Bau eines Mütter- und Familienzentrums in einem Vorort von Belgrad, das Jelena Brkic, eine Rückkehrerin aus Stuttgart, in ihrer alten Heimat initiiert hat. Brkic kam mit ihrem Mann und den zwei Söhnen 2014 als Flüchtlingsfamilie nach Deutschland. Den Asylantrag stellten Jelena und ihr Mann Stanoje, nachdem sie, wie sie berichten, einen ehemaligen Arbeitgeber wegen fehlender Lohnzahlungen angezeigt hätten und dieser die Familie bedroht habe. Daraufhin wurden die Brkics in einem Flüchtlingsheim an der Böblinger Straße in Stuttgart untergebracht, von Oktober 2014 bis Anfang 2016 lebten sie im Stuttgarter Süden. Bald kamen sie mit Ehrenamtlichen aus dem Freundeskreis Flüchtlinge Stuttgart-Süd und anderen Familien in Kontakt.

Jelena Brkic arbeitete ehrenamtlich im Begegnungscafé im Generationenhaus Heslach. Dort lernte sie das Konzept und die Angebote der Mütterzentren kennen, in denen Frauen aller Generationen und unterschiedlicher Herkunft Kurse belegen und sich aktiv in ihrem Stadtteil einbringen können. „Ich finde es wichtig, Frauen stark zu machen und für ihre Rechte zu kämpfen“, erklärt Jelena Brkic. „Deshalb konnte ich mir ein Mütterzentrum auch gut für Serbien vorstellen.“

Trotz aller Bemühungen, in Stuttgart bleiben zu können, erhielten die Brkics keinen Aufenthalt in Deutschland, Anfang 2016 mussten sie zurück nach Serbien. Dort wurde Jelena schnell aktiv und organisierte die ersten Gesprächsrunden und Themennachmittage für Frauen. „Anfangs haben wir uns in den Wohnzimmern der Frauen getroffen“, erzählt Jelena. Später konnte sie mit der Unterstützung des Vereins Mütterzentrum Internationales Netzwerk für Empowerment (MINE) einen kleinen Raum mit 30 Quadratmetern anmieten. „Dort können die Frauen Näh- oder Kochkurse besuchen, es gibt Vorträge und Workshops zu unterschiedlichen Themen und ein Babycafé“, so Jelena Brkic. „Außerdem können die Kinder dort spielen, malen und basteln und wir bieten eine Hausaufgabenhilfe für Schüler an.“ Anfangs, erzählt Brkic, seien nur Roma-Frauen in ihr Zentrum gekommen, inzwischen seien zu ihrer großen Freude aber auch serbische Frauen mit dabei. „Allerdings ist der Platz schon sehr begrenzt.“

Ein Modellprojekt für den ganzen Balkan

Deshalb will Brkic in Belgrad ein Mütter- und Familienzentrum mit einer Fläche von rund 350 Quadratmetern eröffnen. „Das Zentrum soll ein Modellprojekt für den ganzen Balkan werden“, erklärt Andrea Laux, Vorstandsvorsitzende des Vereins MINE. „Deshalb kommt Jelena auch regelmäßig zu Fortbildungen und Veranstaltungen nach Deutschland und hat in verschiedenen Mütterzentren hospitiert.“

Das Mütterzentrum soll ein Ort für Frauen aller Generationen werden, an dem sie sich weiterbilden und austauschen können, Zuflucht finden und ihre Kinder miteinander spielen lassen können. Auch Workshops für Jugendliche und ein Kindergarten sind geplant, einen Gemüsegarten soll es ebenfalls geben. Und auch die Männer sollen nicht zu kurz kommen. „Für die Männer wünschen wir uns eine Werkstatt“, erzählt Jelenas Mann Stanoje Brkic. Insgesamt 150 000 Euro werden für den Bau des Mütterzentrums benötigt. Diese sollen im Rahmen der aktuellen Foto-Ausstellung und bei verschiedenen Veranstaltungen gesammelt werden.

Die Ausstellung in der Kirche St. Maria, Tübinger Straße 36, kann noch bis Sonntag, 5. Mai, tagsüber besichtigt werden. Begleitend zur Ausstellung erzählt die Initiatorin Jelena Brkic am heutigen Freitag, 3. Mai, bei einem Frühstücksgespräch um 10 Uhr unter dem Motto „Unser Raum Naš prostor – Vom Gelingen und gemeinsamen Lernen“ mehr über ihr Projekt. Das Frühstücksgespräch findet im Familienzentrum MüZe Süd im Generationenhaus Heslach, Gebrüder-Schmid-Weg 13, statt.

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