Niklas Kolbe feierte im Spiel bei Jahn Regensburg sein Zweitligadebüt im Dress des SSV Ulm 1846 Fußball. Foto: IMAGO/IPA Photo/IMAGO

Die zweite Liga ist für Niklas Kolbe Neuland. Und im DFB-Pokal geht es für ihn mit dem SSV Ulm 1846 gleich gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Wie ist er bei den Spatzen angekommen? Wie schätzt er die Chancen auf eine Überraschung ein?

Zweitliga-Aufsteiger SSV Ulm 1846 empfängt in der erste DFB-Pokal-Runde an diesem Freitag (20.45 Uhr/ZDF) vor 17 400 Zuschauern im ausverkauften Donaustadion den deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Ulms von den Stuttgarter Kickers gekommener Innenverteidiger Niklas Kolbe gibt Einblicke.

 

Herr Kolbe, stehen Sie vor Ihrem Karriere-Highlight?

Nein, dafür ist die zweite Liga einfach zu krass.

Oder liegt’s daran, dass Sie 2015 mit dem FC Nöttingen schon mal ein DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern erlebten?

Nein, das hat damit nichts zu tun. Bei dem 1:3 damals im Karlsruher Wildpark saß ich zwar umgezogen am Spielfeldrand, stand aber in meinem ersten aktiven Jahr nicht im Kader.

Enorme Intensität

Okay, es liegt also an der zweiten Liga. Was ist denn so krass an dieser Spielklasse?

Die Intensität im Training und in den Spielen, das ganze Drumherum, das Mediale, die Stadien.

Sportlich so richtig angekommen sind Sie und Ihr Team aber noch nicht.

Was die nackten Ergebnisse betrifft, mag das so sein. Sowohl das 1:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern als auch das 0:1 bei Jahn Regensburg waren Spiele mit Licht und Schatten. Wir müssen Konstanz reinbringen über 90 Minuten, dann werden wir bald punkten.

Wie sehen Sie Ihre Rolle?

Ich war mit der Vorbereitung sehr zufrieden, habe viel an meinem Fitnesszustand gearbeitet und mich auch schnell akklimatisiert. Aber ich konnte am Anfang ja nicht gleich die großen Ansprüche anmelden, ich komme aus der Regionalliga!

Wie groß ist der Sprung?

Vor allem läuferisch ist das schon eine ganz andere Nummer. Ein wenig ist das auch unserem System geschuldet, von uns Innenverteidigern wird sehr viel Bewegung verlangt. Ansonsten bestehen in Sachen Fußball-IQ, Handlungsschnelligkeit, Spieltempo die größten Unterschiede.

„Beim Trainer gibt’s keine offenen Fragen“

Zuletzt in Regensburg feierten Sie Ihr Zweitligadebüt.

Nach der Pause kam ich rein und habe mich natürlich sehr über mein Debüt gefreut.

Was ist Trainer Thomas Wörle für ein Typ?

Unser Coach ist menschlich, arbeitet sehr akribisch und hat eine ganz klare Vorstellung davon, wie wir Fußball spielen wollen. Es gibt bei ihm keine offenen Fragen. Hinter allem, was er anpackt, steckt ein Plan.

Wörle arbeitete neun Jahre als Frauentrainer beim FC Bayern. Ist für ihn der Pokalhit etwas ganz Besonderes?

Darüber haben wir nicht gesprochen. Auf dieses Spiel herrscht im ganzen Verein eine unfassbare Vorfreude.

Ihre Mitspieler Chris Ortag und Jo Reichert haben schon einmal eine Pokalsensation mitgemacht.

Ja, 2018 gegen den damaligen Titelverteidiger Eintracht Frankfurt. Ab und zu bekommt man davon etwas mit.

Was muss passieren, dass sich so etwas am Freitag wiederholt?

Wenn ich das beschreiben könnte, würde ich wahrscheinlich den Nobelpreis bekommen. Klar ist, wir müssen unseren Plan umsetzen, extrem gut verteidigen und nach vorne Nadelstiche setzen. Außerdem brauchen wir natürlich auch ein gewisses Spielglück. Dann weiß man im Fußball ja nie, was passiert.

Am 1. November 2023 hat es der 1. FC Saarbrücken gegen Bayern vorgemacht.

Und das wird wahrscheinlich kein Vorteil für uns sein. Die Bayern werden von Beginn an abgezockt zur Sache gehen. Sie haben einen neuen Trainer, neue Spieler, sie werden das Spiel kaum auf die leichte Schulter nehmen.

Sie sind mit 27 Jahren in die zweite Liga gewechselt. Wann war klar, dass Sie die Kickers – unabhängig vom Drittligaaufstieg – verlassen werden?

Ich hatte im Oktober 2023 mein Studium im Bereich Einkauf/Logistik abgeschlossen. Danach ist die Zahl der Anfragen nach oben geschnellt. Um es klar zu sagen: Ich hatte eine rundum positive Zeit bei den Kickers, die Blauen werden für mich auch immer eine ganz besondere Bedeutung haben. Aber wenn man die Möglichkeit hat, in Liga zwei zu spielen, wollte ich mich später nicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen, es nicht probiert zu haben.

Nach dem Motto: wenn nicht jetzt, wann dann?

Eher: wenn nicht jetzt, dann nie.

Lange Zeit deutete alles auf den 1. FC Nürnberg hin. Kam es nicht dazu, weil der Trainer beim Club nicht mehr Cristian Fiel hieß?

Ich wollte einfach keine voreilige Entscheidung treffen. Die Gespräche mit Ulm waren top, das Team, das Umfeld ähnelt dem bei den Kickers. Alles ist sehr menschlich. Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Zumal ich auch ein kleiner Heimscheißer bin (lacht).

„Positives Feedback für meine Leistung“

Einer, der aber nicht mehr nach Ellmendingen im Enzkreis pendelt.

Dafür hat es zu viel Stau am Drackensteiner Hang und rund um den Stuttgarter Flughafen. Nein, ich habe jetzt natürlich eine Wohnung – in Ulm-Elchingen.

Wie gut stehen Ihre Chancen auf einen Startelfeinsatz gegen die Bayern?

Ich hoffe natürlich, dass ich auf dem Platz stehen kann. Ich habe ein positives Feedback für meine Leistung in Regensburg bekommen. Am Ende entscheidet der Trainer und an erster Stelle steht das Team.

Wie geht’s aus?

Ich werde hier jetzt nicht das Sensationsergebnis tippen. Wir wollen das Spiel einfach so lange wie möglich offen halten.

Zur Person

Karriere
Niklas Kolbe wurde am 27. Dezember 1996 in Neuenbürg geboren. In der Jugend spielte er für den Karlsuher SC und den FC Nöttingen. Von dort wechselte der 1,95 Meter große Innenverteidiger 2020 zu den Stuttgarter Kickers. Seit 1. Juli 2024 steht er bei Zweitligist SSV Ulm 1846 Fußball unter Vertrag.

Persönliches
Kolbe hat im Oktober 2023 sein Studium (Einkauf/Logistik) abgeschlossen. Er ist Fan von Schalke 04. Sein Lebensmotto: „Man hat kein Glück, man erarbeitet sich sein Glück.“ (jüf)